Überraschung!

7. Februar 2012, 16:58
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    foto: pixelio.de / marco barnebeck

    Achtung, nicht gießen! Oder zumindest nicht gleich. Die Zwiebel der Amaryllis ist auf Trockenheit eingestellt und braucht diese als Zeichen für die Jahreszeit.

Der Ritterstern läuft so manchen Erwartungen zuwider und blüht vor dem Wachstum

Jetzt hat es sich so begeben, dass da irgendetwas zwischen den beiden Jungs lief. Beide von Beruf Rinderhirten, der eine schwer in den anderen verliebt und glühend vor Leidenschaft. Doch wie so oft, der eine will, aber der andere darf nicht. Der eine hätte sogar auf sein bestehendes Amourettel mit der ihn mit ihren Launen quälenden Hirtin verzichtet, schau, schau.

Nichts anderes haben die Menschen heutzutage im Kopf, wenn sie ihren Lieben eine Amaryllis schenken. Denn Amaryllis ist der Name der Hirtin, die, so kann man es bei Vergil jederzeit nachlesen, begehrenswert, aber zickig war. Doch keine Sorge, in der Regel werden eh Mogelpackungen verschenkt, und die als "Jessas, eine Amaryllis" herzlich willkommen geheißene Zwiebel ist eine andere Pflanze von einem anderen Kontinent. Sie hört weniger bukolisch klingend auf Hippeastrum, Kenner-Innen sprechen vom Ritterstern. Und der kommt aus Südamerika, das lernt man im Sachunterricht. Dass die echte Amaryllis aus Südafrika von den Kap-nahen Bergen kommt und Belladonnalilie heißt, eine Schwester namens Amaryllis paradisicola Snijman hat, tja, dazu muss man schon abgefeimte Wochenendbeilagen lesen, um dies zu lernen und es auf krautigen Gartenpartys als Eisbrecher einzusetzen. Bitteschön.

Signal zur Jahreszeit

Rufen Sie also "Jessas, eine Amaryllidacea", wenn Sie eine Knolle in einem geschmackssicher dekorierten Küberl bekommen; Sie liegen damit auf jedem Fall richtig und gehen leise davon aus, dass es sich um einen Ritterstern handelt. Rittersterne kommen aus einer Gegend, in der es regelmäßig knochentrocken ist. Sie sind darauf gut eingestellt (Zwiebel!) und brauchen diese Trockenheit auch als Signal zur Jahreszeit. Man muss ja schließlich wissen, wann man zu wachsen, zu blühen und zu ruhen hat.

Beim Ritterstern läuft das gegen die grundsätzliche Erwartung, dass dem Blühen ein Wachstum vorausgeht. Der dreht das um und blüht zuerst auf ein bis zwei langen, massiven Schäften, um erst nach der Blüte mit dem Blattwachstum einzusetzen, auf dass dieses die durch die intensive Blüte ausgelaugte Zwiebel wieder mit Energie in Form von Biomasse aufpäppelt.

Und daher auch hier die ultimative Anleitung zur Hege und Pflege eines Hippeastrums: Nach dem "Jessas, eine Amaryllis" (man will ja nicht als G'scheiterl gelten) drückt man die nackte Zwiebel in ein Gefäß, das unbedeutend größer als die Zwiebel selbst ist und bedeckt diese nur bis zur Gürtellinie mit Erde. Nicht gießen! Die Zwiebel ist eine Zwiebel, weil sie kein Wasser braucht, und bekommt sie es doch, fault sie.

Kühlerer Fensterplatz

Weil gerade Winter ist, die Zimmertemperatur ideal zum Austreiben scheint, beginnt reges Wachstum, und es schießen die Blütenschäfte empor, von kurzen Blattstummeln begleitet. Erst wenn die Schäfte die Höhe eines Flaschenbiers erreicht haben (bitte von der Zwiebeloberkante weg messen), darf man ein wenig Wasser geben. Nach intensivem Höhenwachstum beginnt der Ritterstern zu blühen. Und je geringer nun die Zimmertemperatur ist, desto länger zeigt er seine pralle Pracht. Ein kühlerer Fensterplatz bietet sich dazu an.

Nach dem Verblühen schneidet man die Schäfte zwiebeloberkantennahe ab, verschont dabei aber tunlichst die Blattstummel. Diese übernehmen nun das Kommando, wachsen, assimilieren und nähren so die Zwiebel - und das bis in den September hinein.

Ab dann ist Schluss mit Futtern und Füttern; Düngen und Wässern werden rigoros eingestellt, die Pflanze zieht sich zur Rekreation zurück, die Blätter verwelken und die nackte Zwiebel hält bis Weihnachten ihr Silentium an einem dunklen und kühlen Ort.

Wenn Sie allerdings eh mit einem Amaryllisgeschenk von Tante Frieda kommende Weihnachten rechnen, können Sie sich die ganzen Tanz' sparen und sich komplett auf das freudige "Jessas ..." konzentrieren. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/03/02/2012)

Kommentar posten
20 Postings
Lilly Rush
 
10
Griechischer Hirtensalat

Herr Fauma, wenn sie uns schon verraten, dass Amarylis die Hirtin ist, dann hätten sie uns auch gleich informieren können, dass ihr Vorname Gregor griechisch ist für Hirte ;-)

Erich Hofbauer
00

unsere Amaryllis blühte im Sommer nachdem sie jahrelang ohne Blüten am Gang herumgestanden ist und ich sie in den Hof gesetzt hatte. Damals wusste ich allerdings auch nicht welche Pflanze das ist

MyNameIsNobody23
41

an die redaktion:

können sie bitte den tippfehler in der titelmenüzeile ändern, es steht geschrieben "fauma & flora" statt "fauna & flora"

Standardabweichung
00
11.2.2012, 11:30

Sir, es handelt sich hier um ein Wortspiel.
Der Autor der Rubrik heisst Gregor Fauma.

Stenmurks
04

Das soll witzig oder kreativ sein weil der Autor Fauma heißt. Scheint aber nicht zu funktionieren, weil das immer irgendwer nicht checkt.

Standardabweichung
11
11.2.2012, 11:34

Der Standard zielt auf eine Leserschaft, die solche Scherze versteht. Solcherart wird die Spreu vom Weizen getrennt; erstere ist bei Krone, Heute & Co besser aufgehoben.

inbressitte
01

Selten so gelacht. Sehr Witzig!

Ingrid Goeschl
03

Der ganze Artikel ist gequält "witzig".

Ein schlichter Blumenpflegebericht wäre g'scheiter gewesen.

Preger
03
Stimmt.

Mittelschulaufsaetzchen mit maessigem Unterhaltungswert...

Gregor Fauma1
 
00
13.2.2012, 13:07
Na endlich wieder. Hat mir schon gefehlt.

Preger
00
13.2.2012, 14:59
Aber gerne.

"Jessas, eine Amaryllidaceae" muss es uebrigens richtig heissen...

Gregor Fauma1
 
00
13.2.2012, 16:39

nein.

Preger
00
13.2.2012, 16:45
Aber freilich.

Was soll den "Amaryllidacea" bitteschoen sein oder bedeuten?

Gregor Fauma1
 
00
13.2.2012, 16:50

Der beabsichtigte Singular.

Preger
00
13.2.2012, 16:55

Singular wovon?!

Gregor Fauma1
 
00
13.2.2012, 17:22

von Amaryllidaceae. Aber jetzt wird es fad.

Preger
00
13.2.2012, 17:34

Nein, nicht fad, sondern recht peinlich fuer Sie. Eine Moeglichkeit: Renden S' mit der Redaktion, dass man diesen Thread loescht. Ich werde Ihnen dafuer nicht boese sein.

Gregor Fauma1
 
00
13.2.2012, 23:36

Sie spielen auf Kapitel III, Abschnitt II, Artikel 18.1 des Internationalen Codes der Botanischen Nomenklatur an, "substantivisch gebrauchtes Adjektiv im Plural", nicht wahr? Und Jessas schreibt man auch Jesus, nicht wahr? Sehen Sie, so funktioniert schreiben.

Preger
10
14.2.2012, 09:04

Ich spiele auf gar nichts an.

"Jessas" ist ein weithin bekannter umgangssprachlicher Ausruf der Verwunderung. Amaryllidacea ist nicht weder weithin bekannt noch Umgangssprache, sondern schlicht falscher Sprachgebrauch.

Und jetzt adieu, weil ich bin nicht Ihr Nachhilfelehrer.

Lilith Boessse
 
01
der gregor,

der heißt aber fauma. jessas!

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