Fernsehzeiten für Kinder

19. Jänner 2012, 17:16
  • Wickie, Heidi, Pinocchio, Tom und Jerry empfehlen jedenfalls ihren Fans.
    foto: der standard

    Wickie, Heidi, Pinocchio, Tom und Jerry empfehlen jedenfalls ihren Fans.

Pro: "Vertrauensbilder" von Doris Priesching - Kontra: "Seelensauger Bildschirm" von Colette M. Schmidt

+++Pro
Von Doris Priesching

Unter besserwisserischen Bildungsbürgerintelligenzlern gehört Schimpfen aufs Fernsehen von jeher zum guten Ton. War es einst Gezeter über Couchkinderhelden wie Bud Spencer, Adriano Celentano sowie Tom und Jerry, werden inzwischen beim Bobobrunch eifrig televisionäre Feindbilder entworfen und in lustvollem Grauen schreckliche Folgewirkungen ausgemalt: Schlafstörungen! Um Gottes Willen!

Die besorgten Eltern betreiben nichts anderes als egogetriebene Angstbewältigung. Der Porzellansturz hat noch niemanden gerettet, schon gar nicht, da im digitalen Zeitalter Fernsehen längst nicht mehr die größte Verlockung, Pardon: Bedrohung, darstellt. Neben Facebook, Twitter und weiß der Kuckuck was werfen die Kleinen einander bis zu 10.000 SMS pro Monat zu. Seit dem Medienpädagogen Jan-Uwe Rogge wissen wir: Kinder können fernsehen, nämlich wenn sie nicht von dauerentnervten Eltern vor die Glotze zum Stillhalten abgeschoben werden. Wickie, Heidi, Pinocchio, Tom und Jerry empfehlen jedenfalls ihren Fans: Empört euch!

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Kontra---
Von Colette M. Schmidt

Wer Kinder beim Fernsehen beobachtet, erkennt schnell: Da läuft was schief. Diese Wesen, die sonst voller Neugierde und Tatendrang sind, ständig am Entdecken, Fragen und Herumspringen, sehen aus wie hypnotisierte Fische. Stumm und starr. Fragt man sie etwas, reagieren sie nicht. Und nicht nur bei "Hast du schon Zähne geputzt?", sondern sogar bei "Magst du heut den ganzen Tag Schokolade essen, in den Zoo gehen und dann ins Kasperltheater?"

Der Flimmerkasten scheint ihre Seelen verschluckt zu haben. Was so unheimlich wirkt, ist auch wissenschaftlich erwiesen: Der Bildschirm hemmt die Hirnentwicklung. Egal, ob sie japanischen Zeichentrickkämpfern zusehen (ganz schlecht!) oder Sendungen, welche die Anomalie des Wassers kindgerecht erklären (echt lehrreich!).

Ein totales Verbot durchzuhalten ist aber schwer, etwa wenn man der besten Freundin dringend etwas erzählen muss, etwas, das noch weniger geeignet für Kinder ist als japanische Cartoons. "Spatz, magst nicht kurz schauen, was im Fernsehen läuft?" (Der Standard/rondo/20/01/2012)

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Ich hab als Kind immer Löwenzahn gemocht. Damals noch mit Peter Lustig.
Und die Sendung mit der Maus.

"Begleiteter Medienkonsum" IST eine Lösung!

Beim Fernsehen, Video schauen UND am Computer/Spielekonsole.

Einziges Problem - liebe Eltern, da müsst's ihr euch auch WIRKLICH die Zeit dazu nehmen UND mit den Kindern über das reden, was sie da so konsumieren.

Nach meiner Erfahrung sind die Kinder, die wie im zweiten Text beschrieben vom Fernsehen total hypnotisiert sind, genau die, deren Eltern das Fernsehen total überbewerten aka dämonisieren und den Fernsehkonsum beschränken. Deshalb bleibt für diese Kinder das TV-Gerät was ganz Besonderes, wo man jede Minute auskosten muss, weils die Eltern sicher jeden Moment abdrehen.
Mein Kind und ihre FreundInnen leben fast alle in Haushalten, in denen der Fernseher die Rolle des Radios unserer Eltern übernommen hat. Da wird mal hingeschaut, manche Sendungen mag man sehr gern, aber meistens ist was anderes viel spannender, spielen oder basteln oder rausgehen oder Freunde treffen zum Beispiel schlägt Fernsehen zu jeder Zeit.

Diejenigen Kinder, die hypnotisiert vorm Fernseher sitzen, weil sie nur wenig schauen dürfen, schauen aber insgesamt sicher weniger als die, die nicht immer, wenn der Fernseher rennt, hinschauen. Ist somit kein Argument dafür Kinder Fernsehen zu lassen "damits nicht so interessant ist".

Der Fernseher erfüllt überhaupt keine erzieherische Aufgabe, auch nicht die, fad zu werden. Es gibt ihn halt. Das Kind darf schauen, wenn sie will, was zur Folge hat, dass sie fast nie will, außer es ist was mit Meerjungfrauen.

Ich wurde vorm Fernseher erzogen und schaut mir nur jetzt an. Mir's sicher nichts schlimmes passiert.

(Oder?)

Dosis sola facit venenum.

wie inkonsequent, Frau Schmidt...

Schlußendlich kommt es auf die Dosis an!

Das ganze Für und Wider ist doch nur reine Polarisierung.
Wenn fernsehen, dann sinnvolle und kindgerechte Serien vorab aussuchen (noch besser DVD) und mit den Kindern gemeinsam ansehen.
Abhängig vom Alter liegt die Dauer zwischen 15 und 60 Minuten (aber auch nicht täglich).
Dann ist auch noch genug Zeit für Bewegung und frische Luft.
Man sollte das Fernsehen nicht verteufeln, dann wird es erst recht interessant für die Kinder.

<<wenn man der besten Freundin dringend etwas erzählen muss, etwas, das noch weniger geeignet für Kinder ist als japanische Cartoons>>

Grad das würd die Kinder besonders interessieren und wäre für für ihre Entwicklung. Oder hamma Angst, dass die Kleinen was ausplaudern?

Warum ist das eigentlich in der Rubrik "Spielen & Lesen"?

Frau Priesching, auf kosten der kinder cool wirken wollen ist sicher nicht der richtige ansatz! Fernsehen schadet enorm.

Probieren sie es mal aus. Ersetzen sie ein paar monate lang fernsehen durch sinnvollere und anregendere tätigkeiten und sie werdern mit staunen erleben, wie sehr sich die kreativität und schulische leistung ihrer kinder (falls sie welche haben, was ich nicht glauben kann) verbessert.

Wenn Sie Kinder verstehen wollen, macht es Sinn, sich ab und an in sie hineinzuversetzen...

Fernsehen schadet enorm.

So ein Unsinn.
Ich pack' es echt nicht...

Nö, kein Unsinn. Es schadet. Je jünger das Kind ist, desto mehr schadet es. Im Gegenzug bringt es rein gar nichts.

Beleg durch Behauptung hat noch nie funktioniert.

Meine durften auch fernsehen, haben das auch getan. Wir hatten auch Videokassetten mit Märchen, DVDs, etc. Aber sie waren auch verrückt nach den TeleTubbies.

Mittlerweile sind sie Teenager, schauen immer noch ab und zu fern, lesen viel, sind gut in der Schule, der Sohn maturiert heuer, sind interessiert, sportlich, haben einen großen Freundeskreis, etc.

Wüsste nicht, wo oder wie ihnen "Fernsehen" geschadet hätte.

Sperrt man alles weg, was man meint, schlecht zu sein, können die Kinder nie selbst ein gesundes Verhältnis zu den "verbotenen" Dingen aufbauen, weil "verbotenes" Kinder magisch anzieht.

Es gibt etliche Studien, die die negativen Auswirkungen des Fernsehens auf das Gehirn behandeln, ebenso auf das Verhalten/die Psyche. Zudem gibt es Vergleichsstudien, die verschiedene Aspekte zwischen Kindern mit unterschiedlicher Fernsehdauer vergleichen, und die kommen alle auf dasselbe Ergebnis: Je länger die Kinder fernsehen, desto schlechter, und je früher sie damit anfangen, desto schlechter. Leider ist mir noch keine Studie untergekommen, die nicht-fernsehende Kinder mit moderat-fernsehenden Kindern vergleicht. Vermutlich weil es zu wenig nicht-fernsehende gibt.

Zu Ihren Kindern: Sie wissen ja nicht, wie sie wären, wenn sie gar nicht ferngesehen hätten, oder?

Sie können davon ausgehen, dass dieselben Argumente (speziell von der rk Kirche) vorgebracht wurden, als der Buchdruck erfunden wurde und somit eine Veränderung einläutete.

Nur diesmal sind die Argumente wissenschaftlich untermauert ;)

Das waren Sie damals auch und die Ängste waren sicher berechtigt, denn sie veränderten das Denken der Menschen sehr.

Was wir heute erleben mit TV und weltweiter Vernetzung per Internet, welche Folgen das auf weitere Entwicklungen hat, können wir noch gar nicht abschätzen, da wir erst am Beginn dieses Umbruchs stehen.

Na so neu ist das Fernsehen jetzt aber nicht mehr ;)

Zu Ihren Kindern: Sie wissen ja nicht, wie sie wären, wenn sie gar nicht ferngesehen hätten, oder?

Ziemlich sicher nicht auszuhalten, weil bereits Nobelpreisträger, Papst und Nachfolger von Stephen Hawkings in einer Person.

Aber Spaß beiseite: Dass intensives Fernsehen schadet, habe ich ja nie bestritten. Dass der Einsatz des Fernsehers als Babysitter eine ganz schlechte Idee ist, ebensowenig.

Dass Fernsehen per se schon schädlich ist und hier eine Zero-Tolerance gelten sollte, halte ich aber absolut für Unsinn.

Fernsehen mit Maß und Ziel und vor allem nicht als "Ersatzbeschäftigung", wie sie ja offenbar auch von Fr. Schmidt praktiziert wird. Fernsehen sollte keinesfalls dann stattfinden, wenn man grad' selber keine Zeit hat, sich mit dem Kind zu beschäftigen.

Etwas das ich außerdem sehr interessant fand/finde in Bezug auf Dauer/Inhalt/Alter: In Österreich hatte ich den Eindruck, dass es da hauptsächlich auf den Bildungsstand der Eltern ankommt. Als ich aber nach Schweden gekommen bin, habe ich gemerkt, dass hier höher gebildete (Akademiker) sich dem Fernseher gegenüber eher so verhalten, wie "bildungsferne Schichten" in Ö. Kinder werden schon sehr früh (1 Jahr, oder gar vorher?) vor den Fernseher gesetzt, schauen sich mit 2 Jahren locker 2stündige Filme an (und das nicht als Ausnahme zu Weihnachten oder so) und sehen Filme, die für das Alter garantiert nicht geeignet sind - kaum ein 6jähriges das nicht alle Harry Potter Filme, Star Wars, Spiderman, usw. gesehen hat.

... und das alles in Originalfassung mit Untertiteln, was auch erklärt, warum dort alle so gut Englisch können.

Die könnten sicher nicht schlechter Englisch, wenn sie nicht ab dem Kleinstkindalter an stundenlang vor Filmen mit altersungerechten Inhalten geparkt werden würden.

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