Barbarella und die Rübe im Kästchen

9. April 2004, 16:24
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Jetzt wollen sie den Wienern auch noch den Rudi Klausnitzer vermiesen! Das hängt mit zwei Erscheinungen zusammen: der Barbarella und der Rübe

... Die vielseitige Gestalt des Wiener Kulturlebens (im weitesten Sinne) ist unter anderem Autor des englischen Buches und der Liedertexte des Musicals "Barbarella", das demnächst im Raimundtheater Premiere hat. Was sofort Neider auf den Plan rief und uns zur Rübe führt. Der Mitte 2002 ausgeschiedene Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wiens - eine Vereinigung, der auch das Raimundtheater angehört - und nunmehrige Vorsitzende der Geschäftsführung von "NEWS" - eine Firma, die der Mediaprint etwas weniger nahe steht als der "Kurier" -, gilt der "Austria Presse Agentur" bereits als das Phantom der Vereinigten Bühnen: Nahezu überall taucht sein Name auf. Was das Phantom gestern in einem Interview im "Kurier" zu der Titelklage veranlasste: "Wer sein Kästchen verlässt, kriegt eine über die Rübe."

Auch wer das Musical "Barbarella" mit heißerer als gedämpfter Sehnsucht erwartet, mag sich über diese Klage ein wenig gewundert haben, ging doch aus dem eher unspontan wirkenden Interview hervor, dass Herrn Klausnitzers Problem nicht das Verlassen eines Kästchens, sondern höchstens seine Präsenz in allzu vielen sein kann. Es gibt halt so Kästchen - der Manager, der Künstler, der Journalist -, und wenn jemand sein Kästchen verlässt, dann muss er vorsichtshalber erst einmal eine über die Rübe kriegen. Da sei Barbarella vor!

Und auch der "Kurier" war sehr um Herrn Klausnitzers Rübe bemüht, galt sein Interview doch offensichtlich der Abwehr des STANDARD, der in der letzten Zeit einiges über Kraut und Rüben im Portefeuille des "NEWS"-Geschäftsführers geschrieben hatte. Dass Klausnitzer, Ex-Intendant und Producer der VBW, die englischen Originaltexte verfasste, war dem Standard eine aufgeregte Schlagzeile wert, über die KURIER-Leser nur schmunzeln konnten: Wir berichteten darüber schon im Herbst 2003.

Da werden "Kurier"-Leser, die zum STANDARD greifen, über den "Kurier" geschmunzelt haben, konnte ihnen doch nicht verborgen bleiben, dass nicht das librettistische Genie Klausnitzers, sondern die Vielfalt seiner Engagements in den Kästchen der Vereinigten Bühnen Wiens das Thema des STANDARD war. Und noch heftiger werden sie über ihr Blatt geschmunzelt haben, das Klausnitzer zwei Drittel einer Seite für den Versuch einräumte, die im STANDARD aufgeworfenen Fakten zu entkräften, also seiner Rübe durch deren Präsentation als Zuckerrübe Linderung zu verschaffen.

So hat DER STANDARD berichtet, dass der vorsitzende "NEWS"-Geschäftsführer noch immer 2,66 Prozent der Anteile der Vereinigten Bühnen hält. Da stellt der "Kurier" messerscharf die Sinnfrage. Welchen Sinn hatte es für Sie, als Intendant mit befristetem Vertrag, eine Beteiligung zu erwerben? Und was muss er erfahren? Es handelt sich nicht um einen Erwerb, sondern um eine Übertragung. An dem im STANDARD festgestellten Faktum ändert das nichts. Laut Klausnitzer ging es ihm bei der weitgehend sinnfreien Übertragung vor allem ums Pläsier. Ich empfand das als Ehre und habe mich sehr gefreut, auch wenn es wirtschaftlich keinen Sinn macht, weil man mit 2,66 Prozent nichts mitbestimmen kann. Aber man hat doch einen Fuß in der Tür, und wenn es nur wegen der Ehre ist.

Und wenn es mehr als die Ehre ist, dann ist es noch immer keine operative Funktion. An der Homepage der Vereinigten Bühnen war auch eine Firma DMC 01 beteiligt. Auch so ein Kästchen halt. Und wer scheint im Firmenbuch als Geschäftsführer auf? Erraten - der Rübenmärtyrer. Es war aber keine Frage der Ehre, sondern die Folge einer Firmenverschmelzung. Er hatte dort nie eine operative Funktion. Ich habe auch bereits vor längerer Zeit die Löschung im Handelsregister verlangt. So etwas dauert halt. Und Pech für den "Kurier": Auch diese "APA"-Meldung ist schon im STANDARD gestanden.

Zwar hat der "Kurier" schon im Herbst 2003 Klausnitzers Librettisten-Lorbeer gerühmt, aber erst gestern stellte er die Frage: Wie wurden Sie Autor? Na wie schon! Durch Zufall. Der Zufall stellte sich dann als bis in die Neunziger zurückreichende Ausübung operativer Funktionen vom Gespräch mit dem "Barbarella"-Erfinder über Kontakte mit dem Komponisten heraus, und auf einmal waren die ersten zwei Songs da. O du schöne, unschuldige Welt des Musicals!

In der spielt Geld keine Rolle. Sie sind Producer vieler Aufführungen der Vereinigten Bühnen Wien. Was bedeutet das für Sie finanziell? bohrt der "Kurier". Viel weniger, als die Neider so glauben. Daher erst gar keine Details, Tendenz: Nicht einmal ein Zehntel. Wozu auch? Das Risiko tragen - schon wieder so ein Zufall - ohnehin die Vereinigten Bühnen, nur anderswo tut das ein Producer. Aber "NEWS" wird uns demnächst alles bis ins letzte Detail enthüllen. Top secret.
(DER STANDARD; Printausgabe, 24.2.2004)

Von Günter Traxler
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