Mochi: Die dunkle Seite der Sonne

    27. Jänner 2012, 17:08
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    Japan, von Tel Aviv, Berlin und dem Arlberg aus gesehen: Das neue Mochi ist das bezauberndste Lokal seit langer Zeit

    Das Restaurant ist winzig, es befindet sich im kaum befahrenen, romantischen ersten Teil der Praterstraße und verfügt nicht einmal über ein Geschäftsschild. Innen ist es derart schummrig, dass von draußen nur wenig zu erkennen ist und man schon wissen muss, wo das neue Mochi liegt, um es überhaupt zu finden.

    Dennoch ist das Lokal seit dem Aufsperren am Montag vergangener Woche gesteckt voll. Ohne Reservierung kann man am Nachmittag versuchen, einen Platz zu ergattern - abends geht gar nichts. Auf Facebook raunen sich die Schicken, Schönen und (nicht mehr immer ganz so) Jungen schon seit Tagen zu, was sie da für ein Juwel entdeckt hätten, das aber so etwas von wunderbar sei, dass Adresse oder Name leider, leider nicht verraten werden dürfen, weil es doch zumindest die Illusion einer Chance auf den spontan freien Tisch zu erhalten gelte.

    Japanische Küche

    Das geht natürlich gar nicht. Denn das von den jungen KLK-Architekten ganz in Schwarz (aber mit Naturholz-Theke und -Tischen) ausgestattete Restaurant ist zu außergewöhnlich, als dass man es nur den Trendsettern überlassen dürfte. Dabei ist das Design wie auch die kalifornisch angehauchte Japanküche keineswegs so unerhört, dass sie allein den Charme erklären können. Speziell die Art der Küche mögen informierte Esser schon seit längerem und aus geografisch besser an guten Fisch angebundenen Locations kennen. Aber die Stimmung, die Hingabe an das Projekt und der Wille, jedem, echt jedem Gast eine möglichst sehr gute Zeit zu bereiten - dieses Gefühl kennt man hier noch nicht.

    Edi Dimant stammt aus Tel Aviv, er hat in Paris bei Pierre Gagnaire und dem neuen Star Jean-François Piège gekocht. Seine Liebe aber gehört der japanischen Küche - weshalb er in Berlin etwa beim vietnamesischen Szenejapaner Kuchi von Duc Ngo kochte. Da lernte er Servicechef Tobi Müller kennen, der im Hospiz St. Christoph zur Welt kam, was sich eventuell als prägend für ein Leben in der Gastronomie ausgewirkt hat.

    Mochi special rolls

    Das Essen orientiert sich deutlich am Kuchi-Stil, was insofern erfreulich ist, als es in Wien bislang noch niemandem gelungen ist, die japanische Küche auf die kalifornische Art durchzumixen, ohne dabei gröberen Geschmacksverwirrungen zu erliegen. Das passiert hier nicht, allein der große Salat mit fruchtigem Sakura-Dressing und einem Berg knusprig umamiwürziger Bonitoflocken macht Appetit, ihn jeden Tag aufs Neue mittels großer Stäbchenladungen zu einem Teil seiner selbst zu machen.

    Es gibt einen Robata-Feuergrill, auf dem allerhand Spießchen (siehe Bild), aber auch erwachsene Steaks zu knuspriger Perfektion gegrillt werden. Es gibt Sushi, die im Spitzenfeld des lokalen Angebots liegen - und es gibt die "Mochi special rolls", wo die Kunst des Fantasy-Maki und der Inside-out-Roll in seltener Perfektion gezeigt werden. Ganz toll: "My best friends" mit Gemüse-Tempura innen und mariniertem Lachs außen und "Spider" mit knusprig frittierter Soft-shell-Krabbe. Aber, wie gesagt: Noch viel besser als das alles ist: die Stimmung! (Severin Corti/Der Standard/rondo/27/01/2012)

    Mochi
    Praterstr. 15
    1020 Wien
    Tel.: 01/925 13 80
    Mo-Sa 11.30-22 Uhr
    VS € 3,50-9, HS € 12-21

    Fotos: Gerhard Wasserbauer

    • Schwarz, damit es besser strahlt.
      foto: gerhard wasserbauer

      Schwarz, damit es besser strahlt.

    • Im durch und durch wunderbaren Mochi in der Wiener Praterstraße wird auf neue Art japanisch gekocht.
      foto: gerhard wasserbauer

      Im durch und durch wunderbaren Mochi in der Wiener Praterstraße wird auf neue Art japanisch gekocht.

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