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Sie ist keine Frau der vielen Worte. Stellt man ihr eine Frage, dann denkt sie länger nach. Ein, zwei Sätze als Antwort müssen genügen. "Innerlich" ist das Wort, das Regisseurin Anja Salomonowitz verwendet, beschreibt sie das Spiel von Tatjana Alexander.
Innerlich. Das klingt nach einem leisen Tonfall und großen Gefühlen. Nach einer Welt, die sich irgendwo da tief drinnen auftut, zu der man aber keinen Zugang erhält. Eine Welt wie jene von Magdalena, die Tatjana Alexander in Spanien, dem ersten Spielfilm der österreichischen Regisseurin Anja Salomonowitz verkörpert. Gerade wurde der Streifen auf der Berlinale gezeigt, am 20. März eröffnet er die Grazer Diagonale. Ein stiller poetischer Film - und einer der ein großes Anliegen hat. In seinem Mittelpunkt: Magdalena, eine in sich gekehrte Restauratorin, die die verblassenden Fresken einer kleinen niederösterreichischen Kirche mit neuem Leben erfüllt.
Ja, es gäbe da viele Momente, sagt Tatjana Alexander, an denen ihr diese Magdalena sehr nah sei. Eine Frau, die in sich ruht und die diese Stille auch nach außen hin ausstrahlt. Es gebe aber auch einiges, das ihr diese Figur sehr fremd mache.
Heimat Australien
Tatjana Alexander ist im heimischen Kino ein neues Gesicht. Jemand, der in Deutschland bekannter ist als hierzulande. Und das obwohl sie bereits seit mehr als acht Jahren in Wien lebt. "So lange habe ich es noch nirgends ausgehalten", sagt sie. Die Ruhe, die Alexander ausstrahlt, hat wenig mit der Ruhelosigkeit zu tun, die ihr bisheriges Leben bestimmt hat. Eine Jugend zwischen Oberösterreich und Melbourne, Studium in Los Angeles, erste Arbeitserfahrungen in Sydney, später in Berlin. Ihre Eltern wanderten in den 50er-Jahren nach Australien aus; als sie als jüngstes von vier Geschwistern (geb. 1969) in die Schule kam, zog die Familie zurück nach Österreich: "Meine Heimat ist aber immer Australien geblieben". Nach der Matura kaufte sie sich als Erstes ein Flugticket. Auf zu ihrem Bruder nach Sydney, einer Stadt wie aus einem Surferkatalog.
So wirklich vorstellen kann man sich Alexander dort nicht: ihr heller Teint, die rötlichen Haare, ihre zurückhaltende Art. Ganz anders in der flachen, ereignislosen Landschaft Niederösterreichs, in der Salomonowitz ihren Film angesiedelt hat. Eine Landschaft, die kühl und distanziert wirkt und ihre Geheimnisse gut zu verbergen weiß. "Tatjana hat den magischen Part an ihrer Rolle verstanden", sagt Salomonowitz: "Und sie hat ihn in ihr Spiel übersetzt." Dabei war sie allein auf ihre Gestik und Mimik angewiesen. Worte macht diese Magdalena ja bekanntlich so gut wie nicht.
Salomonowitz vertraut lieber auf den gezielten Einsatz von Symbolen, viele davon mit einem biblischen Hintergrund. Die Restauratorin Magdalena malt in ihrer Freizeit Ikonen, sie gabelt auf der Straße Männer mit Migrationshintergrund auf und porträtiert sie in ihrer Wohnung. Die großen Augen, die dominante Stirn, der intensive Blick. Gesichter, die entindividualisiert wirken sollen, bekommen so eine zutiefst menschliche Note. Ein bisschen ist das auch mit Magdalena so. Eine Frau wie eine Heilige.
Zwischen den Kulturen
"Tatjana ist eine Muse", sagt Salomonowitz, wenn man sie zu ihrer Zusammenarbeit mit Alexander befragt. Ganz ähnliche Worte verwendet auch der Berliner Regisseur Filippos Tsitos, mit dem Alexander die meisten ihrer Film- und Fernseharbeiten in den vergangenen 15 Jahren realisierte. Einige Tatorte sind darunter, die Fernsehserie KDD, aber auch der Berlinale-Wettbewerbsfilm My sweet home. Er spielt zwischen den Kulturen, genauso wie Spanien. Ein Film über Ehepaare, von denen ein Teil aus einem Drittstaat kommt, war der Ausgangspunkt für Salomonowitz' Film.
Das Pendeln zwischen den Kulturen gehört auch für Tatjana Alexander zu ihrem Lebensalltag. In Sydney hielt es Alexander nur für kurze Zeit, die Arbeitsmöglichkeiten als Schauspielerin waren einfach zu beschränkt. "Erst mit Muriel's Wedding und mit Priscilla, Queen of the desert rückte der australische Film in den internationalen Fokus. Da war ich dann aber schon weg." In Berlin fand die Schauspielerin bessere Arbeitsbedingungen vor, sie spielte in Fernsehfilmen, schließlich 2004 auch in der ersten Staffel der später Kult werden sollenden Serie Stromberg. Als Stromberg-Vorgesetzte Tatjana Berkel sollte Alexander in Deutschland auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden. Noch heuer sind die Dreharbeiten für einen Stromberg-Kinofilm geplant.
Dann wird sich Alexander wieder regelmäßig in den Flieger setzen, genauso wie sie es in den vergangenen Jahren so oft gemacht hat. Aus Beziehungsgründen kam sie nach Wien, hier geht auch ihr Sohn zur Schule. Für die Arbeit pendelte sie aber weiter nach Deutschland. So wirklich sesshaft ist sie in der Stadt aber noch nicht. "Bewegt sich da manchmal auch etwas?", fragt sie. Für einen Moment blitzt in den Worten von Tatjana Alexander so etwas wie Unruhe auf. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/02/03/2012)
Foto: Mark Glassner
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