Haustiere sitten

  • Wer nur ab und zu Tiere streicheln will, der soll in den Streichelzoo gehen.
    foto: robert newald

    Wer nur ab und zu Tiere streicheln will, der soll in den Streichelzoo gehen.

Pro: "Jahresdosis Schnurren" von Gudrun Springer - Kontra: "Und dann wird Burli krank" von Birgit Baumann

+++Pro
Von Gudrun Springer

Es gibt Haustierbesitzer und Haustierverweigerer. Und es gibt Zwischenwesen. Diese Spezies Mensch mag Viecher, legt sich aber doch nie eines zu. Gewährt sie Tierasyl, genießt sie als interimistischer Herrscher über das Futter Schwanzgewedel oder Schnurrkonzerte in vollen Zügen, fühlt sich beim Hinterm-Ohr-Kraulen eines flauschigen Knäuels von Güte erfüllt und erkennt sich beim Beobachten des hetzenden Kleinviehs im Hamsterrad wieder.

Doch nach wenigen Stunden oder Tagen kippt die Stimmung. Ein strenger Geruch, Haare, Federn, Katzenstreubrösel machen sich breit. Der Gast verwandelt Schuhe in Pissoirs, trainiert nachts die Fiepskünste seiner Stimmbänder oder schärft seine Krallen an der Schlafzimmertür, um damit später die Vorhänge zu filetieren. Welche Erleichterung, wenn Schnuffi, Kasimir oder Rex dann abgeholt wird. Dieses Hochgefühl ist unschätzbar wertvoll. In einer brenzligen Situationen der Sorte "Kollegin vergibt Katzenbabys" wird es dabei helfen, ohne zu zögern, die richtige Entscheidung zu treffen.

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Kontra---
Von Birgit Baumann

Schön wär's schon, wenn man ab und zu Ersatzmama für den Vierbeiner der Freunde spielen könnte. Aber es ist zu gefährlich. Sprechen wir zuerst über die harmlosere Variante: Die Bodenvase der Nachbarin der ehemaligen Hofdame von Kaiserin Sisi. Die hat einem die Oma mal geschenkt, die steht seit Jahren im Ehreneck des Wohnzimmers.

Und dann kommt der Leih-Burli und wirft sie beim Toben um. Da geht mehr kaputt als nur die Vase, nämlich auch die Freundschaft, auch wenn wir uns noch so sehr einreden, dass das doch nur schnöder materieller Kram ist.

Noch viel schlimmer: Die Freunde liefern den Burli ab, inklusive zweier Kubikmeter Fein-Fressi, Vitaminpillen und Spielzeug. Kaum sind sie zur dreiwöchigen Andenüberquerung aufgebrochen, kriegt das Tier, vor Kummer trübsinnig, Magenbeschwerden und schließlich ... Nein, daran wollen wir gar nicht denken, das würde eine Freundschaft noch weniger aushalten als eine kaputte Bodenvase. Wer nur ab und zu Tiere streicheln will, der soll in den Streichelzoo gehen. (Der Standard/rondo/03/02/2012)

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10 Postings
Hallo liebe Redaktion!

Ist der Tiername Muschi gegen die Forenregeln, oder warum darf ich hier nicht posten, dass ich sehr gerne die Muschi der Nachbarn sitte? Sie ist uebrigens ein c. 7jaehriger Kater. Aber das nur nebenbei.

PRO:

Sei dankbar, dass es nur eine Katze ist und keine Giftschlange, Skorpion oder ein grausliches Echsenvieh.

PRO:

Es könnte in der Wohnung bedenklich riechen, wenn der Besitzer zurückkommt und nieman gesittet hat.

>> Die Bodenvase der Nachbarin der ehemaligen Hofdame von Kaiserin Sisi. Die hat einem die Oma mal geschenkt, die steht seit Jahren im Ehreneck des Wohnzimmers.

Wenn etwas für fremde Katzen in meiner Wohnung sprechen würde, dann genau das.

ich sitte gerne katzen

in wien2. falls also katzenfrau/mann im grätzl vorhat, die anden zu überqueren: melden.

Meine größte Sorge neben der Freude beim Tiersitten ist tatsächlich, dass das jeweilige Vieh gerade in der Zeit den Geist aufgibt, in der es in meiner Obhut ist (egal ob es bei mir ist oder ich es in "seinem" Zuhause besuche).
Vor allem, wenn das Tier schon alt und der Sommer - wie auch die Wohnung - sehr heiß ist ...

Mein Tipp:

Sagen Sie einfach er/sie/es rastet nur ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=npjOSLCR2hE

Also eigentlich geht ja beides am Thema vorbei... Hunde nimmt man mit auf Urlaub und Katzen oder Hamster oder ähnliches versorgt man in der Wohnung des Wohnungsbesitzers. Von daher ist es ja wurscht, wo die Viecher reinpinkeln, oder? :)

Und dann kommt der Leih-Burli und wirft sie beim Toben um.

Klingt jetzt eher nach Kind als nach Haustier.

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