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Auf den Monitoren des "Digital Garden" des Nobel-Friedenszentrums in Oslo werden alle Preisträger des Friedensnobelpreises vorgestellt.

Der Londoner Shootingstar und "Designer of the year" David Adjaye.

Skulptur, Geldanlage oder doch Möbelobjekt? Adjayes Werk ist komplex und lässt viele Interpretationen zu, wie das "Type IV Galilee wood 1" unter Beweis stellt.

Objekte aus ägyptischem Granit wie, "Type III Luxor Stone 2"...

...oder "Type II Petra Stone 3".
Die Unterhosen kommen in Grün, mit stilisierten Feigenblättern, die später auch ganz real wuchern sollen. Für jede zwanzigste verkaufte Unterwäsche, die David Adjaye vor kurzem entworfen hat, will der Hersteller "Pact" ein Bäumchen pflanzen. Gut so. Bäume aufstellen sollen auch die Bewohner des ambitionierten Projekts Msheireb, einem Eco-Viertel in Doha, Katar. Geht es nach dem Masterplan des David Adjaye, dann kommen dazu wohl nur Palmen infrage. Der Londoner Architekt spürt hier mittels der Synthese von modernen Strukturen und traditionellen Wurzeln einer neuen Spielart regionaler Apartment-Bauweisen nach.
Von der Stadtplanung in die Slips und retour: Fast selbstverständlich wechselt man zwischen Mikro- zur Makroebene, sobald die Rede auf Adjaye kommt. Und Letzteres geschieht zunehmend häufiger. Denn selbst dann, wenn man die architektonischen Erfolge des Londoner Shooting Stars kurz außer Acht lässt, den jüngsten Auftrag zum Redesign des Smithsonian National Museum of African American Culture and History (NMAACH) geflissentlich übersieht, treten erstaunlich vielfältige Facetten eines Gesamtwerks in den Vordergrund.
Dann tauchen Möbelobjekte auf, die Adjaye, der Büros in London und Berlin unterhält, für die Londoner Albion-Galerie entwickelt hatte. Es sind kühl-distanzierte Objekte aus Walnuss oder aus exklusivem ägyptischem Granit, die ein wenig an die skulpturale Qualität eines Isamu Noguchi denken lassen, aber auch an jene rätselhaften Prismen, die Scifi-Helden in postapokalyptischen Gefilden zu finden pflegen - als verschlüsselte Grußbotschaft aus einer weit entfernten Zivilisation.
Ausstellungsarchitektur
Adjaye, der seit jeher ein besonderes Augenmerk auf den sozialen Aspekt seiner Arbeit legt, dürfte mit solch einer Interpretation seiner minimalistisch gestalteten "Monoform"-Kollektion vermutlich Probleme haben - während sich potenzielle Hersteller nicht so recht darauf verständigen können, was mit diesen Entwürfen nun geschehen mag: Miniauflage für Betuchte? Wohnobjekt? Für Adjaye, der am Londoner Royal College of Art studierte, um anschließend beim legendären David Chipperfield Berufspraxis zu sammeln, ist beides keine Option, während sich die Bewunderer des David Adjaye anderen Aspekten zuwenden können.
Vielgerühmte Beispiele in Sachen Ausstellungsarchitektur, darunter im Rahmen der Biennale Venedig und in Zusammenarbeit mit den Künstlern Olafur Eliasson und Chris Ofili, fallen in diese Kategorie. Und nicht zu vergessen: Adjayes eigenes Fotoprojekt Urban Africa, das prompt ins Design Museum London wanderte und soeben um die Welt. Gekreist ist auch Adjaye selbst. Ganze zehn Jahre hatte er sich Zeit gelassen, um die urbane Architektur afrikanischer Städte per Kamera zu fokussieren, und das natürlich im globalen Kontext. Doch auch vom Auge des Architekten hinter der Linse soll jetzt nicht die Rede sein. Denn David Adjaye, der schillernde Vertreter der jüngeren Londoner Architektenriege, der mit dem schwarz angestrichenem Londoner Lagerschuppen-Projekt "Dirty House" den Durchbruch schaffte, wurde dieser Tage und anlässlich der heurigen Design Miami nicht für sein architektonisches Werk ausgezeichnet, sondern als "Designer of the year".
Grenzen, um wirklich gut zu sein
Man könnte die Auszeichnung, die 2010 den Deutschen Konstantin Grcic schmückte, mit dem erweiterten anglo-amerikanischen Verständnis hinsichtlich des Wortes "Design" in Verbindung bringen. Besser aber mit einer Biografie, die auch in Zukunft Spannendes erwarten lässt. Offenheit als Resultat einer Existenz, die ihre Sprache und ihre Inhalte ohne tiefgreifende Verwurzelung gefunden hat - auch so lässt sich der Arbeitsansatz des David Adjaye lesen. Geboren im tansanischen Daressalam, als Sohn eines ghanaischen Diplomaten, aufgewachsen in Ägypten, im Jemen, im Libanon, schließlich in London - kein Wunder, dass der heute 45-Jährige seinen Eltern die damit verbundene Wurzellosigkeit oft vorgeworfen hatte. Christ im Islam, Afrikaner im weißen London. "Vielleicht hat mich das immun gemacht gegen Dogmen", sagt der Wahl-Londoner heute dazu.
Offen ist auch "Genesis", der als Besucherschleuse gedachte Pavillon der Design Miami: hunderte vertikal verlaufende Bretter, die im Inneren der dreiseitigen Struktur in organisch gestaltete Sitzbereiche übergehen und nach oben hin den Raum öffnen. Fast wie unterm Baobab und dem dazugehörigen offenen Himmel, möchte man meinen. Aber eben nur fast. Denn romantisierende Ethno-Attitüden verbieten sich hier ganz von selbst, der rauen, fast höhlenähnlichen Anmutung zum Trotz. Eher schon könnte man von einem überdimensionierten Möbel mit stringent architektonischen Bezügen sprechen, und von einem Werk, das alles beinhaltet, was ein gleichermaßen schützendes wie offenes Objekt ausmacht. Und mehr noch als das: "Generell brauche ich Grenzen, um wirklich gut zu sein", sagte der "Designer of the year" einmal. Von Adjaye verschoben, öffnen diese neuen Lebensraum. (Der Standard/rondo/16/12/2011)
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