Last Triple-A

Conrad Seidl über eine kleine Salzburger Brauerei mit witzigen Ideen für gutes Bier

Wäre Reinhold Barta kein erfolgreicher Braumeister, könnte er wohl auch als Kabarettist seinen Weg machen. Das hat er schon im Vorjahr bewiesen: Kurz nachdem jenes Video der Sunday Times öffentlich wurde, das die Karriere des EU-Parlamentariers Ernst Strasser ("of course I have a lobbying background") beendete, hatte Barta bereits seine eigene Version ins Netz gestellt: "Of course I have a beer background."

Sprach Strasser davon, dass alle möglichen Lobbyisten bis zu "sports and health and education or whatever" etwas von ihm brauchten, so holperte Bartas Aussage daher, dass Menschen ja etwas in ihren Gläsern brauchten, und nannte seine Biermarken "Edelguss and Weizenguss and Jakobsgold or whatever", und dass er gerne auch für Unternehmen tätig wird, die ihr eigenes Bier kreieren wollen. Und Strassers Aussage, als MEP habe man ein viel besseres Entree bei Entscheidungsträgern als ein Lobbyist, weil man politische Kompetenz mitbringe, konterkarierte Barta so: Als Braumeister der Brauerei Gusswerk habe man ein gutes Entree, weil man als Braumeister doch Bier mitbringe.

 

Mit Witz und (unter anderem in Irland erworbener) Braukompetenz hat Barta seine auf ökologisch produzierte Biere fokussierte Brauerei Gusswerk auch für den Export aufgestellt: Als im Herbst wieder ein größerer Auftrag aus Finnland anstand, kreierte er ein "Austrian Amber Ale" - und weil damals Österreichs Triple-A-Rating erstmals ins Gerede gekommen ist, entschloss er sich zu etwas, was nur flexible Kleinbrauer können: Er nannte das Produkt "AAA" - als dann die Republik ihr Rating verlor, nannte er es das "Last Triple-A", das dafür aber jeder haben könnte. Und er machte sich sofort wieder in einem Video darüber lustig.

Und im persönlichen Gespräch bei einem "AAA" legt er noch nach: Auch geschmacklich sei das Bier der Finanzwelt nachgebildet. "Man betrügt sein Hirn", holt er aus, um dann den Effekt des dunkel-bernsteinfarbenen Bieres zu analysieren: "Dieses Ale hat mit 40 Bittereinheiten natürlich eine ziemlich deftige Bittere, aber die spürst Du nicht. Wenn man Bittere schmeckt, aber gleichzeitig die Aromen von Pfirsich und Grapefruit, die von der obergärigen Hefe und dem Cascade-Hopfen stammen, dann sagt das Hirn: 'Nein, das kann doch nicht bitter sein." (Der Standard/rondo/17/02/2012)

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Habs schon gesehen in der www.bierothek.at

lg

Wo (Wien) gibts den das?

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