Austria's Next Topmodel

Anleitung zum Zickigsein

20. Jänner 2012, 13:48

Zum vierten Mal wird gerade "Austria's Next Topmodel" gesucht - Dabei hat noch keine der bisherigen Siegerinnen den Durchbruch geschafft

Model? Ein echter Traumjob. Längst ist das Schönsein für junge Mädchen zu einer realen beruflichen Option geworden. Nicht unschuldig daran: ein Castingformat, das im Fernsehen seit über acht Jahren Mädchen zu "Topmodels" macht. 2003 ging das ehemalige Supermodel Tyra Banks mit America's Next Topmodel in den USA auf Sendung, Österreich sitzt seit 2009 im Topmodelboot mit drin: Austria's Next Topmodel wird von Redseven Entertainment, einer Tochter der deutschen Pro Sieben Media AG, produziert und versteht junge Zuschauer vortrefflich zu ködern.

Und das erstaunlicherweise mit Appellen an Disziplin und Gehorsam: "Die neoliberalen Werte, die eine solche Sendung vermittelt, werden von den Jugendlichen angenommen", sagt Christine Wijnen von der Uni Wien, die sich mit den Auswirkungen von "Model-Castingshows im Alltag von Jugendlichen" in einer Studie auseinandergesetzt hat: "Insbesondere die, die geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, hoffen: Wenn ich hart genug an mir arbeite, kann ich meine Träume erreichen." Jugendliche konsumierten die Sendung zwar überwiegend mit kritischer Distanz, doch viele verstünden die Modelcastingshows als eine Anleitung zur Verwirklichung ihrer Wünsche.

Der Jury und den Sponsoren gefallen

Bei Austria's Next Topmodel dürfte der Zuschauer mittlerweile nach drei Staffeln wissen: Angehende Models haben nicht nur berufsbedingt immer gut auszusehen, sondern vor allem der Jury und insbesondere den Sponsoren zu gefallen. Wie stark deren Einfluss bereits auf die Vorauswahl der Kandidatinnen ist, macht ein bizarres Vorspiel zur aktuellen vierten Staffel klar: Während Jurymitglied Elvyra Geyer im September letzten Jahres das obligatorische Bundesländercasting, einen recht glanzlosen Modelmarathon vom Vorarlbergischen Einkaufszentrum Zimbapark bis zum Q19 Einkaufsquartier in Döbling, absolvierte, durfte Sponsor Niki Lauda, der bisher keine Referenzen als Modelscout vorzuweisen hat, "Nikis Next Topmodel", die 17-jährige Yemisi Rieger, aussuchen. Yemisi sei ihm aufgrund ihrer Natürlichkeit aufgefallen, gibt Lauda zu Protokoll.

Mittlerweile ist aber nicht nur die Castingtour, in der aus 5000 Bewerberinnen 22 Mädchen ausgesiebt wurden, längst gelaufen. Die gesamten Sendungen wurden schon im Spätherbst aufgezeichnet. Die Zuschauer nehmen es gelassen. Sie scheinen das seit vergangener Woche immer donnerstags verabreichte Dosenfutter allen Unkenrufen zum Trotz zu mögen: Der Gewinnerin winkt auch diesmal die Titelseite der Frauenzeitschrift Woman und ein Vertrag mit der Model-Agentur Wiener Models.

Welcome to High Fashion

Trotz des diesjährigen Mottos "Welcome to High Fashion" klingt das wenig international. Nicht ohne Grund wird laut Medienpädagogin Wijnen die österreichische Sendung von jugendlichen Zusehern als Abklatsch des deutschen Formats verstanden. Dieses Phänomen sei allerdings kein Einzelfall: "In Irland ist das ganz ähnlich: Da wurde die Sendung gegenüber dem britischen und US-amerikanischen Format auch abgewertet."

Doch wie sieht es mit der realen Auftragslage der Gewinnerinnen der vergangenen Staffeln aus? "Lydia macht vor allem Shows, weil es für Mädchen mit dunkler Hautfarbe bei uns wenig Jobs gibt", erklärt Andrea Weidler, Inhaberin der Agentur Wiener Models, die Situation der Siegerin von 2011 (siehe Interview). Aber: "Wir mögen das Mädchen und glauben an sie!" In Deutschland hingegen stehen die Zeichen nicht auf Nestwärme. Reihenweise flüchten "Germany's Next Topmodels" aus den fragwürdigen Modelverträgen des Klum-Clans.

Model oder Schauspielerin?

Eine solche Agenturflucht scheint es in Österreich bisher nicht zu geben. Allerdings orientieren sich auch hier viele Teilnehmerinnen neu: "Larissa hat bei uns anfangs ausgezeichnet gearbeitet, wollte aber immer schon Schauspielerin werden" sagt Weidler über die Gewinnerin von 2009. Sie lebe deshalb mittlerweile in New York. Und die Erstplatzierte der zweiten Staffel? "Aylin arbeitet nach gröberen Anlaufschwierigkeiten aufgrund chronischer Unpünktlichkeit inzwischen ausgezeichnet." International hat aber auch sie bisher noch nicht von sich reden gemacht.

Dass die "wirkliche Modelwelt mit jener der Topmodel-Formate nicht allzu viel zu tun hat, dürfte für viele Teilnehmerinnen eine schmerzhafte Erfahrung sein. Viele Mädchen sprechen ungern über die Wochen im Model-Loft. Einige von ihnen werden wohl erfahren haben: Der Wille, an sich zu arbeiten, wird auch im Showgeschäft nicht zwangsläufig von Ruhm und Erfolg gekrönt.

Ellenbogentaktik

Umso schwerer, das frühzeitige Ausscheiden nicht mit einem ausschließlich persönlichen Versagen gleichzusetzen - zumal auch im Alltag zunehmend Ellenbogentaktik angesagt ist. Die Hamburger Zeit zitierte 2010 in einem Artikel über Germany's Next Topmodel die damals aktuelle Shell-Jugendstudie: Die Angst, in der Gesellschaft keinen Platz mehr zu bekommen, sei in den letzten Jahren unter Jugendlichen gewachsen, heißt es da. Auch die in Christine Wijnens Studie befragten österreichischen Jugendlichen sehen sich durch Castingformate darin bestätigt, dass heute nicht Individualität, sondern die perfekte Anpassung an gesellschaftliche Vorgaben gefragt sei. Entspreche man diesen nicht, sei es durchaus legitim, dafür kritisiert zu werden.

Das wird auch bei den diversen Topmodel-Formaten ausführlich getan. Quoten machen diese Formate allerdings nicht mit den Angepassten, sondern den Kandidatinnen, die vor der Kamera rumzicken und rumheulen - und so ihre "15 minutes of fame" voll auskosten. Alles nur Show, alles nur Inszenierung, sagen dazu die einen. Als authentischen Wettbewerb, wer die Schönste im Land sei, versuchen es dagegen die Fernsehanstalten darzustellen. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob die Zuschauer bereit sind, das wieder zu glauben. (Anne Feldkamp/Der Standard/rondo/20/01/2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 144
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3dGeist
00
21.1.2012, 16:14

Das man mit Castingshows keine Karriere macht sollte jedem klar sein der dieses Thema auch nur aus der Entfernung beobachtet.
Wie oft schon wurde das nächste Topmodell oder Supertalent gesucht?
Karriere hat danach niemand gemacht.

pdf
00
10.2.2012, 10:42
manchmal klappt es doch

Alisar, mittlerweile international gut gebucht, hat es nach Germanys next Topmodel offenbar doch geschafft. Sie hat sich gut gemacht, finde ich, ihre Fotos sind toll und am Laufsteg macht sie ebenfalls eine sehr gute Figur. Warum soll die eine oder andere nicht durch so eine Ferhsehshow entdeckt werden?

Hefeweizerlbier
00
20.1.2012, 17:01
Zum Glück steht in der Bildunterschrift,

dass es sich um einen Anzug handelt.

Ich hätte nämlich auf Pyjama getippt.

Rosa Grün
 
00
21.1.2012, 08:58

genau so einen pyjama habe ich zu weihnachten erhalten!

K. K. Lacke
00
20.1.2012, 14:50
Das Schlimmste an der Sache ist doch:

hier werden jungen Mädchen Hoffnungen gemacht die niemals halten was man ihnen versprochen hat

zu "Topmodels" taugen diese Girlies nicht. Das wird klar wenn man sich die Mehrzahl der Damen einmal näher oder im Profil ansieht.

klar, vielleicht es bei der einen oder anderen für eine Anstellung als Autoshow-Hostess oder als Gesichtsmodel für den "Otto"-Katalog.

eine "internationale Karriere" hat bis dato keine davon hingelegt. Weder "Alisar", noch "Larissa" oder "Lydia".

Ist aber auch wurscht. Schliesslich braucht es auch ab und zu ein paar "exotische Tänzerinnen" oder Kellnerinnen die halbwegs hübsch aussehen. Es kann halt nicht jede Model werden...

traurig ist halt, dass die Enttäuschung in jedem Fall gewiss ist.

Miguel Rodrigez
00
25.1.2012, 08:34

Ist das die Rudas?

KhalilG
 
00
21.1.2012, 13:27

fesch

The.Game
00
20.1.2012, 13:51
Die Mädels in der Castingshow sind alle potthässlich..

was die mit Models zu tun haben, weiß ich auch nicht. Schön sind sie nicht.

sagdiewahrheit
00
20.1.2012, 13:49
diese Sendungen

Sind nur Kommerz!!! Hat nichts mit high class zu tun!! Es ist reine Unterhaltung!! Uhhhh für so einen Vertrag und ein cover würden duzte die sich auskennen keinen Finger rühren außer aus Spaß, vielleicht.....

Don Kamo
10
20.1.2012, 13:33
Austrias Text Nopmodel

shitty little country
03
20.1.2012, 12:28
Carmen Kreuzer

super juroren, vor allem ihr steirisches bellen im englischen akzent!

und wie super sie sich im "model-biz" auskennt, erkennt auch der leie an ihren gezielten fragen:

ist das jetzt pre-a-PORTIER oder haute couture?

billy bob
00
22.1.2012, 11:44

laie nicht leie

onkel frank
03
20.1.2012, 12:22
Austria's Next Nobody

princess of fame
00
20.1.2012, 12:17
Der Gewinnerin winkt auch diesmal die Titelseite der Frauenzeitschrift Woman und ein Vertrag mit der Model-Agentur Wiener Models

Noch eindeutig können die Macher der Show es doch nicht mehr ausdrücken.
Wenn die Zuseher, die Teilnehmerinnen trotzdem glauben, die Gewinnerin hat nach Abschluss der Show einen Status wie zB Claudia Schiffer, deren Einkommen, deren Bekanntheitsgrad, deren Einsatzmöglichkeiten, zeigt das doch nur von der Unwissenheit und Unkenntnis dieser Branche.

Aahn
00
20.1.2012, 12:15

"Topmodel", eher Flopmodel

TheVox
54
20.1.2012, 12:09

Ich habe da eine sehr spezielle Theorie:
Die Modeschöpfer bevorzugen deswegen solche fleischlosen Frauen, weil sie damit insgeheim ihren Hang zu Männern ausleben können.
In meinem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis gibt es niemanden der die heutigen Models von der Figur her schön oder attraktiv findet.

HAL 9000
57
20.1.2012, 13:03
Das ist genau so fundiert wie

"omg wer auf rasierte Mumus steht der will in Wahrheit 11jährige", während die Realität ganz einfach ist: ich will keine Schamhaare auf der Zunge.

ò_Ó
00
20.1.2012, 16:59

erwischt :(

FinalDestinati0n
30
20.1.2012, 12:43

Nein.

Das ist falsch und wurde auch schon oft erklaert.

princess of fame
15
20.1.2012, 12:19
Ich habe da eine sehr spezielle Theorie

[IRONIE ON]
Diese Theorie ist derart neu und wohlüberlegt, dass Sie um Ihren scharfen Verstand zu beineiden sind.
[IRNOIE OFF]

DasLebenhinkt
00
20.1.2012, 17:53

So falsch liegt er wohl nicht.
Ich persönlich hege öfters den Verdacht, dass diese super Modeschöpfer viel für Buberl übrig haben wenn man diese knabenhaften Models und Piafrakinder so über den Laufsteg staksen sieht

princess of fame
00
20.1.2012, 22:14

Sie meinen, jemand manipuliert die Oberfläche, damit er für ihn Uninteressantes dem Objekt des Begehrens ähnlich macht?
Quasi: Ein Schokoladesüchtiger tunkt die Rohkost in Sojasauce, damit er glaubt, er isst Schokolade?
Ja, das macht Sinn. Wenn man den zu so verschlungenen Denkerein fähig ist.
;-)

DasLebenhinkt
00
21.1.2012, 10:04

Nachdem Männer nicht die Zielgruppe von Modeschöpfern sind, sondern Frauen, ist es völlig egal was Männer als schön empfinden oder nicht.
Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Männer Hungertürme schön empfindet.
Wer will sich im Bett blaue Flecken holen?
Ich persönlich habe auch noch nie zu einem Mädel "hey Du hast aber schöne Beckenknochen" oder "ich finde Deine Rippen echt super".

Sepp Depp
00
20.1.2012, 12:06
mölzers

das mölzerische umvolkungsmodell ... a wohnsinns erfolg

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