Eine Ode an die lange Unterhose

12. Februar 2012, 22:00
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Warum es Zeit ist, diese treue Begleiterin des Männerbeins zu rehabilitieren - Kolumne von Stephan Hilpold

Es ist an der Zeit, einem Kleidungsstück die Ehre zu erweisen, dem gemeinhin übel mitgespielt wird. Im besten Falle wird seine Existenz mit Schweigen bedacht, im schlechtesten wird es verlacht und verspottet. Dabei ist die lange Unterhose eine der treuesten Begleiterinnen des Männerbeins. Auf sie kann man sich auch verlassen, wenn einem der Wind einmal frontal ins Gesicht bläst. Das kann man ja nicht von jeder Begleiterin behaupten, die lange Unterhose aber bietet auch in den kältesten Momenten des Lebens Halt und das, woran es im Leben oft leider mangelt: Wärme. Umso ungerechter erscheint es, wenn in diesen bitterkalten Tagen wieder einmal naserümpfend über den knöchellangen Feinripp hergezogen wird.

Liebestöter

Das hat er sich wahrlich nicht verdient. Ein "Liebestöter" sei er, tönt es aus der weiblichen Ecke, ein Hormonkiller ersten Ranges. Dabei ist es doch gerade die lange Unterhose, die die Konturen des männlichen Beines erst richtig schön zur Geltung bringt. Die Längsstreifen des Feinripps ziehen das Bein in die Länge, die Problemzone des Mannes, die dichte Beinbehaarung, wird gnädig verdeckt. Ja, eine lange Unterhose verleiht selbst Männern, die sportlich vielleicht nicht wirklich glänzen, die Grazie von Baletttänzern. Diese tragen ihre hautengen Trikots mit viel Stolz und erhobenem Haupt. Es wäre langsam an der Zeit, dass auch die Träger einer langen Unterhose zu ihrer treuen Begleiterin stehen - und das Versteckspiel endlich ein Ende hat. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/10/02/2012)

  • Ein "Liebestöter" sei er, tönt es aus der weiblichen Ecke, ein Hormonkiller ersten Ranges.
    foto: rainer schüller

    Ein "Liebestöter" sei er, tönt es aus der weiblichen Ecke, ein Hormonkiller ersten Ranges.

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