Maschinensteuerung

21. April 2004, 16:18
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Johanna Ruzicka über die nicht aufzuhaltende Rationalisierung im Arbeitsprozess

Immer mehr Arbeit wird von Maschinen verrichtet, das ist seit gut 150 Jahren zu beobachten. Bisher glaubten wir, dass dieser Prozess im Bereich der Dienstleistungen Halt machen würde: im Fremdenverkehr, bei Pflege und Beratung.

Dem ist nicht so: Das Hotel, das nur noch ein Roboter-Putztrupp auf der Suche nach Schmutz durchwuselt - diese Vorstellung ist schon sehr nahe gerückt. Die angeblich hochwertige Arbeit des Rezeptionisten kann schon jetzt von Maschinen erledigt werden. Weltweit wird angesichts unserer immer älter werdenden Gesellschaft nach dienstbaren Maschinen geforscht - sei es für den Haushalt, sei es für die Pflege von Menschen.

Denn nichts, so lernen wir immer wieder, ist teurer als menschliche Arbeit. Und nicht einmal die Globalisierung, diese Maschinerie, die den reichen Staaten und Konzernen beliebig viele billige Arbeitskraft zuführt, kann sich über dieses Gesetz erheben - weshalb es unter den Billiglohnländern zu einem beinharten Konkurrenzkampf der Standorte kommt.

Nun sind wir als kleines Land davon abhängig, dass es hierzulande pfiffige Ideen gibt, bei denen menschliche Arbeitsleistung nur in geringen Mengen anfällt oder überhaupt überflüssig wird. Produkte, die dieses "auf den Kopf gestellte" Verhältnis (wie es Karl Marx nicht unzutreffend nannte) von wenig menschlichem und viel maschinellem Input haben, werden künftig weltweit gefragt sein. Egal, ob sie in der Mechanik, in der Softwareindustrie oder im Beherbergungswesen anfallen. Denn dies sind die Güter mit dem höchsten Profit.

Aber eine Frage stellt sich schon: Wo werden künftig die Geschäftsleute, Bautrupps und Ingenieure herkommen, die in von Robotern gewarteten Hotels übernachten und in vollautomatisierten Fabriken arbeiten? (DER STANDARD Printausgabe, 23.02.2004)

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