Die Jungen leiden

22. Jänner 2012, 11:48
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Auch die gute alte Midlife-Crisis scheint heute weit nach vorn verlagert

Falls jemand einmal den Kontakt zur männlichen Weltjugend sucht und dabei auf Menschen um die 30 stößt, wird er das ja wissen: Nicht nur der biologische Verfall scheint mittlerweile ein Jahrzehnt früher einzusetzen. Das diesbezügliche Treffen der Generationen bei Heilgymnastik, Yoga, Pilates und in Kuranstalten im Voralpenland ist doch recht beachtlich.

Auch die gute alte Midlife-Crisis scheint heute weit nach vorn verlagert. Burn-out, Flucht aus dem Glück einer möglicherweise zu früh gegründeten Kleinfamilie und der Kauf von Rennfahrrädern, der das gute alte Motorrad und Boxtraining abgelöst hat, scheint unmittelbar dann einzusetzen, sobald man sich finanziell mit diversen Hypotheken, Wohnungen und Allradblödsinn etwas zu übernehmen in der Lage ist.

Das beruhigt insofern, als man sich selber nicht ganz so alt vorkommt, wenn es während des langen Marsches hin zum Zipperlein plötzlich im sozialen Umfeld jüngere Leidensgenossen mit ähnlichen Problemen gibt. Vielleicht liegt es einfach auch daran, dass jüngere Jahrgänge konsequent dafür geschult wurden, sensibel zu sein und auf ihre innere Stimme zu hören, damit Frauen nicht so viel Stress mit ihnen haben.

Das führt neben einem erhöhten Aufkommen von Wollwesten und zärtlichen Schnurrbärtchen allerdings auch zu überzogener Hypochondrie und Wehleidigkeit. Dies schlägt sich auch in der Popkultur nieder. So viel schlaffe Musik voller verletzlicher Querflöten, einsamer Saxophone und plüschiger Keyboards gab es noch nie. Die Zeiten sollten für Typen einfach wieder härter werden. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 20.01.2012)

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    Das gute alte Motorrad und Boxtraining sind abgelöst.

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