Das rockt den Schnee

  • "Bent Chetler" nennt sich ein "Powder Rocker" aus dem Hause Atomic.
    foto: hersteller

    "Bent Chetler" nennt sich ein "Powder Rocker" aus dem Hause Atomic.

Man mag es kaum glauben, aber die Skier werden wieder länger - Warum die neuen Bretter namens Rocker dennoch leichter drehen sollen denn je, erklärt Thomas Rottenberg

Dass man das Rad nicht ständig neu erfinden kann, gilt als eines der größten Dilemmata der Marketingbranche. Aber zum Glück sind Skier nicht rund - und so bietet sich alle paar Jahre die Chance, zumindest in diesem Segment der (Fort-)Bewegung Neues zu präsentieren: Versprach vor einigen Jahren die Carver-Technologie ein gänzlich neues, unkompliziertes und fast müheloses Fahr- und Schwingerlebnis, drängt diese Saison wieder eine neue Ski-Form auf den Markt: "Rocker" lautet das Zauberwort - und nach der Carver-Doktrin "Kurz ist gut" werden die Bretter nun - Überraschung! - wieder lang. Und sollen dennoch leichter drehen denn je.

Dass das funktioniert, wissen vor allem Off-Piste-Fahrer schon seit einigen Jahren: Grob vereinfacht gesagt, ist ein "Rocker" so aufgebaut, dass sich der vordere Teil dann, wenn in der Mitte Druck auf den Ski ausgeübt wird, nach oben biegt. So greift auch die Kante erst viel weiter hinten. Fazit: "Flach" aufgesetzt zieht es die Skispitze im Tiefschnee nach oben - der Ski "schwimmt" auf. Und in der Kurve verschneidet man weniger leicht.

Rocken und carven

Im Freeride-Bereich sieht man dem Rocker den Rocker (falls der Fahrer nicht bis zur Hüfte im Powder steckt) an: Auf einer Länge von bis zu 30 Zentimetern zieht es den Ski da vorne, manchmal auch hinten, bis zu drei Zentimeter in die Höhe. Weil aber ein kürzerer Ski überall besser dreht, werden nun auch bieder-alpine Pistenfahrer zu "wilden" Rockern. Obwohl "wild" relativ ist: "Pistenskier", erklärt Chris Maierhofer von Atomic, "heben sich nur ein paar Millimeter. Die Kante ist dennoch deutlich kürzer."

Das Potenzial haben mittlerweile alle Hersteller erkannt - und setzten heuer auch im Massenmarkt auf den zugleich langen und kurzen Ski: "In dieser Saison werden rund ein Drittel der verkauften Ski Rocker sein", erklärt Florian Grösswang, Geschäftsführer der Sporthandelskette Eybl. Mittelfristig werden dann "mehr als 50 Prozent" Rocker-Schaufeln haben. Atomic-Marketingmann Maierhofer spricht langfristig sogar von 100 Prozent. "Wie bei den Carvern - heute ist jeder Ski ein Carvingski." Gleichzeitig zu rocken und zu carven "ist kein Widerspruch."

Den Ursprung der hohen Nase verorten Wintersportler meist im Snowboardbereich. Das stimmt nur bedingt. Maierhofer, der als Boarder-Profi acht Jahre unter den Top Five der Weltranglisten war, verweist auf die Surfszene der 1950er-Jahre: "Da waren die Boards flach. Bügelbretter. Als man begann, steile Wellen zu surfen, musste man sich was einfallen lassen, um nicht ständig einzufädeln."

Noch weiter zurück blickt Paul Jamieson, einer der Köpfe des aus Neuseeland stammenden, in England ansässigen, auf "fette" Offpiste-Bretter spezialisierten Labels Whitedot: "Die Spuren lassen sich über 1000 Jahre zurückverfolgen - bis nach Sibirien." Um aus hochgebogenen Ästen am Fuß aber auch in tiefem Pulver spaßbringende Skier zu machen, fügt er hinzu, "braucht man dann schon Technik und Know-How."

Playing in the snow

Das Resultat sind jene Bilder, von denen der Wintertourismus heute lebt. Bilder, auf denen Profis Hänge allem Anschein nach schwerelos durchpflügen - so wie die aus Salzburg stammende Profi-Riderin Eva Walkner. Ohne die schwimmende Schaufel, gibt sie zu, wären diese im Fahrer-Neusprech "playing in the snow" genannten Bilder und Videos deutlich mühsamer und kräftezehrender: "Der Auftrieb durch die hochgezogene Spitze hilft, Kraft zu sparen. Und: Die kurze Kante verzeiht Fehler viel eher." Das hat mittlerweile auch die aufstiegsorientierte Skitourenszene erkannt, erklärt Elmar Tritscher, Verkaufsleiter der Südtiroler Marke Dynafit: "Das ist nicht bloß ein Gag." Dennoch schränkt Tritscher ein, dass der Rocker "kein Allheilmittel" ist: "Weniger effektive Kante bedeutet auch weniger Laufruhe." Dennoch eröffne der Rocker neue Welten: "Bisher war Tiefschneefahren für viele ein Ding der Unmöglichkeit."

Ins gleiche Horn stößt Christof Schett. "Früher hieß es, man solle sich im Tiefschnee nach hinten setzen. Jetzt kann man fast normal fahren", fasst der Ausbildner im Jugend-Backcountryprojekt des österreichischen Alpenvereins Risk & Fun und Veranstalter von Offpiste-Reisen zusammen - und sieht ein Phänomen von "Henne & Ei": "Der Trend geht immer noch ins Gelände. Ob da der Ski die Leute ermutigt oder die Leute solche Ski suchen, ist letztendlich egal."

Rocker wird man jedoch keineswegs vornehmlich bei guten bis sehr guten Fahrern mit starkem Drang ins Freie finden. "Das Potenzial liegt anderswo", erklärt Eybl-Chef Florian Grösswang: "Bei konditionell weniger starken Komfortskifahrern. Die haben jetzt auch noch am Nachmittag Kraft zum Skifahren." Grösswang kann die Zielgruppe auch konkreter beschreiben: "Das Segment 60+." (Thomas Rottenberg/Der Standard/rondo/02/12/2011)

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10 Postings

der rocker sieht aus wie ein pariser

Klar kommt die Rocker-Technologie von den Snowboards. Mervin Industries (Lip Tech, Gnu) hat vor ein paar Jahren damit angefangen.

das gyrator von k2 war da noch früher

Tiefschnee ...

... welcher Tiefschnee ?!
Der Artikel mag ja teilweise recht haben was die neue Rocker-Generation anbelangt, aber es ist lächerlich den Leuten zu suggerieren, noch dazu älteren Damen und Herren um die 60, dass mit nem Rocker-Ski alles leichter geht. Klar im Powder ist es ein anderes feeling, da man oben auf schwimmt, quasi wie beim Wasserskifahren, aber die Betonung liegt auf ANDERS und nicht unbedingt besser ... das ist Geschmacksache. Fakt ist wer vorher nicht fahren konnten dem ist mit einem Paar neuen Skiern um viel Geld auch nicht geholfen.

... und sind wir uns mal ehrlich, in AT sind die Tiefschneetage doch wirklich sehr rar gesät … und das ist optimistisch ausgedrückt.

ich verstehe zudem nicht dass alle immer obenauf schwimmen wollen, das geilste ist doch wennst keine Luft mehr kriegst vor lauter Schnee und alles bis zu Bauch und Brust rauf nur mehr kalt wird weils dir den schnee die ganze zeit raufhaut :-), also ich brauche keine 120 mm unter der Bindung...

Der wahre Meister zeigt sich im Bruchharsch...

ich bin zwar noch keinen ski mit rocker gefahren aber ich kann mir nicht vorstellen dass man mit dem auf der piste ordentlich gas geben kann, und beim im zerfahrenen gelände durch die schneehaufen pflügen kommt wahrscheinlich auch keine freude auf. wer im jungfräulichen tiefschnee nicht zurecht kommt hat es nicht anders verdient und sollte auf die märchenwiese...
aber: es haben schon viele über den fortschritt geschimpft und nicht recht behalten ;-)

Gas geben kannst heutzutage auf den großteils überfüllten Pisten eh nicht mehr allzuoft, ohne dass man nicht als Schirowdy klassifiziert wird. Ich habe seit dem Vorjahr von K2 Schis mit dem Rockersystem = Fahrfreude pur, leicht zu beherrschen, fehlerverzeihend, dreht superleicht, hält auch gut auf eisigen Stellen. Alles in allem: Schade, dass es dieses System nicht schon früher an Stelle der bissigen Carver gegeben hat.

welchen? wayback?

Photon, wer es noch schneller mag Rictor

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