Zeitmaschine auf Hufen

Der Architekt Jean Nouvel baute den Pferdchen eines frisch restaurierten Karussells aus dem Jahre 1922 einen gläsernen Stall in New York

Die Kinder strahlen beim Ringelreiten auf "Jane's Carousel" im Brooklyn Bridge Park wie Honigkuchenpferdchen. Besonders in der Weihnachtszeit können sich auch Erwachsene dem Charme dieser Zeitmaschine nur schwer entziehen. Deshalb gehören die 48 akribisch restaurierten Pferdchen und zwei Karren auch beschützt, wofür man keinen Geringeren als den französische Architekten Jean Nouvel mit aufs Karussell holen konnte.

Eingebettet zwischen der Manhattan und der Brooklyn Bridge im Künstlerviertel Dumbo, bewirkt die aus Akrylglas bestehende Struktur einen wundersamen Zerreffekt der umliegenden New Yorker Skyline. Gleiches trifft auch auf die Sicht von außen nach innen zu. Meister Nouvel sieht in diesem ephemeren Zwischenreich die Phantasie. Das Karussell ist ein Geschenk des Immobilienmoguls David Walentas an die New Yorker Stadtbürger.

Wie alles begann

Er und seine Frau Jane haben das 1922 gebaute Karusell dem Idora Vergnügungspark in Ohio abgekauft. Dieser musste nach knapp hundert Jahren in Folge eines großen Feuers 1984 seine Pforten für immer schließen. Seit damals hat Jane Walentas daran gearbeitet, die guten Stücke wieder originaltreu herzustellen. Dabei hat sie Ideenreichtum bei der Expertise bewiesen: Für die kniffelige Aufgabe, die Streifen am Zaum der Pferde mit freier Hand zu malen, kam die Erfahrung von Paint-Striping-Spezialisten eines großen Automobilkonzerns zum Einsatz. Selbstredend wurde in Abweichung vom Original auf billige Imitate verzichtet. Was früher lediglich goldene Farbe war, ist nun von Blattgold bedeckt.

New Yorks ältestes Karussell dreht sich übrigens im Central Park. Eröffnet 1871, wurde es anfänglich von einem Esel und einem Pferd betrieben, die man unsichtbar für Besucher in einer Kammer unterhalb der Attraktion versteckte. Von diesem Ringelspiel hat sich angeblich auch der Luxusjuwelier Tiffany angeblich für seine weihnachtliche Schaufenster inspirieren lassen. (Sandra Pfeifer/Der Standard/rondo/16/12/2011)

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