Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Die Forderungen des aus Wien stammenden Victor J. Papanek zur Rettung des Planeten sind aktueller denn je.
"Brauchen Sie das Ding wirklich, oder hat Ihnen die Werbung eingeredet, dass sie es gern hätten?" Das war eine der Fragen, die der Design-Revoluzzer Victor J. Papanek seinen Lesern stellte. Sein in 23 Sprachen übersetztes Buch Design for the real world erschien erstmals 1970 und ist vielen Gestaltern auf der ganzen Welt heute mehr denn je eine Art heilige Schrift des Designs. Eine andere Frage lautete: "Kann nicht etwas anderes, das Sie bereits besitzen, genauso diesen Zweck erfüllen?" Klar, dass ihm die kapitalistische Welt schon damals nicht auf die Schulter klopfte. Auch Papaneks Kollegen dürften ihm die Krätze an den Hals gewünscht haben, wenn er schimpfte: "In einer Umwelt, die visuell, physisch und chemisch vermurkst ist, wäre es der größte Gefallen, den die Architekten, Industriedesigner, Planer etc. der Menschheit tun könnten, wenn sie einfach zu arbeiten aufhörten." Doch der gute Quälgeist, der 1923 in Wien geboren wurde und 1998 in Lawrence (Kansas) starb, nahm sich noch mehr Blätter nicht vor den Mund: Er meinte, es gebe zwar Berufsgruppen, die mehr Schaden anrichten als Designer, aber viele seien dies nicht.
Papanek, der an zahlreichen Universitäten lehrte, war ein Mann des Gewissens, ein Kämpfer gegen Design als Verhübschungsinstrument. Anders gesagt: Kein Designer hätte weniger in ein Coffee-Table-Book gepasst wie er. Die Lösung, oder sagen wir den richtigen Weg, sah Papanek, der 1939 mit seiner Mutter vor den Nazis nach New York floh, dann Kunst sowie Architektur studierte und ab den 1940er-Jahren bei Frank Lloyd Wright arbeitete, in einem Design, das stets ethischen, ökologischen, sozialen Grundsätzen zu folgen hat. "Den Lippenstift für eine ehrliche Hure zu entwerfen ist die eine Sache, aber ein Deodorant für ihren Zuhälter zu kreieren, die andere" - so viel dazu. Eine der größten Anforderungen sah Papanek darin, leistbare Produkte für die Mittellosen und die Dritte Welt zu entwickeln. Bekannt ist Papaneks "Tin can radio", das aus einer Getränkedose, Paraffinwachs, Draht sowie einem Docht für die Gewinnung der Energie besteht. Er entwickelte es 1965 mit George Seeger für die Dritte Welt. Kostenpunkt für das Ding: neun Cent.
Mit dem Rücken zur Wand
Heute ist klar, dass Papanek, der unter anderem auch in den Diensten der WHO oder der Unesco stand, seiner Zeit voraus und die Welt der Zeit schon damals um ein ordentliches Stück hinterher war. 1971 sagte der Gestalter, der sich ab Mitte der 1950er-Jahre am MIT auf "Engineering und Productdesign" verlegte und in New York ein eigenes Studio mit dem passenden Namen "Design Clinic" gründete: "Als sozial und moralisch engagierter Designer müssen wir uns mit den Bedürfnissen einer Welt auseinandersetzen, die mit dem Rücken zur Wand steht, während die Uhr fortwährend eine Minute vor zwölf zeigt." Fragt sich, welche Uhrzeit der Designer unserem Planeten im Jahre 2011 attestieren würde.
Ist den einen der Begriff Design an sich schon ein verschwommener, mischt sich beim Begriff Social Design auch noch das Gefühl hinzu, man müsse sein Gewissen in Gang bringen. Das könnte unbequem werden. Neben dem Stinkefinger, den Papanek der Massenkonsumgesellschaft zeigte, mag es auch an dieser Unbequemlichkeit liegen, dass er, der selbst kaum als Gestalter, sondern vielmehr als Autor Geschichte schrieb, nicht Everybody's Darling war. Für seine tiefgehenden Sticheleien wurde der Polemiker gegen den Kaufwahn von der Industrial Designers Society of America sogar ausgeschlossen, später aber als "guiding light" rehabilitiert.
Das Licht, das Papanek mit seinen Ideen wies, haben hierzulande, wo sein Name beschämenderweise noch immer weitgehend Achselzucken auslöst, bisher nur einige wenige gesehen. Nachdem sich vor einigen Jahren die Wissenschafter Martina Fineder und Thomas Geisler emsig und erfolgreich auf Papaneks Spuren machten, sollte nun die vor kurzem ins Leben gerufene Victor J. Papanek Foundation an der Universität für angewandte Kunst endgültig dafür sorgen, dass Papanek nicht nur im Gedächtnis der Designszene seinen Fixplatz bekommt.
Hoffnung bis zum Ende
Forschungsleiterin ist die Professorin für Theorie und Geschichte des Designs, Alison J. Clarke. Herzstück der Foundation sind das erworbene Archiv und die Bibliothek von Papanek. Ziel der Organisation ist es, ein Verständnis von Design aus Sicht sozialer Verantwortung zu fördern, die Macht von Design auch als Denkprozess zu kommunizieren. Clark beschreibt Papanek als einen, der dumme Gadgets hasste, auch als einen Populisten, der Design als Möglichkeit der Veränderung für eine breite Masse sah. "Papanek ging es um Systeme, um Design als Organisationsprozess, um Gestaltung als etwas sehr breites", sagt Clarke. In diesem Sinne wird die Stiftung Lesungen veranstalten, auf dem Plan stehen Symposien, es gibt einen Beirat, gut 3000 Bücher aus dem Nachlass sowie persönliche Papiere und Manuskripte. Ferner ist für 2013 eine Ausstellung im Londoner Victoria and Albert Museum geplant, die auch in Wien zu sehen sein soll.
Ob Clarke glaubt, dass Papanek angesichts der tristen Weltlage als frustrierter Mann starb, will man von ihr wissen. "Soweit ich weiß, war Papanek bis zu seinem Lebensende optimistisch. Er glaubte an die Kraft der Lehren, die er verbreitet hat, und würde bestimmt noch immer Hoffnung haben." Schaut man sich die derzeit laufende Ausstellung Design for the real world Redux (mehr dazu auf Seite 20) im Wiener Heiligenkreuzerhof an, fällt es leichter, seinen Optimismus zu teilen. Vor allem wünscht man sich, auch andere Designer wären sich ihrer Verantwortung so bewusst wie die hier ausstellenden - denn wie Papanek meint, "Design ist das mächtigste Werkzeug, das die Menschheit je besessen hat, um Produkte, die eigene Umwelt und im erweiterten Sinne auch sich selbst zu gestalten". (Michael Hausenblas/Der Standard/rondo/02/12/2011)
Link
Alles für das Rad: Zwitscherklingel, Schädelschutz, Kartenservice, Druckluft und eine Tasche für das Picknick
Die neuen Tische und Container aus Glas sind transparent, aber nicht zerbrechlich - Sie sorgen für überraschende Effekte und Durchblick, findet Heike Edelmann
Die Ausstellung "Home of the Future" im Berliner "Haus am Waldsee" zeigt, wie der Designer Werner Aisslinger die Zukunft des Wohnens sieht
Virtuelle Achsen und Diamanten: Auf der Baselworld zeigt die Branche, in welche Richtung das Uhrenjahr 2013 gehen wird
Im Design Museum London ist derzeit die Ausstellung "Design of the year 2013 Awards" zu sehen. Christian Schachinger war dort und merkte, dass nicht jeder Sessel zum Sitzen da ist
Mit gut 50 Veranstaltungen an 30 Tagen startet am Freitag in Graz der Designmonat 2013 - Michael Hausenblas hat sich umgehört, was auf die Besucher zukommt
Im Rahmen einer Sonderausstellung zeigten beim Salone in Mailand heimische Gestalter bzw. Unternehmen unter dem Titel "Austrian Design Details", was sie so draufhaben
Manche Designer widersetzen sich dem massenkombatiblen Geschmack und folgen konsequent dem eigenen Weg - Thomas Edelmann war in Mailand vor Ort
Kleinere Uhren, größere Stände, ein Ansturm der Medien und immer wieder China: Das bringt die Baselworld 2013 - Die größte Uhren- und Schmuckmesse der Welt öffnet in knapp einer Woche ihre Tore
Ob man angesichts der Tiermöbel von Chimère den Kopf schüttelt oder gleich ein Stück bestellt - heiter anzusehen ist die animalische Meublage des französischen Duos auf jeden Fall
Auf der Auftragsliste des Designers Nitzan Cohen stehen Kunden wie BMW, Diesel oder Authentics, gelernt und gearbeitet hat er bei Konstantin Grcic, und Design vergleicht er mit der Kunst eines Jongleurs - Franziska Horn hat den Gestalter in München besucht
Optische Qualität und funktionaler Anspruch sind die Maßstäbe dieser Einrichtungsgegenstände
Der Name ist gewöhnungsbedürftig: Die Mode und Accessoires des Duos "Bradaric Ohmae" gehören aber zum Spannendsten, was Wien zu bieten hat
Der Schweizer Mario Botta entwarf Gebäude wie das Museum of Modern Art in San Francisco und gestaltete Alltagsgegenstände wie Wasserflaschen - Zum 70. Geburtstag besuchte ihn Michael Marek
Die Juristen Nicole Horn und Peter Daniel arbeiten seit 15 Jahren als Designer und beschäftigen sich vor allem mit dem Raumtyp Stube - Michael Hausenblas hat sie getroffen
Claudio Luti ist Architekt und Eigentümer des Design-Unternehmens Kartell - Thomas Edelmann sprach mit ihm über den Wert von Geschichte, Ikonen und den Ruf von Kunststoff
Immer mehr Möbel fallen durch ihren skulpturalen Charakter auf - Dieser ist mehr als nur ein Stilelement
Einen auf alt machen und Nagelneues künstlich angammeln gehört bei immer mehr Möbelproduzenten zum Programm
Endlich gibt es in Wien einen Ort, an dem Designobjekte präsentiert werden, die einem sonst meist nur in Magazinen unterkommen
Die Ausstellung "Isn't it romantic?" in Köln widmet sich unter anderem einer Definition von Design - Thomas Edelmann war vor Ort
Staubsauger-Tycoon James Dyson stellte in Hamburg einen Wasserhahn vor, der auch die Hände trocknen kann - Michael Hausenblas nutzte die Gelegenheit und fragte nach
Der Mode-Großmeister Issey Miyake entwickelte mit dem italienischen Leuchtenkonzern Artemide zehn Leuchten aus ehemaligen PET-Flaschen, die aussehen wie Wolken mit Ecken und Kanten
Neuheiten für die Küche sind primär Techniken, die nach dem Kochen für Ordnung sorgen
Peter Speake-Marin steuert sein eigenes kleines Uhrenmanufaktur-Schiffchen auf der rauen See der Uhrenbranche. 2013 will er einen stabileren Kurs halten
Modernes Glas ist bruchfest, biegsam oder färbt sich auf Knopfdruck dunkel wie eine Sonnenbrille. Das verändert die Gestalt von Elektronikgeräten und das Gesicht ganzer Städte, weiß Susanne Donner.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.