Der Trunk und die Sucht

27. Jänner 2012, 17:04
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    foto: apa/msr handout

    "Genießen ist eine Begleiterscheinung produktiven Tätigseins."

Luzia Schrampf hörte einen Vortrag über Alkoholismus

Kürzlich begab es sich, dass Michael Musalek, Leiter des Anton-Proksch-Institutes (im Volksmund schlicht "Kalksburg"), vor versammelter Winzerschaft für Österreich Weinmarketing/ÖWM einen Vortrag hielt: Thema "Alkohol - Vom Genuss zur Sucht". Er erklärte die Auswirkung von Alkohol - zuerst in einer kurzen Phase anregend, dann depressionsfördernd und bei chronischem Abusus multipel und nachhaltig schädigend. Er wies darauf hin, wie außergewöhnlich stark Alkoholkonsum in der österreichischen Gesellschaft verankert ist und wie sich das manifestiert. Alkoholkonsum werde nämlich hierzulande nur in zwei Extremen wahrgenommen: verherrlichend - "super, wos der vertragt!" - oder verteufelnd, sobald Probleme auftauchen: "Der sauft jo!"

Zwischen diesen beiden Polen ist ein schmales Band, auf dem Genießen und verantwortungsvolles Umgehen mit Alkohol angesiedelt wären. Leider, so Musalek zum Publikum, das seine Erzeugnisse nur zu gern mit dem Genuss-Argument vermarktet, erkennt das der Österreicher nur selten: ein Glas Wein genießen, gemäßigt trinken und aufhören, sobald die Wirkung einsetzt, ist seine Sache nicht.

Produktives Tätigsein

Was aber bedeutet "genießen können"? Genuss stelle sich jedenfalls nicht automatisch ein, bloß weil auf hohem Qualitätsniveau konsumiert werde, so Musalek. "Genießen ist eine Begleiterscheinung produktiven Tätigseins" und weniger als Gipfelsturm zu sehen denn als lange Wanderung über ein Plateau. Genießen ist hochkomplex zusammengesetzt und beginnt bei der Vorbereitung und Vorfreude auf etwas, Achtsamkeit und Wissen um eine Sache gehören ebenso dazu wie die Fähigkeiten, etwas zuzulassen, sich gehen zu lassen ...

Wie könnte das umgelegt auf ein Glas Wein aussehen? Freude haben, einen besonders wohlschmeckenden Wein zu ebenso wohlschmeckendem Preis entdeckt zu haben. Freude im Freundeskreis empfinden, wenn man deren Geschmack ebenso getroffen hat wie den eigenen, Freude darüber, dass man die Methoden, mit denen ein Winzer arbeitet, eins zu eins gutheißt, und dessen Wein mundet. Dass ein Tropfen mit dem Essen harmoniert. Genuss endet jedenfalls dort, wo die Wirkung in den Vordergrund tritt.

Dass wir als Gesellschaft genau das alles nicht können sollen, erschüttert, wo wir doch alle so fesch und gemütlich sind. Aber Genuss ist angeblich erlernbar, und zwar unabhängig von Geschlecht und Lebensalter. Die Hoffnung lebt! (Der Standard/rondo/27/01/2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 55
1 2
Charles Milton Ling
01
29.4.2012, 00:22
Zitat von Lessing

Wein macht dem Weisen die Welt erträglich.

Charles Milton Ling
00
29.4.2012, 00:22
Zitat von Lie

meresi
00
shinning...

ja ja...

Peter Holland
02
29.1.2012, 15:25

„Es gibt keine Belege, dass es jemals in der Geschichte eine voll entwickelte menschliche Gesellschaft gegeben hätte, die völlig ohne den Gebrauch psychoaktiver Substanzen ausgekommen wäre”.

Aus: Stuart Walton, „Out of it. A Cultural History of Intoxication”.

anthropophagus
14
30.1.2012, 14:05
das problem ist wohl,

das ist zumindest meine empirische Erfahrung, das Leute, die ohne psychoaktive Substanzen auskommen - vor allem ohne Alkohol - vermehrt religiös werden. sie tauschen also ein übel gegen ein noch viel schlimmeres übel ein.

Silvio Lackner
10
29.1.2012, 13:48
Ab welchem Quantum wird es gefährlich und sollte man immer wieder mehrmonatige Pausen einlegen?

Ein (manchmal zwei) Bier am Abend, zwei Gläser (meist ein wenig mehr als ein Achtel) Wein am Abend - ist das (noch) vertretbar aus gesundheitlich-medizinischer Sicht?

light sleeper
00
29.1.2012, 12:44
süchtig

hab jetzt schon ein wohliges stadium von alk-prozenten. lese stephen king (bei dem ist das alk-thema auch immer gegenwärtig, "der anschlag") und im backrohr brätelt ein saibling und eine forelle.
OHNE wein, den trink ich selber.

Tornos
00
29.1.2012, 13:03

aufregend ...

light sleeper
01
29.1.2012, 13:15

aufregend ist das buch, nicht mein mail. i know...

Tornos
00
29.1.2012, 13:15

weder noch. aber wortwörtlich "geschmackssache"

light sleeper
00
29.1.2012, 13:40

ich hab noch 800 seiten vor mir. king schreibt aber nicht für die fische. oh, die können langsam aus dem rohr...

Peter Holland
00
29.1.2012, 15:29

Stephen King war lange Zeit schwerer Alkoholiker und nach eigenen Angaben sogar beim Begräbnis der eigenen Mutter betrunken.

Er ist angeblich seit langer Zeit trocken.

Seine größten Erfolge schrieb er, als er noch getrunken hat.

light sleeper
00
30.1.2012, 18:30

welche werke sind denn das?
ich glaube, er hat sich mit schreiben therapiert.
nicht umsonst schreibt er romane mit über 1000 seiten.
dass sie dennoch interessant und nicht langweilig sind (marcel raich ranicky rülpst), spricht für king.
jetzt heißt es weiterlesen.

Tornos
11
29.1.2012, 13:42

Anton Proksch Institut Stiftung Genesungsheim Kalksburg
Therapiezentrum für Alkohol- und Medikamentenabhängige
1230 Wien, Gräfin-Zichy-Straße 6
Tel.: 01/88 010, Fax: 01/88010 77, Internet: www.api.or.at, E-Mail: info@api.or.at

KarliMero
00
29.1.2012, 09:36
aber des Backhendl schmeckt nicht allein...

Peter Williams
04
29.1.2012, 04:04
Sucht sucht Zufriedenheit.

Pierre d´Aubusson
05
29.1.2012, 02:43
Vor vielen, vielen Jahren, als ich noch jung, dumm und gefräßig war,

da habe ich nicht verstanden, wieso ein Arbeitskollege seine Hauswürstl, sein Brot mit soviel Genuß aß. Und der Wein erst, der sagte mir damals garnicht zu.
Heute, mehr als 30 Jahre später weiß ich, daß er keinen schlechten Wein hat. Das Brot hat seine Frau gebacken und die Sau hat er selbst gezogen.

Und heute, nachdems mir im Weingarten zu kalt wurde, bin ich dort vorbeigefahren, wo mein Wein lagert. Es wird ein gutes Tröpferl. Und es ist einfach der Stolz auf die eigene Leistung, die einen die Dinge genießen läßt.
Dabei muß man den Wein oder sonstiges nicht selbst gemacht haben, man muß sich nur für die eigene Leistung belohnen. Und dann kann man auch genießen und Maß halten.

Harry Meier
 
34
28.1.2012, 21:10
Also ich habe überhaupt kein Problem mit Alkohol.

Nur ohne ....

TT1
24
28.1.2012, 16:09
Kein Alkohol ist auch keine Lösung ...

Smoothies? Obst gehört gebrannt
02
30.1.2012, 09:02

Alkohol ist keine Lösung.

Sondern ein Destillat.

Simplicius Simplicissimus
10
29.1.2012, 17:36
Dafür gibt es ...

... den Alk eh in gelöster Form.

wolfetone
 
123
28.1.2012, 14:13
wie schrieb schon Hesse:

So ist der Wein. Doch ist es mit ihm wie mit allen köstlichen Gaben und Künsten. Er will geliebt, gesucht, verstanden und mit Mühen gewonnen sein. Das können nicht viele, und er bringt tausend und tausend um. Er macht sie alt, er tötet sie oder löscht die Flamme des Geistes in ihnen aus. Seine Lieblinge aber lädt er zu Festen ein und baut ihnen Regenbogenbrücken zu seligen Inseln. Er legt, wenn sie müde sind, Kissen unter ihr Haupt und umfaßt sie, wenn sie der Traurigkeit zur Beute fallen, mit leiser und gütiger Umarmung wie ein Freund und wie eine tröstende Mutter.

Peter Holland
00
29.1.2012, 15:19

Woher stammt das Zitat? Danke!

Name d. Red. bekannt
02
29.1.2012, 18:48

..ist von manfred zsak

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