"Blau wie die Farbe, nicht wie der Zustand"

17. Februar 2012, 16:47
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Was bedeutet es, wie eine Farbe oder ein Farbton zu heißen? Das wollte RONDO von sechs Personen wissen

Claudia Schwarz
Mitarbeiterin am Institut für Wissenschaftsforschung

foto: georg molterer

Ich finde, die Farbe Schwarz beschreibt mich ganz gut. Und zwar bin ich, von meiner dunklen Haarfarbe einmal abgesehen, auch eine echte Schwarzseherin. Trotzdem gibt es nur eine negative Sache, die ich mit meinem Namen ver-binde: Ich komme ursprünglich aus der Südsteiermark und bin in meiner Schulzeit immer "die Schworz" genannt worden. Das klang im stoasteirischen Dialekt schon nicht so besonders, aber heute werde ich im englischen Raum genauso ausgesprochen!

Übrigens ist Schwarz in Österreich der 21-häufigste Name – ein richtiger Allerweltsname. Mein Vorname ist ja auch nicht gerade außergewöhnlich. Da kommt man schon ins Grübeln, wie man sich namentlich interessanter machen könnte! Wenn ich's mir recht überlege, muss die Lösung "Doppelname" heißen. Ich achte jetzt schon bei der Partnerwahl darauf, ob die Nachnamen auch zusammenpassen könnten. Die Kombination Schwarz-Weiß wäre mir allerdings dann doch zu viel Kontrast.

Sabine Pink
Produktmanagerin

foto: georg molterer

Für viele ist der Nachname nicht mehr als eben ein Name. Wenn man allerdings wie eine Farbe heißt, ist das gleich etwas ganz anderes – vor allem bei Pink. Es fällt mir immer wieder auf: Der Name Pink lässt Menschen lächeln. Jeder, mit dem ich spreche, hat sofort Assoziationen dazu im Kopf – angefangen bei verschiedenen Rosatönen bis hin zu konkreten Eigenschaften wie spritzig oder flippig. Wie allgegenwär-tig mein Name ist, hat mir zuletzt wieder ein Trip nach Los Angeles gezeigt.

Selbst unweit vom Sunset Boulevard gab es kein Entkommen. Dort heißt ein Würstelstand mit vielen prominenten Kunden: "Pink's Hot Dogs". Später erst habe ich herausgefunden, dass auch die Gründer, wie ich, aus Oberösterreich kommen – wer weiß, vielleicht sind wir sogar verwandt? So gern ich meinen Namen auch mag, meine Lieblingsfarbe ist Pink nicht. In meiner Wohnung gibt es eigentlich nichts, was farblich zu meinem Namen passt. Okay, abgesehen von einem hellrosa Lampenschirm – aber der zählt nicht.

Alexander Grün
Tonstudio-Besitzer

foto: georg molterer

Gerade der Klang und die Aussprache meines Namens gefallen mir besonders gut. Wenn die Menschen "Herr Grün" sagen, hat das eine gewisse Musikalität – wobei schon auch Ironie mitklingen kann. Mit der Farbe Grün würde ich, um gleich beim Musikalischen zu bleiben, übrigens F-Dur assoziieren. Ich denke da zum Beispiel an die Pastorale von Beethoven, in der er eine Szene am Bach mit Vogelstimmen komponiert hat. Dazu kommt, dass mir die Farbe absolut gefällt.

Ich habe für mein Studio sogar grüne Vorhänge ausgewählt, und nicht selten kann man mich dort auch in grünen T-Shirts antreffen. Das einzig Problematische an meinen Namen ist, dass er durch seine Kürze nicht immer leicht zu verstehen ist. Mein Bruder stellt sich aus diesem Grund am Telefon immer gleich mit "Grün wie Blau" vor. Aber wie gesagt, ich mag meinen Namen. Und immerhin ist mein Vorname ja mehrsilbig ausgefallen. Ansonsten hätte mich wahrscheinlich ein ähnlich klingendes Namensschicksal wie Lang Lang ereilt.

Veronika Weiß
Steuerberaterin

foto: georg molterer

Zuallererst fragen die Leute immer: "Wie schreiben Sie sich?" Darauf antworte ich gerne: "Ich weiß es selbst nicht!" Denn ganz im Ernst, durch das Internet ist diese Frage nicht gerade einfacher geworden! In meiner E-MailAdresse befindet sich jetzt ein "Doppel-s", auf meinem Briefpapier heiße ich weiterhin Weiß "mit scharfem ß". Auch in meiner Heiratsurkunde stehe ich so geschrieben – den Namen habe ich von meinem Ex-Mann übernommen.

Weitgehend bekannt ist, dass viele jüdische Familien Farben als Namen tragen – auch die Familie meines Ex-Mannes war jüdisch. Ich bin keine Jüdin, es ist allerdings interessant, dass ich öfters den Eindruck habe, manche Leute würden mich dahingehend "prüfen" wollen. Ich selbst prüfe beruflich die Steuern anderer, da finde ich passt "Weiß" als Name ausgezeichnet. Man denke nur an die "weiße Weste"! In meinem Büro gibt es übrigens nur weiße Möbel, inklusive Böden. Damit die Ausstattung trotzdem nicht zu klinisch wirkt, haben wir auch ein paar rote Akzente gesetzt.

Hugo Gold
Allgemeinmediziner

foto: georg molterer

Viel ist mir nicht 'passiert' mit meinem Namen. Ich bin im Westen Österreichs aufgewachsen – dort ist Gold ein recht seltener Name gewesen. Aus dieser Zeit erinnere ich mich nur an ein häufigeres Vorkommnis: Da meine schulischen Leistungen ziemlich schlecht waren, haben meine Lehrer regelmäßig eine bekannte Redewendung für mich umformuliert, und zwar: "Es glänzt nicht alles, was Gold ist."

Als ich dann für das Medizinstudium nach Wien gezogen bin, hat mich der Blick ins Telefonbuch kurz etwas geschockt – so viele Personen mit meinem Namen. Aber ehrlich gesagt ist es mir eigentlich egal, wie ich heiße. Gold ist für mich ein neutraler Name. Übrigens gibt es in meiner Praxis keine goldfarbenen Dinge – auch an mir nicht. Ich trage bei der Arbeit weiße Hemden und Jeans. Meine Schwester ist allerdings von Beruf Goldschmiedin geworden.

Christian Blau
Prokurist

foto: georg molterer

Gerade erst zum Jahreswechsel hat sich wieder eine typische Situation ereignet. Ich habe etwas abgeholt, das unter meinem Namen für mich hinterlegt war, und die Kassiererin hat sich bei der Gelegenheit gleich nach meinem Pegel erkundigt. Das passiert mir allerdings nur bei Leuten, die mich nicht kennen. Wenn ich mich jemanden vorstelle, sage ich deswegen gerne: "Blau wie die Farbe, nicht wie der Zustand."

Auf die farblich passende, politische Partei hat mich noch niemand angesprochen. Das wundert mich eigentlich, aber das ist schon gut so – da werde ich lieber mit dem Alkoholzustand in Verbindung gebracht. In unserem Familienunternehmen verwenden wir, angefangen mit der Webseite bis hin zum Briefkopf, übrigens auch die Farbe Blau. Ganz im Sinne von: "Nomen est omen." Diese Affinität zur blauen Farbe funktioniert bei uns wahrscheinlich schon unterbewusst. Übrigens fällt mir jetzt erst auf: Wir haben ja auch blaue Türen. (Der Standard/rondo/18/02/2012)

Aufgezeichnet von Nadine Obermüller. Fotografiert hat Georg Molterer.

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