Ein hoffnungsvoller Ausblick auf 2012 von Luzia Schrampf
Zunächst einmal steht mit 2011 ein Jahrgang ohne Fehl oder Tadel ins Haus. Im Gegensatz zu letzten Wunderjahrgang 2009, dessen Spitzenkreszenzen gerade in den Verkauf kommen, fehlt es nicht an Menge. Und zu tadeln gibt es ebenso wenig: Die Trauben waren sehr gesund, und ausgereift. Proben von bereits vergorenen 2011ern schmecken durchwegs verheißungsvoll. Bleibt vor allem zu hoffen, dass dieser heranreifenden Pracht auch die Zeit gegönnt wird, um fertig zu werden. Die p. t. Weinfans fordern immer noch viel zu früh aktuelle Weine ein und tun sich damit selbst keinen Gefallen. Doch zum Glück gibt es mehr und mehr Winzer, die uns ihre Weine erst in die Hand geben, wenn diese so weit sind.
Dass man sich der Herkunft eines Weines immer stärker bewusst wird, ist einer der erfreulichsten Trends dieser Zeit und wird sich hoffentlich verfestigen. Dazu braucht es einerseits Winzer, die Herkunft in ihren Weinen herausarbeiten, und andererseits Weinkonsumenten, für die "Somewhereness", das Von-wo-her-Sein, einen Wert darstellt. Dieser Begriff aus der englischsprachigen Weinwelt beschreibt sehr schön, dass ein Wein einfach nach dem schmecken soll, wo er gewachsen ist. Uns Weintrinkern bringt das klarer unterscheidbare Weine und eine erfreuliche geschmackliche Vielfalt.
Stark getragen wird dieses Bewusstsein für die Herkunft von der neuen Generation der österreichischen Winzer. Dazu gehören die Youngsters, die Nachfolger und Neueinsteiger, aber unabhängig vom Lebensalter auch alle jene, die in den vergangenen zehn Jahren begonnen haben, ihr Ding zu machen, durchaus basierend auf früheren Erfahrungen. Sie alle kennen die Standards großer internationaler Weine, sind offen und halten nicht stur an den "Schulweisheiten" des Weinmachens fest oder an scheinbar allgemein gültigen Vorstellungen, wie etwas zu schmecken hat. Und sie wählen ihre Methoden mit Bedacht, die oft genug in Richtung umweltbewusster, nachhaltiger Bewirtschaftung der Weingärten und sanfterer Vinifikation gehen.
In Prämierungen und Wein-Guides schlägt sich diese Kraft der Jugend leider nicht immer nieder. Zu sehr sind diese auf Etabliertes und Bewährtes fixiert. Doch Verkostungsveranstaltungen gibt es genug, um Neues zu entdecken. In diesem Sinne: Möge uns das neue Jahr viele gute Trinkerlebnisse bescheren! (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/13/01/2012)