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Modelle aus der Louis-Vuitton-Frühjahrs- und Herbstkollektion.

Designer Kim Jones.
Es gehört zum Wesen großer Marken, dass sie selbst Stars sein wollen. Der Designer kommt erst an zweiter Stelle, und man muss in den meisten Fällen schon gut informiert sein, kennt man ihn oder sie auch beim Namen. Selbst bei Karl Lagerfeld oder Marc Jacobs ist das so. Die Namen der Modehäuser, für die sie arbeiten, Chanel und Louis Vuitton, sind wesentlich mehr Menschen geläufig als jene ihrer Chefdesigner.
Kim Jones steht sogar nur in der dritten Reihe. Der neue Männermodedesigner von Louis Vuitton ist rein formal gesehen Marc Jacobs unterstellt. Trotzdem wird er in der Modeszene - seitdem er im Juni seine erste Kollektion für Louis Vuitton vorstellte - wie ein neuer Star gehandelt. "Nein, nein, der Star ist Louis Vuitton", sagt er bescheiden nach seiner jüngsten Modeschau.
Das ist zweifellos richtig. Die vielen Reporter und Kameraleute, die sich um Jones scharen, scheint das an diesem Morgen aber nicht zu interessieren. Gerade war Jones' zweite Kollektion über den Laufsteg flaniert, eine gut aufeinander abgestimmte Symbiose von Kimonohemden aus feinster japanischer Seide, Bomber- jacken mit Krokopatches und Taschen aus Astrakan. Dazwischen Doppelreiher-Mäntel aus Vicuña, Kaschmir-Anzüge oder Handschuhe aus Eidechsenleder. "Luxus. Es geht bei dieser Kollektion um puren Luxus", sagt der Mann, der vor ein paar Jahren noch für seine verspielte Sportmode bekannt war.
Ernstzunehmender Männermodemacher
Den Namen Kim Jones verband man lange eher mit Sneakers und Shorts als mit Pea Coats und Brogues. Doch in den vergangenen Jahren ist einiges passiert. 2008 kürte das zu Richemont gehörende englische Traditionslabel Dunhill den damals erst 31-jährigen Absolventen der Londoner Designschmiede Central Saint Martins zum Chefdesigner.
Die in die Jahre gekommene Marke, die sich lange dank ihres florierenden Geschäfts in China über die Verluste in westlichen Ländern hinwegtröstete, erhoffte sich eine Verjüngungskur. Die bekam sie auch. Und Jones wurde nicht mehr nur als der Designer, der die Fußballmarke Umbro cool machte, gesehen, sondern als durchaus ernstzunehmender Männermodemacher. Einer, der auch einen körpernah geschnittenen Dreiteiler oder einen guten Smoking hinkriegt.
Beides gehört zur Grundausstattung einer Louis-Vuitton-Kollektion. Bei dieser Marke geht es weniger darum, die Männermode neu zu erfinden, als der klassischen Herrengarderobe einen eigenen Schliff zu geben. Vertrautes Terrain muss vertraut bleiben. Also beschäftigte sich Jones bei seiner ersten Kollektion mit dem, was er am besten kennt: mit Afrika. Dort hat der Sohn eines Hydrogeologen mehr als zehn Jahre seiner Jugend verbracht. Noch heute fährt er mindestens einmal im Jahr dorthin: "Für mich ist es der schönste Kontinent, den es gibt."
Männermode als Spielwiese
Vor allem die Farben haben es ihm angetan: Die herausstechendsten Teile der jetzigen Frühlingskollektion sind denn auch die rot-blau karierten Shorts, Hemden und vor allem Schals, die die Farben der Massai mit dem Logo von Louis Vuitton in Einklang brachten. Sie sind in diesem Frühjahr in den wichtigen Modemagazinen allgegenwärtig und verdeutlichen das Gespür, das Jones für die Marke bereits hat. Ihre Wiedererkennbarkeit ist das Um und Auf von Louis Vuitton, das Spiel mit dem LV-Monogramm hat auch wesentlich zum Erfolg von Marc Jacobs beigetragen.
Dessen Leichtigkeit im Umgang mit Designs ist auch Jones zu eigen. Ganz flach können die Sandalen seiner Frühjahrskollektion zusammengelegt werden, sodass sie auch in jedes Gepäckstück passen. Seidenanzüge kommen im Pyjama-Look daher, viele Accessoires haben Intarsien aus Holz. Männermode als Spielwiese - ohne in die Bastelecke abzugleiten.
"Es hat mich überrascht, wie positiv die Reaktionen waren", sagt Designer Kim Jones ein halbes Jahr nach der ersten Kollektion: "Das Problem ist aber, dass ich mich jetzt noch mehr anstrengen muss." Sein Schaden wird es nicht sein. Und jener der Marke auch nicht. (Der Standard/rondo/10/02/2012)
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