Haasbeisl

20. Februar 2012, 15:59
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    foto: gerhard wasserbauer

    Das Haasbeisl in Wien-Margareten gilt seit je als gute Adresse für unverfälschte Wiener Küche...

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    ... mit der Neuübernahme wurde es noch besser.

Tellersulz! Bohnensterz! Bruckfleisch immer und jederzeit! Durchaus möglich, dass das Haasbeisl Wiens bestes ist

Wandverbau aus den frühen 1980ern, schmiedeeiserne Lampen mit Schirmen aus Tierhaut-Imitat, dazu gerahmte Autogrammkarten lang verschiedener Promis und ein Geschäftsschild in erlesenem Pseudojugendstil: Schönheitspreis wird das Haasbeisl auf der Margaretenstraße keinen bekommen. Dennoch strahlt es eine gut eingesessene Gemütlichkeit aus, der man sich kaum zu entziehen vermag.

Außerdem steht die Küche seit jeher im Ruf, mehr als ordentliche Traditionskost mit Schwerpunkt auf Innereien zu bieten. Jetzt hat Georg Haas das Lokal an Gerald Schedl und Christian Tischler übergeben, die in Ottakring das Gösser Bräu betreiben und geeignet scheinen, den Ruf der Küche auch in Zukunft nicht verkommen zu lassen. Immerhin bekochte Tischler den nahen Schwarzen Adler (Schönbrunner Straße) schon vor Jahren auf Haubenniveau.

In Amt und Würden

Den beiden ist bewusst, dass ein seit 1935 in Familienbesitz stehendes Wirtshaus behutsam in die neue Zeit gehievt werden will. Deshalb steht Georg Haas senior manchmal noch hinter der Schank, deshalb ist mit Brigitte Rohrer auch die Haas-Küchenchefin in Amt und Würden. Die Gerichte aber scheinen derzeit mit ganz besonderer Hingabe gekocht zu sein. Bruckfleisch etwa, ein Klassiker des Hauses und anderswo kaum noch (und nicht in täglicher Frequenz) zu bekommen, ist wie sich's gehört mit ordentlich Milz, Kronfleisch, Herz und Bries sowie feingeschnittenen Lichtln gemacht und in sämiger Wurzelsauce serviert - das hält jedem Vergleich, auch mit Reinhard Gerers (besonders intensiver, mit Milz gebundener) Variante, souverän stand. Hirn gebacken oder mit Ei, Nierndln, Leber, Salonbeuschel sind ohnehin Standards. Zart gelierte Tellersulz vom Haxl wird mit Salzerdäpfeln serviert - eine Kalt-warm-Kombo, die in Tischlers Heimat, dem Burgenland, zu Recht gepflegt wird.

1-a-knusprig und zart

Aber auch Wiener Schnitzel, saftig und in eine Panier gehüllt, die es punkto Struktur mit jeder Reliefkarte des Grand Canyon aufnimmt, ist 1-a-knusprig und zart. Zwiebelrostbraten wird saftig kurz gebraten, mit dicken, süßen Zwiebelringen schmalzigen Erdäpfeln und, hurra, einem dicken Stück von der Senfgurke garniert. Urtypisch burgenländisch ist auch die herrlich majoranwürzige Erdäpfelcremesuppe mit Bohnensterz (siehe Bild) - allein dafür gehört Tischler ein Orden: Bescheiden-bekömmliche Klassiker wie diese sind akut bedroht und viel zu gut, um nur der Erinnerung überlassen zu werden. In dieselbe Kategorie fallen das schön paprizierte und mit Saft umkränzte Reisfleisch oder der gut geknofelte Kelch mit Erdäpfelröster.

In Kombination mit einer ansehnlichen Weinkarte ist dieses von Understatement geprägte Wirtshaus ein schöner Beweis für Lebendigkeit und Variantenreichtum der Wiener Küche. (Severin Corti/Der Standard/rondo/17/02/2012)

Haas Beisl
Margaretenstraße 74
1050 Wien
Tel.: 01/586 25 52
Küche Mo-Fr 11.30-22.30, Sa 11.30-22, So 11-15.30 Uhr
VS € 2,50-11,90, HS € 6,90-19,80

Fotos: Gerhard Wasserbauer

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Jägermeister
23
19.2.2012, 18:23
Wirklich schade drum, ...

... war das Haas-Beisl doch bisher eines jener Lokale, dessen Attraktivität zu einem hohen Anteil von der ständigen Anwesenheit und vom Charme des Besitzers abhing!

Das Wirtshaus "behutsam in die neue Zeit (?) hieven" zu wollen, klingt schon einmal ein bisschen bedrohlich - genau so, wie an anderer Stelle schon zu lesen war, dass die Köchinnen nun von besagtem Haubenkoch "beraten und begleitet" werden sollen ...

hans edgar
23
19.2.2012, 20:17

Finde es auch unmöglich, dass der Eigentümer einfach verkauft hat, ohne mich zu fragen. Strafe muss sein - ich werde deshalb nicht mehr hingehen. Das wird dem ex-besitzer eine Lehre sein!!

Selbstbedienungsladen Österreich
136
19.2.2012, 11:28
stinker oder nicht stinker lokal ?

G.Schamski
618
19.2.2012, 18:43

zum glück nichtstinkerlokal, da man noch rauchen darf!

AnoNym54
00
24.2.2012, 14:36
bin liberaler Nichtraucher

daher 1x grün von mir - jeder soll dort speisen dürfen, wo´s gefällt

zimbo
 
00
19.2.2012, 09:12
Licht schaut nach Barrosolampen aus ?

LuFi
213
18.2.2012, 22:42

Könnte der Autor bitte (wenigstens bei den online Artikeln) bei diesen Rezensionen hinter den Gerichten eine Erklärung reinschreiben? Ich will nicht bei jedem Wort aus diesen Wiener Rezensionen Google anwerfen müssen, um zu wissen um was es geht!! Bruckfleisch? Wad?

Keine Ahnung
02
21.2.2012, 12:33
Wegen Ihrer Unbildung

müssen Kulinarikliebhaber jetzt aber echt ned dauernd die gleichen Erklärungen lesen. Woanders fortbilden, dann Rezensionen lesen. Ein Buch übers in diesem Fall österreichische Essen und Sie sparen sich das Nachschlagen.

PS: Meine Kritik an dieser Rezension wurde aufgrund kritischer Haltung (ohne jeglichen Übergriff) von der Redaktion zensuriert.

1816/6
00
20.2.2012, 16:57

Grad das Bruckfleisch hat er halbwegs erklärt - "ist wie sich's gehört mit ordentlich Milz, Kronfleisch, Herz und Bries sowie feingeschnittenen Lichtln gemacht und in sämiger Wurzelsauce serviert" - da kann man sich schon halbwegs was drunter vorstellen.

Mycroft Holmes
00
19.2.2012, 14:44
jfgi

sterngucker
 
26
19.2.2012, 11:44
Würde man im Hamburger Abendblatt eine Erklärung für Labskaus finden?

Ich denke nicht.

LuFi
101
19.2.2012, 20:02

hier in westösterreich versteht man aber leider die hälfte von diesem wiener geschreibsel nicht...

willi weimaraner
04
20.2.2012, 13:45
Na und?

In Wien ist halt niemand dran interessiert, dass Leute aus dem wilden Westen in ihren Beisln sitzen.

sterngucker
 
06
20.2.2012, 12:09
Würde man in den Vorarlberger Nachrichten eine Erklärung für Käsknöpfle finden?

Ich denke nicht. Hier in Ostösterreich weiß man entweder, was das ist, oder man wirft Google an.

bin ich weg bin ich da
03
19.2.2012, 09:08
steht eh da

"Bruckfleisch (...) ist wie sich's gehört mit ordentlich Milz, Kronfleisch, Herz und Bries sowie feingeschnittenen Lichtln gemacht und in sämiger Wurzelsauce serviert"

living reef
01
19.2.2012, 18:56
bruckfleisch - innerein von der schlachtbrücke

früher gabs auch noch die "fleischbank" dort konnten sich jene, die sich schöne stücke nicht leisten konnten, sterilisiertes fleisch minderer qualität - aber duch sterilisieren verzehrfähig gemacht - sehr günstig erstehen. ende der 50iger, anfang sechzigerjahre gab es dort noch ganz schöne warteschlangen!

LuFi
00
19.2.2012, 20:02

danke! :)

awien
33
19.2.2012, 08:06

Buchen sie doch einen Deutschkurs für Ausländer :-)

Mycroft Holmes
00
17.2.2012, 23:15

Endlich Bruckfleisch, immer? Na ich hoff das ist keine Gastrokritikerwahrheit.

obergscheiterls wortspende
28
17.2.2012, 17:46
Das Haas-Beisl ist ein Juwel,

hoffentlich kapieren das auch die neuen Besitzer. Denn was dry age beef - derzeit auf der Karte - dort zu suchen hat, frage ich mich. Das können andere wohl besser und dazu gehört auch ein schickeres Ambiente.

Was der Haas perfekt konnte, bleibt hoffentlich, inklusive der Trankler an der Theke, dem herben Charme der beiden Haas' und der hervorragenden Hausmannskost. Ein Gourmettempel kann aus dem Haas nicht werden, da seien die neuen Besitzer gewarnt und auch gleich daran erinnert, ab nächster Woche tagtäglich ihr Mittagsmenü auf die Homepage zu stellen, was sie zuletzt nämlich versäumt haben.

dench
10
17.2.2012, 18:29
Dry aged beef

Was ist an dem dry aged Beef nicht in Ordnung, das war bis vor einigen Jahren das völlig normale reifen/abhängen des Fleisches, also eigentlich hatte vor ein paar Jahren noch jedes Beisl dry aged Beef.

suedsee insulaner
 
10
18.2.2012, 13:40

Dry aged beef wuerde ich als buendner fleisch bezeichnen.

dench
00
18.2.2012, 16:24
Bündner Fleisch

Bündner Fleisch wird eingesalzen!

Philippa
00
18.2.2012, 19:21

Eingesalzen und anderes. Das weiß auch der Schweizer Bundesrat:

http://www.youtube.com/watch?v=E5agWxzWTsc

suedsee insulaner
 
00
18.2.2012, 18:28

Danke, das wusste ich nicht.
Kannte nur aus den staaten den ausdruck air dried beef und damit meinen die buendner fleisch.

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