Autogramme jagen

9. Februar 2012, 17:08
  • Früher war Autogrammejagen ein nettes Hobby.
    foto: apa/gero breloer

    Früher war Autogrammejagen ein nettes Hobby.

Pro: "Gedscho, gemma: Kabinenparty!" von Mia Eidlhuber - Kontra: "Wider die schamlose Spekulation" von András Szigetvari

+++Pro
Von Mia Eidlhuber

Das Kind ist jetzt elf, und ich bin nicht mehr so angesagt. Meine Ideen auch nicht. "Komm, gehen wir wandern", sag ich zu ihr, als die Betriebstemperaturen noch nicht so eisig waren. "Das ist nicht dein Ernst?" "Doch", sage ich, "rausgehen, auslüften, Bewegung machen, nicht nur vor der Glotze sitzen oder Musik im Kopfhörer hören. Gedscho, gemma!" "Mama, du bist so peinlich", sagt sie dann. Ich weiß nicht wofür? "Martin Schlager kommt auch mit", sage ich. "Wer???", fragt das Kind. "Na der Kabinenparty-Schlager", sage ich. "Skero???", schreit das Kind und ist plötzlich sowas von wach, "DEN kennst du?" "Tja", sage ich.

Das Kind hat plötzlich keine müden Beine mehr, rennt den Kahlenberg rauf. Bestens gelaunt und ungewohnt schüchtern. "Mama", raunt sie, "ich trau mich nicht!" "Was meinst du?", sage ich. "Ein Autogramm ...", sagt sie. "Das check ich dir!", sage ich ganz cool. "Skero", steht fett auf der Heurigen-Serviette, und für die Freundin auch gleich eines. Und die Mama? Die ist gar nicht mehr peinlich, sowas von angesagt. Martin, danke!

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Kontra---
Von András Szigetvari

Früher war Autogrammejagen ein nettes Hobby. Die Unterschrift eines Popstars hatte vor allem sentimentalen Wert. Im Zeitalter der Online-Auktionshäuser ist das anders. Es gibt kaum noch ein Starlet, dessen Autogramm sich nicht auf Ebay ersteigern lässt. Die Liste reicht von George Harrison (ab 650 Euro) bis zu Ronald Reagan (350 Euro). Signierte Michael-Jackson-Poster gibt's ab 6000 Dollar. Autogramme zu jagen ist zur Geschäftemacherei verkommen.

Dieser Trend ist gefährlich: Nicht mehr lange, und die von den Finanzmärkten vertriebenen Spekulanten werden das Feld entdecken. Dann kommt der "Autogramm-Leerverkauf", bei dem signierte T-Shirts angeboten werden, die der Verkäufer noch gar nicht besitzt. Banken werden diese Geschäfte mit "Autogramm Default Swaps (ADS)" versichern. Weil der Sektor noch unreguliert ist, wird ein Zocker alle ADS kaufen, sich verspekulieren und anschließend Staatshilfe brauchen. Systemrelevante Autogrammjäger dürfen ja nicht einfach so pleitegehen, wird es zur Rechtfertigung heißen. (Der Standard/rondo/10/02/2012)

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