Schnupfen ade!

  • Ist der Husten immer noch lästig, so hilft der gute Spitzwegerich.
Foto: pixelio.de/Cornerstone 
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    Ist der Husten immer noch lästig, so hilft der gute Spitzwegerich.

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Über die Kraft der Kräuterhexen und ihre Heilmittel aus dem Garten räsoniert Gregor Fauma

Im Buch Balezethem (3. Vers von links) sagt es Hephaistinho ganz klar heraus: Tropft das Gold vom Rüssel, lege Salbei in die Schüssel. Hephaistinho war damit der erste schriftlich festgehaltene Kräuterhex und war mit seinem Wissen über die Wirkung diverser Pflanzen Grundstein für eine damals neue Bewegung, die der Kräuterhexen.

Die Zahl der Kräuterhexen hat trotz intensiver Bemühungen, speziell im Mittelalter, nicht ab-, sondern zugenommen. Heute heißen sie jedoch nicht mehr Hexen, fliegen auch nicht mehr auf Besen durch die Lüfte, sondern radeln auf ihren gebraucht gekauften Klapprädern beseelt lächelnd durch die Stadt und nennen sich Esoteriker, Homöopathen oder Kräuterpfarrer. Und nicht jeder, über den man gerne einmal milde lächelt, hat unrecht.

Es gibt tatsächlich eine Fülle an Pflanzen, die bei Erkältungskrankheiten Linderung bringen können - so zum Bei- spiel gleich die namensgebende Linde. Weit verbreitet, wunderbar duftend und schön anzusehen, schenkt sie uns ihre Blüten, um bei Fieber oder grippalen Infekten den Schwitz zu fördern und den Schweiß zu treiben. Sie macht das in Form von Lindenblütentee, der darüber hi- naus auch noch schleimlösend und leicht entzündungshemmend wirkt.

Salbei

Kratzt der Hals, oder ist er gar leicht entzündet, so setzt der kränkelnde Gartler ein paar Schritte ins Beet und rupft sich einige Blätter Salbeis. Denn Salbei, und das sagt uns bereits sein Name, der vom lateinischen salvare, retten/heilen, kommt, hilft nahezu gegen alles, von zu viel Buh über Rheuma bis zu Wechselbeschwerden und Schweißfuß, warum also auch nicht gegen Halsweh?

Und ganz ehrlich, wenn man Schweißfüße und Halsweh gleichzeitig behandeln kann, so hat das schon sein Gutes. Man trinkt dazu einen Salbeitee, und was davon überbleibt, leert man sich über die Zecherln - und gut ist. Der Klassiker schlechthin unter den Heilpflanzen ist der Sonnenhut Echinacea purpurea. Dabei scheint weniger die humorale Immunstimulation im Vordergrund zu stehen, sondern die unspezifische Infektionsblockade gegenüber Viren und Bakterien sowie eine beschwerdelindernde Modulation von überschießenden Entzündungsreaktionen. Das konnte Stephan Pleschka, Virologe an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, zeigen. Aber selbst wenn der Sonnenhut satt im Garten steht, ist man besser mit in Apotheken erhältlichen Echinacea-Produkten beraten.

Spitzwegerich

Ist der Husten nun immer noch lästig, so hilft der gute Spitzwegerich. An und für sich wächst der eh überall, speziell an Wegrändern oder Beetgrenzen, man braucht ihn in der Regel nicht zu setzen. Seine Blätter lösen als Tee den zähen Schleim im Hals und wirken leicht entzündungshemmend, verdauungsfördernd und Stoffwechsel anregend. Denn eines darf man nie vergessen: Wenn's Orscherl brummt, is' Herzerl g'sund. Mein persönlicher Favorit unter den verkühlungs-bekämpfenden Heilpflanzen ist hingegen der Meerrettich, Cochlearia armoracia, auch Kren genannt. Seine Wirkstoffe helfen gegen Infektionskrankheiten, lindern Schmerzen und stemmen sich gegen Grippeerreger. Als Kur sollte man ihn zwei Wochen lang, täglich in der Früh und am Abend, jeweils einen Teelöffel voll, frisch gerieben zu sich nehmen. Dann wird alles gut. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum bei uns zu Hause der Rote-Rüben-Salat eingelegt wurde, und das mit reichlich frisch geriebenem Kren.

Ich selbst bin ein Verfechter von Kling und Klang, achte darauf, den Körper ebenso zu füttern wie die Seele und lebe daher nach dem Mens-sana-in-campari-soda-Prinzip. Um mir den Weg zur Apotheke zu ersparen, gehe ich zum Würschtlinger, ordere Leberkäse vom Pferd mit einem Krokodil dazu und jeder Menge frisch gerissenen Krens darüber - so kommt man auch durch den Winter. (Gregor Fauma/Der Standard/Rondo/02/12/2011)

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