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Gezeigt wurden Objekte, die sich an genetischen Codes ebenso orientieren wie die letzten Arbeiten eines Ettore Sottsass. Sandra Pfeifer war vor Ort
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Grund zum Feiern gab es diesmal gleich mehrere auf der Messe am Südzipfel Floridas. Die Messe Art-Basel-Miami-Beach feierte ihr zehntes Jubiläum, und die seit Februar amtierende Marianne Goebl, eine gebürtige Wienerin, gab ihr Miami-Debüt als Direktorin der drei Jahre jüngeren Designmesse. Darüber hinaus hatte es durchaus den Anschein, als wollten sich die Sammler einen Urlaub von der Krise nehmen. Die Amerikaner langten kräftig in die Tasche - die Verkaufsstatistik kann sich sehen lassen. Insgesamt kamen 29.000 Gäste, darunter zahlreiche Prominenz. Im Vergleich zum Vorjahr zeigten fast doppelt so viele Aussteller ihr Programm.
Mit knapp über 30 Ständen mutete der Rundgang im Designzelt wesentlich angenehmer als die Wühltour durch das Gelage von mehr als 260 Kunstanbietern im gegenüberliegenden Convention Center. Auf begeisterten Zuspruch stieß die Entscheidung der Design-Veranstalter, den Ausstellungsbereich als einen Raum zu präsentieren. Dadurch entstand ein atmosphärischer Gesamtüberblick über die Messe, die im Zeichen der Zusammenkunft neuer Materialien und alter Produktionsweisen im zeitgenössischen Design stand.
Low-Tech
Als einer der Favoriten, ausgewählt von internationalen Kuratoren und Direktoren, galt der rote Fauteuil Bridge FB11 Bürostuhl und der legendäre Tisch aus Faltstahl und Marmor des französischen Großmeisters Jean Prouvé (1901-1984). Neben den Pariser Galerien Patrick Seguin, Jousse Enterprise oder Galerie Downtown hatte auch die New Yorker Galerie Magen H. Prouvé im Programm. Sechs Sessel aus Holz (Jahrgang 1945) zum Beispiel gingen für circa 85.000 US-Dollar über die Messe-Budel.
Ähnlichen "Low-Tech"-Charakter wie manches von Prouvé besitzen die Objekte vom ersten Design-Miami-Vertreter Südafrikas, Gregor Jenkin. Visuell setzte er sich mit seiner Arbeit "Migrant/Migrate", angelehnt an die in Afrika lebenden Gnus, deutlich von seinen Zeitgenossen ab. Gespannt fragt man sich, wie sich ein Herdentier, das auf seinen Vorderläufen kniet, so als ob es Wasser trinkt, als Esstisch in Szene setzen lässt. Mehr als ausgefeilte Konzepte reizen den Designer dabei gut durchdachte Konstruktionsverfahren und die ständig neue Erforschung seines Lieblingsmaterials Stahl.
Blubbernde Spinnennetze
Die New Yorker Galerie Moss - mittlerweile Messeveteran - zeigte zukunftsweisende, Computergenerierte Arbeiten aus der Versuchsreihe des Pratt Professors Haresh Lalvani. Dieser versucht seit mittlerweile 30 Jahren durch Festlegung eines morphologischen Chromosomensatzes den Prinzipien natürlicher und künstlicher Formen auf den Grund zu gehen. Was sich spannend anhört, sieht aus, als ob Fische neuerdings Spinnennetze blubbern, die mitunter zu Ornamenten auf Tellern werden.
Sebastian Errazuriz, das Aushängeschild der New Yorker Galerie Cristina Grajales, hatte wieder einmal das Schmunzeln im Gepäck. Nach seinem im Vorjahr präsentierten, skurrilen Stachelschwein-Schrank (aus schwarzen Holzlatten, die sich einzeln nach oben oder zur Seite hin öffnen), zeigte er mit seiner neuen Arbeit, dass man seinen ehemaligen Professor von der New York University durchaus dazu bringen kann, als Nacktmodell zu posieren.
Gemäß seinem bestimmenden Interesse an "Leben und Tod" wirkt der schwarz lackierte Walnuss-Couchtisch mit Glasplatte wie ein Schneewittchensarg. Er birgt vier flache Schubladen, die Selbstporträts von besagtem Künstler-Mentor Ross Bleckner enthalten. Auf der untersten Lade serviert sich dieser dann nackig. Nicht vollständig jedoch, wie man sich das als "europäischer Kunsttourist" erwartet hätte.
Nackte Tatsachen
Zur diesjährigen Design-Performance lud Messesponsor Fendi, auch Swarovski und Audi fördern die Messe, zwei Berliner Talente ein: Designerin Elisa Strozyk und Künstler Sebastian Neeb. Sie sollten mit exquisiten Ledermaterial von Fendi "des Kaisers neue Kleider" spielen. Das zur Verfügung gestellte Ensemble waren barocke Möbel aus dem 18. Jahrhundert. Stilvoll inszeniert, tanzten diese dann in ihrem neuen Gewand an fast unsichtbaren Fäden wie Marionetten in der Luft.
Zwischenweltliches vermittelten die "Kachina" Glas- und Keramikvasen des großen Ettore Sottsass. Intuitive, traumähnliche Formen, zu denen er sich vom Ahnentanz der Hopi-Indianer inspirieren ließ, bei dem Kachina, Geister der Vorfahren, die Wünsche der Menschen an höhere Mächte übermittelten. Die zwischen 2004 und 2005 entstandenen Objekte sind die letzten Arbeiten von Sottsass vor seinem Ableben.
Vermittlung
Man darf sich unter Marianne Goebls Leitung einige Veränderungen erwarten. Mit einer weniger "eklektischen" Herangehensweise als ihre Vorgängerin will sie ihr Augenmerk auf den verstärkten Einbezug der Vermittlung von Designgeschichte legen. In diesem Sinne sind mehr Soloshows angedacht, die einen besseren Einblick in das Schaffen einzelner Gestalter gewähren sollen. So wie jene der Galerie Demisch Danand, die den experimentierfreudigen, französischen Designer Pierre Paulin (1927-2009) zum Thema hat.
Unterm Strich macht die Messe klar, dass das Interesse an Designpräsentationen auch in diesem Jahr einen kräftigen Wachstumsschub erfahren durfte und die Design Miami längst nicht mehr auf die Strahlpower der Kunstmesse angewiesen ist. Offen blieb jedoch, ob es auch für das im nächsten Jahr angekündigte, dritte Standbein der Art Basel Messe in Hongkong ein paralleles Design-Event geben wird. www.designmiami.com (Der Standard/rondo/23/12/2011)
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