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Egal wohin, nie ohne Gepäck. Aus den frühen Tagen des Vuitton-Reisens.

Hohe Schule der Zeitmessung beim Koffermacher: Kaliber mit Tourbillon.

Auch zu Wasser: um die Wette segeln und eine Uhr dazu bauen.

Zeitnehmung beim Wettsegeln: die "Tambour Regatta Automatic America's Cup".
1854
Was hatten, um hier nur einige Namen zu nennen, Königin Astrid von Belgien, König Faruk von Ägypten, Kaiser Hirohito, die Innendekorateurin Elsie de Wolfe, der Maharadscha von Kapurthala, James Gordon Bennet, William Randolph Hearst und Roger Vadim gemeinsam? Sie reisten mit Gepäck von Louis Vuitton. Und das natürlich nicht ohne Grund. Das 1896 von Georges, dem Sohn Louis Vuittons zum Schutz vor Fälschungen entworfene Monogrammmuster wirkte sich auf ihre Koffer- und Taschenwahl vermutlich nur am Rande aus. Maßgeblich waren vielmehr die ungemeine Funktionalität, Robustheit und Qualität, welche das Produktspektrum der 1854 gegründeten Firma kennzeichneten. Mit Fug und Recht kann Louis Vuitton, Erfinder des flachen Koffers, als Pionier des modernen Reisegepäcks gelten. Auf diesem Gebiet steht seine Kreativität derjenigen eines anderen Pariser Bürgers in nichts nach, des Uhrmachers Abraham-Louis Breguet. Auch seine Kundenkartei konnte als Almanach der Prominenz seiner Epoche gelten. Ohne Frage beeinflussten beide ihr jeweiliges Metier bis zum heutigen Tage in ganz entscheidender Weise.
2002 Szenenwechsel
Edles Gepäck und hochwertige Uhren scheinen modernen Kosmopoliten und allen, die diesen Status anstreben, schlichtweg unverzichtbar. Für Louis Vuitton und seine familiären Nachkommen stellten Zeitmesser keine unternehmerische Herausforderung dar. LVMH, der heutige Inhaber der Markenrechte und internationale Luxusmulti Nr. 1, denkt da ganz anders. Wer feinste Reise-Accessoires herstellen kann, dem sollte das nicht minder handwerklich ausgerichtete Thema Armbanduhren nicht ganz fremd sein, zumal sich unter dem Dach des französischen Global Player LVMH auch noch die renommierten Marken TAG Heuer und Zenith befinden.
"Louis Vuitton hat den Anspruch, Reisende mit all dem auszustatten, was sie unterwegs brauchen," begründete Albert Bensoussan, der damalige CEO mit 18-jähriger Uhrerfahrung die Produktphilosophie seines Arbeitgebers. Den ersten Ausflug in die Uhrenszene hatte Louis Vuitton in den 1980er-Jahren mit der sogenannten "Reiseuhr" unternommen. Dabei handelte es sich um eine elektronische Armbanduhr mit innovativer Weltzeitindikation, welche IWC im Lohnauftrag entwickelt und gefertigt hatte. Ab 2002 agierte Louis Vuitton Eigenregie, und zwar in einem neuen Ateliergebäude am Rande der Uhrenmetropole La Chaux-De-Fonds. "Wir sind keine Manufaktur", bekannte Albert Bensoussan, "und wir wollen auch keine werden." In diesem Sinne stammen die Uhrwerke von externen Lieferanten, also beispielsweise von der Eta oder der Schwester Zenith. Wenn es um die gestoppte Zeit geht, ist der einschlägig erfahrene Mechanikspezialist Dubois-Dépraz mit von der Partie. Wie beim Gepäck gilt es auch bei den Uhren Qualitätskriterien einzuhalten. Immerhin kommt jeder Zeitmesser mit fünf Jahren uneingeschränkter Garantie.
Das galt auch schon für die ersten "Tambour"-Chronografen von 2002, die Mann je nach zeitschreibendem Anspruch und persönlichem Budget entweder mit dem chronometerzertifizierten Manufakturkaliber "El Primero" der Schwester Zenith, von Louis Vuitton LV 277 genannt, oder dem modularen 2894-A2 von Eta erwerben konnte. Letzterer entwickelte sich rasch zum Bestseller der Kollektion, gefolgt von einer sehr femininen Version.
2003/2005
Seit 1983 ist die Weltmarke Louis Vuitton im Segelsport engagiert. Damals fanden die ersten Regatten um den Louis Vuitton Cup statt. Der Gewinner, die Yacht Australia II durfte den US-amerikanischen Verteidiger des America's Cup herausfordern. Zur Ermittlung des Herausforderers finden im Rahmen des Louis Vuitton Cup drei Serien "Jeder gegen jeden" statt. Die sogenannten Acts werden unterschiedlich gewichtet. Wer die meisten Punkte vorweisen kann, darf herausfordern. Das 20. Jubiläum brachte 2003 einen weißgoldenen Cup-Chronografen mit amtlichem Gangschein, limitiert auf 120 Exemplare. Pünktlich zu den Acts des Jahres 2006 lancierte Louis Vuitton 2005 einen Automatikchronografen, der sich infolge seiner besonderen Konstruktion zusätzlich auch als Regatta-Timer eignet. Die bis 100 Meter wasserdichte "Tambour LV Cup Regatta" stellt die letzten zehn Minuten vor dem Start besonders augenfällig dar. In fünf kreisrunden Fenstern unterhalb der "1" wechseln die Farben sukzessive von Weiß über Blau zu Rot.
2011
Das Sagen bei Louis-Vuitton-Uhren hat inzwischen Hamdi Chatti. Chronografen kennt der Manager durch seine vorherige Tätigkeit bei Montblanc aus dem Effeff. Das Bemühen um hilfreiche Zusatzfunktionen im Kontext mit tradierten Louis-Vuitton-Werten zeigt sich in der neuen "Tambour Regatta Automatic America's Cup". Der 44 Millimeter große Bolide-Zeitschreiber besticht durch sein schwarzes Outfit. Zu diesem Zweck wird die Edelstahlbasis von Gehäuse und Gliederband mit Kautschuk beschichtet. Die innen verbaute Mechanik nennt sich LV 171. Dahinter verbirgt sich das bewährte Rotorkaliber Eta 2892, auf dessen Vorderseite die Uhrmacher ein Dubois-Dépraz-Modul mit Regatta-Countdown und blitzschnell reagierender Flyback-Funktion montieren. Nach Betätigung des roten Drückers bei der "2" indizieren Fenster oberhalb des Zifferblattzentrums die ersten vier der verbleibenden fünf Minuten. Für den letzten, immens wichtigen Zeitabschnitt ist darunter eine separate Indikation zuständig. Im Verbund damit signalisiert der Chronografenzeiger die restlichen Sekunden. Natürlich kann Mann diese Uhr, von der es nur 720, ausschließlich in markeneigenen Boutiquen verfügbare Exemplare geben wird, auch als stinknormalen Chronografen nutzen. In diesem Fall reicht der Totalisator bei der "9" bis zu dreißig Minuten. Bei Instrumenten wie diesen geht es ja auch um die Zeit nach dem Rennen, welche bekanntlich auch die Zeit vor der nächsten Regatta ist. (Gisbert L. Brunner/Der Standard/rondo/17/02/2012)
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