Lokal im 1. Bezirk

Albertinapassage: Wann singt Jessica Rabbit?

23. Dezember 2011, 17:12
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    foto: gerhard wasserbauer

    Und oben rattert die Bim: Die Albertinapassage wurde zum Dinnerclub mit Live-Jazz. Von der Anmutung sehr glitzy - doch die Küche zeigt vereinzelt noch Schwächen.

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    foto: gerhard wasserbauer

    Die Steaks wirken noch etwas lasch.

Aus der Albertinapassage unter dem Ring wurde ein sehr großer, ziemlich exklusiver Dinnerclub mit Live-Musik - Aufregend!

Wer des nächtens an der Ecke Opernring/Operngasse in den Untergrund absteigt, landet in einem mächtigen, schummrigen Lokal, in dem Livejazz gespielt, Eiskübel und Tabletts voller Champagnergläser durch die Gegend getragen werden und es nach gegrillten Steaks und ein wenig schwül nach den Parfums der Gäste duftet. Smooth! Deutlich lauter als die Musik ist das Rattern der Straßenbahn, das daran erinnert, dass man sich nicht etwa im Bauch einer Yacht oder pulsierenden Großstadt befindet, sondern eh nur unterhalb des Wiener Opernrings. Hat aber auch was!

Anderseits kann man sich das Geratter durchaus als jenes einer Metro in einer fremden Stadt zurechtfantasieren - schon wähnt man sich in einem Club, irgendwo zwischen New York und Novosibirsk, was zumindest geografisch nicht verkehrt ist. Auch die Musiker, die die Betreiber von Sunshine (Passage, Superfly FM ...) gebucht haben, müssen keinen Vergleich scheuen. Das ist Dinner-Jazz, der auf sehr angenehme Weise swingt!

Cool gelackt

Das Interieur gibt sich cool gelackt, aber auch spielerisch, mit 3-D-Effekten, die die Wände wie mit riesigen Kopfsteinen gepflastert erscheinen lassen. In Verbindung mit dem blau-rosa Lichtdesign gemahnt das an Szenerien, wie man sie aus Graphic Novels und Comic-Verfilmungen zu kennen meint. Jeden Moment, so scheint es, wird Jessica Rabbit ihren Auftritt haben.

Einstweilen mögen sich die meisten Gäste noch zum Sehen und Gesehenwerden hier drängen (merke: nur die Kellner tragen Krawatte). Man kann sich und den mutigen Betreibern nur wünschen, dass die knapp 300 Sitzplätze in Zukunft auch der Musik wegen gefüllt werden. Der Stadt würde eine funktionierende Adresse dieses Zuschnitts guttun. Verbesserungsfähig ist die Beleuchtung: Einstweilen sieht man in dem farbigen Licht reichlich blass aus, dafür leuchten die auf die Tische gerichteten Spots jeden Fingertapser auf Tellern und Besteck wie unterm Elektronenmikroskop aus.

Erwachsenes Essen

Die Drinks sind jetzt schon mehr als beachtlich, auch die Küche unter Ex-Gerer-Souschef Alexander Kumptner schlägt sich über weite Strecken wacker. Immerhin geht es hier nicht um abgestandene Massenmenüs à la Palazzo, sondern um richtig erwachsenes Essen, das einem verwöhnten Publikum zur kulinarischen Unterhaltung gereichen soll - bei 300 Gästen eine echte Herausforderung.

Die Karte ist angenehm klein und setzt sich aus Gerer-Klassikern wie Vitello Tonnato mit rohem Thun oder Kalbsbackerln mit Polenta (auf wunderbar gallertige Art saftig und zart!) zusammen. Dass die gekonnt abgeschmeckte Hummersuppe mit einer Einlage serviert wird, die aus Flummi geschnitzt zu sein scheint, ist wohl dem Extrastress der ersten Tage geschuldet. Dasselbe gilt für die leider noch etwas laschen Steaks, die wirken, als ob sie in der Warmhaltesauna vergessen wurden.

Airport-Aquarien

Viel besser und auf klassische Gerer-Manier kombiniert: der Zander (wirklich vom Neusiedler See?) auf hoch würzigem Ochsenschleppragout. Nur bei den Desserts, speziell der Schokotorte, die auf einem mit breiter Bremsspur recht unglücklich dekorierten Teller serviert wird, kommt Palazzo-Stimmung auf.

Neben einer Raucherbar beim Klo, die nicht nur deshalb, sondern auch ob der Luftqualität an die gewissen Airport-Aquarien erinnert, gibt es auch eine richtig noble Zigarrenlounge. Die ist nur durch eine kleine, verschlossene Tür zugänglich, wirkt wie ein hochexklusives Speakeasy und ist den echt tollen Gästen vorbehalten: Jenen nämlich, die eine Mitgliedschaft angeboten bekommen und auch bereit sind, sich das eine sehr runde Summe kosten zu lassen. Das Geld, so die Sunshiner, wird karitativen Zwecken gespendet. In diesem Sinne: Trinkt und tut Gutes! (Severin Corti/Der Standard/rondo/23/12/2011)

Albertinapassage
Opernring Ecke Operngasse
1010 Wien
Tel.: 01/512 08 13
Di-Sa 17-4 Uhr (ab 1 Uhr verkleinerte Speisekarte)
VS € 7-22, HS € 24-38, Musikgedeck € 5 pro Person

Foto: Gerhard Wasserbauer

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
1 2
ela vie
26
27.12.2011, 13:48

bei den meisten postern frag ich mich, warum sie diesen artikel gelesen haben, wenn sie mit lifestyle sowieso nichts am hut haben. eigenartig, das ist wie wenn ein veganer sich ins steakhaus setzt und völlig verwundert über das speisenangebot ist.

Angelika70
31
27.12.2011, 09:34

Uninteressantes Lokal, dieser Beschreibung nach.

coldturkey
110
25.12.2011, 23:25

Wer unbedingt so etwas wie Szene- bzw. Eventgastronomie braucht, wo sich dann die peinlichen Wiener B-, C-, D- bis Z-Promis herumtreiben und wichtig fühlen dürfen, soll mit dem Lokal glücklich werden. Für alle anderen ist es so entbehrlich wie ein Kropf.

Herbert Reinsch
01
28.12.2011, 09:17

also ab und zu in die passage zu gehen ist ganz witzig.
nun gibt´s halt noch ein "underground" lokal, warum nicht. man muss ja nicht dauernd dort herumhängen, aber eine alternative zu den alteingesessenen fadesse-lokalen wie dem marchfelderhof (dort sind tatsächlich die c-promis unterwegs) ist diese neue location sicherlich. und die jungs vom betreiber sunshine sind wenigstens innovativ.

sirnicha
10
27.12.2011, 15:30
hallo z-promi, wie gehts?

Chukche
01
25.12.2011, 22:58

Ambitionierte Clubgastronomie wäre dieses: Jeder Erdapfelscheibe ihr eigenes Schälchen!

echt1
02
25.12.2011, 16:59

ich finde sehr mutig, gerade in diesen wirtschaftlich nicht geraden leichten zeiten ein lokal mit einem für wien neuem konzept aufzumachen und darüberhinaus noch auf einem derat preislich hohen nievau. ich wünsche den betreibern das beste, glaube aber, das wien ganz einfach nicht das richtige pflaster für dieses lokal ist. ja, es wird in der ballsaison manchmal sehr gut besucht sein, aber davon allein wird man die hohen kosten nicht erwirtschaften können. da braucht man doch die masse und die wird dieses lokal nicht oft besuchen. ähnliches konzept, phönix club, auch nicht wirklich der renner geworden.aber ich lass mich gerne überraschen.

bussi1
01
agree

in 18 Monaten pleite

sirnicha
10
27.12.2011, 15:31
echt1 - weaner raunzer

Ihr Beitrag wird in Kürze veröffentlicht
03
24.12.2011, 22:25
danke

für den eminent wichtigen artikel, aber ich wäre auch so nicht auf die idee gekommen, diese lokalität zu besuchen. jetzt noch weniger.

trugschlusskadenz
00
24.12.2011, 16:14
kellner tragen krawatte?

aha.
(ist das mascherl heutzutage out?)

Lappe ohne Rentier
01
28.12.2011, 21:10
Anm: ist in Pension gegangen, aber intrigiert immer noch gegen die Welt, nicht aber gegen Gott...

Herzelichst
Ihr Lappe

der_Mann_von_der_Straße
 
08
24.12.2011, 00:26

HS: €24 - 38
Das Foto sieht nach einem Mensa Menü um €5 aus!

Typisch Wiener Szenegastronomie. I warad gern und bin ned.

ECK
01
24.12.2011, 11:58

also nicht, dass mich das Lokal oder fancy dining ueberhaupt so interessiert, aber die Mensen bei uns (und oft auch im viel gelobten Schland) sind wirklich zum fuerchten

Ar Mutschgerl
515
23.12.2011, 20:30
"Betreiber von Sunshine (Passage, Superfly FM ...)"

Oder mit anderen Worten: Das neue Stammlokal der Pelinkas und Straches dieser Stadt.

warren buffett
00
Strache

Hab ich nicht gesehen, die rote Brut - Pelinka & Co heute schon ....

pardon!
55
24.12.2011, 18:55

was beabsichtigen sie mit dem topfen-posting? sunshine in die ecke von strache rücken? erstaunlich, dass man für so was jede menge gründe stricherl kriegt. nein, bin's ihnen nicht neidig, nur verblüfft.

Christian Peter1
 
31
27.12.2011, 13:18
Gutmenschen

Nur mehr ÖVP/SPÖ sind noch schlimmer als diese FPÖ.

Wer das nicht kapiert, hat von Politik noch gar nichts verstanden

pardon!
52
25.12.2011, 01:25

toll. und das beweist was? dass man sich als veranstalter nicht immer aussuchen kann, wer da rein kommt? sollten sie etwas googlen können, das beweist, dass hc dort aiuf der gästeliste war, sind wir wieder im geschäft.

Schnabeltierfresser
17
25.12.2011, 12:02
Beweist gar nicht,

ist aber ein ordentliches Indiz für das Eintrefen der Aussage "Das neue Stammlokal der Pelinkas und Straches dieser Stadt" von Ar Mutschgerl.

Niemand hat Sunshine in die Ecke von Strache gerückt, lassen Sie Sich nicht so leicht verfolgen. Maximal könnte man Strache in die Ecke von Sunshine rücken. ;)

Neuer Nick neues Glück
212
24.12.2011, 21:01

Ach Gott, dass die Leute heute selbst einfache Postings nicht mehr verstehen...
Der Poster wird gemeint haben, dass sich da die Ungustln der Stadt treffen werden, gleich welcher Couleur.

Daniel Dillinger
 
02
27.12.2011, 22:31

Faygmann geht in so ein Lokal?

Lappe ohne Rentier
00
28.12.2011, 21:11
Der ist...

...schon zu alt dafür...

Herzelichst
Ihr Lappe

woody999
21
25.12.2011, 11:33
sinnerfassendes lesen ohne gleich die eigene interpretation reinzumischen ist halt nicht so einfach

;-)

Kommentar posten
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