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Es hat schon fast etwas Therapeutisches, sich ein-, zwei-, dreimal pro Jahr ein wenig herauszuputzen.
+++Pro
Von Roman David-Freihsl
Im ewig gleichen Alltagstrott neigen wir zugegebenermaßen dazu, die Zügel nach und nach ein wenig schleifen zu lassen. Nicht, dass wir regelrecht verlottern - aber so ein bisserl ein optischer Schlendrian stellt sich doch ein. Da hat es schon fast etwas Therapeutisches, sich ein-, zwei-, dreimal pro Jahr ein wenig herauszuputzen. Auf Bällen hat das dann zwar immer einen leichten Touch des Nostalgischen, ein rückwärtsgewandtes Mehr-Schein-als-Sein. Mag sein. Aber wenn man schon noblich ballestert, dann wenigstens ordentlich. Was wäre die schönste Robe, wenn sie dann obendrüber von einem Besenschädel konterkariert würde? "Entweder - oder, Popsch oder Goder", pflegte die Großmutter immer zu sagen (okay, auf dem Ball sollte man dann auch die eigene Sprache auffrisieren). Und was die eigene, dem männlichen Geschlecht zugehörige Person betrifft: Vor dem Frackzwang (Zwang im Sinne von hinein-zwängen) muss auch der Dreitagesbart-Stoppelglatzen-Look dran glauben. Da wird der Rasierer für die Ballfrisur ausgepackt.
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Kontra---
Von Thomas Rottenberg
Der zentrale Logengang beim Opernball ist eng und niedrig. Nichts für Klaustrophobiker. Schon gar nicht, wenn da zwei Lawinen aufeinander zurollen: Von links Gottschalk, von rechts Lugner. Es schiebt und wogt. Bis zur Decke: Kameras, Mikros, Lichter, Nahkampf.
Wo die Pulks aufeinandertreffen werden, stehen drei Debütantinnen. Sie glauben, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein: "Herr Gottschalk, ein Fo...". Zu spät erkennen sie ihre Lage.
"Schleich di!" - "Wos mochn de Kinda do?" Eine Jungdame kracht gegen die Wand: Ihr Glück. "Kopf weg!" - "Obe mim Plutza!" Ein Tele knirscht am Krönchen. Eine Hand wischt eine Frisur zur Seite: "Auaaaa!" - "Putz di, Puppe!"
Zurück bleiben drei fassungslose, derangierte Mädchen. Die Kleider schwer verdrückt - aber ein bisserl Zupfen wirkt oft Wunder. Doch dann der Blick in den Spiegel: "Oh Gott! Die Frisuren. Voll hinüber. Das kriegt heute keiner mehr hin." Zuerst kommen die Tränen - dann die Erkenntnis: "Der ganze Aufwand - für nix." (Der Standard/rondo/13/01/2012)
Von unserer Zungenfertigkeit sollen auch die anderen etwas haben - Oder: Man und frau waren jung, knackig und ungestüm
Am Ende eines gemütlichen Kaffeehaustages kann sich die Übersicht leicht eintrüben - Oder: Dies wäre eine Infragestellung der Integrität des sinnierenden Stadtmönchs
"I love you and your body." Oder: Auch nach Jahren mutet der papierene Staubfänger noch beinahe jungfräulich an
So ein charakterstarker Sattelschutz gibt uns den allerschönsten Schliff im Meer des seriösen Gleichklangs - Oder: der Schoner steht dem Wesen des Radfahrens entgegen
Die Suche in Taschentiefen oder Zimmerfluchten ersparen oder Understatement mit einem einzigen Klingelton
Das Viecherl reagiert von Natur aus positiv auf "Lecker- Bissen" - Oder: "Oida, reiß des Blech auf!"
Die dumme Augustine trug sie und wurde umjubelt, aber der Modetrend gilt als Gegenteil von Freiheit
Maunchmoi is scho vü gscheida, ma bleibt bei dem wos ma dalernt hot oder Hochsprache ist Facebook-Sprache
Die gedruckte Zeitung darf nicht sterben - oder: Wenn gedruckte Gedanken zu Wischdiensten abkommandiert werden, sterben sie einen feuchten Tod
Einen Goldfisch damit nach Hause transportieren oder Liebe geht durch den Magen
Ein Zeichen einer erwarteten Gemütlichkeit oder so graziös wie Bambi auf dem zugefrorenen Teich
Ein gerade unübertreffliches Glücksrezept oder logistischer Stress durch neumodisches Brauchtum?
Weshalb das viel gepriesene "Runner's High" in der Stadt mitunter auf sich warten lässt und das duch-die-Stadt-joggen eine Sightseeing-Tour ersparen kann
"Damit sich nicht wieder irgendein Armleuchter in den Luster hängt" oder "Fröhlichkeit ganz ohne Alkohol ist immer etwas gezwungen"
Seine Entscheidung - "eine oda auße?" - jederzeit staufrei revidieren oder es ist nicht der Mensch, der den Rhythmus vorgibt
Her mit der heißen Ware, oder sind erotische Geschenke einfach nur peinlich?
"Welcher Superstar wird dich heiraten?" oder Danke, wir wollten es echt nicht so genau wissen
Wer die Lure aus dem Stockwerksautomaten am Platz genießt, versäumt nichts Spannendes - oder die Sitten im Büro sind immer nur so rau wie das Leben auf der Straße
"Das WC ist nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt" oder: "Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben"
Heißer Tee, Suppe oder auch Punsch oder die Eismischerzunft soll endlich auf den Klimawandel reagieren
Rockgott versus Gott der Allmächtige - zumindest wenn es um die Frage nach hell oder dunkel geht
"Mindestens haltbar bis ..." - "Best before" ist schlicht irreführend übersetzt oder ein farbenprächtiger Abdruck einer Fontäne an der Toilettenwand
Weshalb der Alltag der KollegInnen schon interessant ist und portionierte Grußbekanntschaften einem weißen Wal das Leben schwer machen
In der Leichtigkeit muss man das Üppige wählen oder der Schaum, ein Traum
nach dem motto "wenn schon, denn schon".
im sinn der nostalgie noch beklagenswerter als der zustand der frisuren bei den damen - wer allerdings hätte etwas gegen kurze haare einzuwenden? - sind fehlende handschuhe. diese haben aus glacéleder zu sein. grausame décolletés und ärmellose kleider (älterer damen) können auch noch genannt werden.
bei den herren wiederum sind in der taille zu lange frackwesten offenbar mittlerweile standard. pumps und seidensocken waren einmal de rigueur ...
.. sondern zum Frisör gehen! Ich bin in den 80iger Jahren mit toupierten Haaren am Motorrad (viel zu schnell) vom U4 nach Hause gefahren. Da war kein Helm notwendig, die Frisur hat gehalten. Pauli - der Besitzer des Motorrades - findet das nach fast 30 Jahren noch immer lustig.
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