Vollmond

  • Zwischen zu- und abnehmendem Mond steht der Vollmond prächtig am Himmel, und das bereitet dem Mondgärtner Sorgen.
    foto: apa/michael chow

    Zwischen zu- und abnehmendem Mond steht der Vollmond prächtig am Himmel, und das bereitet dem Mondgärtner Sorgen.

Mit der Spezies der sogenannten Mondgartler und ihrem Ratgeber am Firmament beschäftigt sich Gregor Fauma

Nun ist es früh dunkel und nicht lange hell. Das Schöne am Dunklen ist aber das Helle, und wir konnten uns am Wochenende am Vollmond erfreuen. Vollmond bedeutet nicht nur, dass die Haare hinter den Ohren dichter und krauser werden und die Nägel rasant zu Krallen anwachsen, nein, Vollmond hat auch für lunar angehauchte Garten-Esoteriker wesentliche Bedeutung. Denn Mondgartler sind der Überzeugung, dass nicht nur die Meere vom Mond beeinflusst würden, was auch ausgeschlafene Wissenschafter bestätigen können, sondern dass sämtliche Flüssigkeiten auf Vater Erde seiner Anziehungskraft erlägen.

Da könnte schon etwas dran sein. Schließlich zieht nicht nur das Wasser in Form der Flut seine mondgesteuerten Bahnen, auch die pure Scholle rollt wie eine vierzig Zentimeter hohe Teppichfalte über den Planeten. Das kann sie, die Mond (wie die Italiener sagen). Dafür verantwortlich ist des Mondes Position am Himmel. Der Mondzyklus dauert nicht ganz dreißig Tage und ist für alles am Licht Lebende ein wichtiger Zeitgeber.

Einlagerungsmethoden

Die Mondgartler sehen in der Zunahme und Abnahme der fahlen Scheibe jeweils einen ganz klaren Auftrag. Bei zunehmendem Mond drängten die Pflanzensäfte hin zur überirdischen Peripherie, hinein in die Blüten und Früchte. Zu diesem Zeitpunkt böte sich die Ernte an, sagt der Mondkalender. Bei abnehmendem Mond würden die Säfte der Pflanzen hingegen Richtung Erdmitte drängen, weg von den Spitzen der Triebe, hin zu den Spitzen der Wurzeln und hin zu den unterirdischen Speicherorganen. In dieser Mondphase soll man jene Pflanzen ernten, die zum dauerhaften Einlagern geeignet sind.

Wobei hier an eher mittelalterliche Einlagerungsmethoden gedacht werden muss, denn moderne Eiskästen mit ihren Null-Grad-Zonen konservieren selbst die schnellst verwelkenden Gemüse für viele Wochen, als ob sie tagfrisch geerntet worden seien. Aber sei es drum, lagern wir halt Rüben und Knollen zu abnehmenden Mond ein. Wird schon nichts passieren. Zwischen zu- und abnehmendem Mond steht der Vollmond prächtig am Himmel, und das bereitet dem Mondgärtner Sorgen. Denn zu diesem Zeitpunkt gleichen einander die Kräfte des Mondes aus, es steht unentschieden, und den Pflanzen zugefügte Wunden würden schlecht heilen. Also Finger weg von der Gartenschere und Säge, wenn die Nacht auch noch so helle ist. Dieses Licht kann man nützen und sich ans Düngen machen, denn dies würde durch den Vollmond begünstigt funktionieren, die Nährstoffe würden besonders gut aufgenommen werden.

Pflege, Wundheilung, Rückschnitt

Ist es nächtens zappenduster, so kann man auf Neumond schließen und bräuchte gar nicht erst an das Säen des Samens zu denken. Jetzt dürfen die Mondgartler endlich ihre Pflanzen hätscherln und pflegen, denn Neumond bedeutete Beginn, Pflege, Wundheilung, Rückschnitt und Schädlingsbekämpfung. Ob Mondgarteln nun esoterischer Humbug, wissenschaftlich firm oder interplanetar anerkannt ist, spielt wenig Rolle. Es scheint einfach Menschen zu geben, die klare Richtlinien brauchen, die nicht allein durch die Tür finden und froh sind, dass es immer jemanden am Firmament gibt, der ihnen sagt, was zu tun ist. Und sich in diese Sicherheit zu betten ist auch kein Fehler. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/09/12/2011)

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