Mode, ganz ehrlich

  • Die erste Kollektion, die auf der Online-Plattform "honest by" verkauft 
wird, stammt von Bruno Pieters. Der ehemalige Hugo-Designer hat den 
grünen Webshop auch gegründet.
    foto: hersteller

    Die erste Kollektion, die auf der Online-Plattform "honest by" verkauft wird, stammt von Bruno Pieters. Der ehemalige Hugo-Designer hat den grünen Webshop auch gegründet.

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Woher kommt die Kleidung, die wir tragen? Und wer verdient daran wie viel? Der Online-Shop "honest by" beantwortet diese Fragen bis ins letzte Detail

Das asymmetrische schwarze Top besteht aus Seidenchiffon aus Ökoseide. Es ist ärmellos, fällt lose und ist vorn etwas kürzer geschnitten als hinten. Der Rundhalskragen besteht aus einem Rippenbündchen aus recycelter Wolle.

Informationen wie diese gehören zur Grundausstattung von Onlineshops, die Mode verkaufen. Im besten Fall geben sie den potenziellen Käufern ein klares Bild von dem Kleidungsstück oder dem Accessoire, das erstanden werden soll. Auf der Ende Jänner online gegangenen Plattform honest by gehen die Informationen aber weit über diese Basics hinaus.

Die Seide unseres ärmellosen Tops (links im Bild) ist nicht garn-, sondern stückgefärbt, sie stammt aus der Region Honshu in China, wurde dort von der Weberei Alkena verwoben und vom Schweizer Lieferanten Weisbrod importiert. Die Zeit, das Top zu designen, betrug um die sechs Stunden, produziert wurde es in einer Stunde und zehn Minuten vom Unternehmen Elane im belgischen Lille, das Peter Ooms und Marie-Christine Haest gehört. Die Kosten für die 1,40 Meter Seide, die verarbeitet wurden, schlugen mit 35,14 Euro zu Buche, die Herstellungskosten mit 35,54 Euro. Zusammen mit all den übrigen Kosten, die in allen Details aufgeführt werden, kostet den Designer das Kleidungsstück 94,32 Euro. Für den Großhandel schlägt er dieselbe Summe noch einmal drauf, der Preis für den Endverbraucher beträgt noch einmal das Doppelte, also 456,51 Euro. Um diese Summe kann die Käuferin das Top bei honest by erstehen. Die Lieferung exklusive, würde ihr CO2-Fußabdruck damit um 0,38 kg steigen.

Revolution im schicken Gewand

Noch Fragen offen? Der von dem Designer Bruno Pieters ins Leben gerufene Webshop hat sich nichts weniger vorgenommen als alle, schlichtweg alle Informationen zu einem Kleidungsstück zu veröffentlichen, inklusive einer genauen Auflistung der Preisgestaltung. Von einer "Revolution" sprach die britische Financial Times bereits einige Tage, nachdem das Portal online gegangen ist.

In der Welt der Mode, in der zwar viele Worte um das schöne Design gemacht werden, aber über die Behandlung von Materialien, Arbeitsbedingungen und die wahren Kosten lieber geschwiegen wird, gab es das noch nie - ein Tabubruch.

"Es gibt so viele Unsicherheiten", benennt Bruno Pieters das Problem: "Niemand weiß derzeit, was er kauft." Bei honest by, das ausschließlich Ökomaterialien und weder Leder noch Pelz verarbeitet, wird der Käufer dagegen genauestens über die unterschiedlichen Zertifizierungen der Materialien und der involvierten Unternehmen aufgeklärt - und natürlich auch über die Gedanken der jeweiligen Designer.

Sie sind - und das ist der zweite Coup - allesamt Designer mit internationaler Ausstrahlung. Der Belgier Bruno Pieters verantwortete für mehrere Jahre die Kollektionen von Hugo, der jungen Marke von Hugo Boss. Er designte die erste Kollektion, die zum Verkauf angeboten wird, ein "Best of" seiner raffinierten, äußerst femininen Entwürfe, die er über Jahre auf der Pariser Fashion Week gezeigt hat. Mit dem, was man herkömmlich unter dem Label "nachhaltige Mode" angeboten bekommt, haben sie nicht viel zu tun. Auch das ist ein Glück, das hoffentlich Schule macht. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/17/02/2012)

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5 Postings

Wo stehen die Löhne all derer, die daran mitgearbeitet haben? (Und ob diese Versichert waren?)

Und: Wo ist der medizinische Bericht über die Models, dass diese NICHT im bereits für die Gesundheit gefährlichen Untergewicht sind? (bzw. wann war die letzte Nahrungsaufnahme, und wie viele Kalorien hatte diese?)

Das ist dann doch etwas zu teuer...

ist auf den drei photos immer dasselbe individuum?

Ja, immer das gleiche androgyne, schwer magersüchtige Wesen. Vermutlich weiblich.

Schon aus diesem Grund sollten diese "Designer" mit nassen Fetzen verjagt werden.
Aber die, die das weiterhin verbreiten, nämlich die Medien, sind die wahren Vergifter der Gesellschaft mit dauernden Berichten über diese mörderische und unmenschliche Darstellung von "Modells".
Das ist einfach nur grauslich und sicher kein Lebensmodell für etwas Erstrebenswertes .

ehrlicher wäre zumindest, wenn die designer

gleich jünglinge zur präsentation ihrer kleider nehmen würden.
denn die haben sie offenbar vor ihrem geistigen auge beim entwurf ihrer kreationen.
die ekeln sich wahrscheinlich vor weiblichen formen.

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