Vielfalt, das Opfer des Bologna-Prozesses

10. September 2004, 14:58

Standard: Braucht Europa ein einheitliches Bildungssystem?
Colin-Tück: Prinzipiell ist der Bologna Prozess begrüßenswert. Wir stehen den Umsetzungsmaßnahmen kritisch gegenüber. Die Vielfalt der Hochschulen in Europa soll bewahrt werden. Wenn diese dem Bologna-Prozess zum Opfer fallen würde, wäre dies eine fehlerhafte Entwicklung.

STANDARD: Was kritisiert ihr an der Umsetzung?
Tück: Es wird unter dem Label "Bachelor - Master" Bildungsabbau betrieben. Eine möglichst große Anzahl Studierender soll den Bachelor, doch nur wenige den Master absolvieren dürfen.

STANDARD: Wird es in Deutschland künftig Elite-Unis geben?
Tück: Diese Debatte kommt zur völlig falschen Zeit. Wir haben nicht einmal eine leistungsfähige Breitenförderung. Ebenfalls verfehlt ist eine Leistungsförderung, bei der Studenten bereits vor dem Zugang zur Hochschule in gut und böse selektiert werden und manche - warum auch immer - die Chance haben, zum erlauchten Kreis einer Elite-Uni zu gehören.

STANDARD: Wie soll der Status-quo verbessert werden?
Tück: Wir befinden uns in einer beängstigenden Situation. Der Staat scheint sich überall aus seiner Verantwortung zurückziehen zu wollen. Der Studieneinstieg muss attraktiver gestaltet werden. Eine Lehre sollte partiell als Studienleistung anerkannt werden.

Colin Tück, Vorstandsmitglied des Dachverbands deutscher Studenten- schaften (FZS), hält die deutsche Universitätssituation für beängstigend, sagte er zu Fabian Kissler.
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