Das U(h)r-Gestein

  • Roger Dubuis, der Mann, der der Uhr den Namen gab, ist wieder an Bord.
    foto: hersteller

    Roger Dubuis, der Mann, der der Uhr den Namen gab, ist wieder an Bord.

  • Excalibur in Rotgold mit Flying Tourbillon.
    foto: hersteller

    Excalibur in Rotgold mit Flying Tourbillon.

  • Die KingsQuare mit Tourbillon und auf drei Ebenen geschliffenem Saphirglas.
    foto: hersteller

    Die KingsQuare mit Tourbillon und auf drei Ebenen geschliffenem Saphirglas.

Eine Uhrenmarke lässt sich inszenieren wie ein Rockstar - Der Reload der Marke Roger Dubuis ist ein glänzendes Beispiel

Der Klang der Band ist ohnegleichen. Der Frontmann macht aus vernünftigen Frauen hysterische Hormonbomben, und zumindest ein paar von den Songs kann jeder mitsummen. Dann hat man einen Superstar. Nur: Heutzutage wachsen solche immer seltener von selbst. Die Impresarios machen Konzepte und suchen sich die notwendigen Zutaten. Und das muss so gut funktionieren, dass man den synthetisierten Star für einen in der Wolle gefärbten Rocker hält. Kommt man später drauf, dass etwa die Sex Pistols eine Erfindung und Inszenierung eines gewissen Malcolm McLaren waren, schadet's auch nicht.

In dieser Geschichte ist Georges Kern der Malcolm. Und sein Material sind nicht gegen den Strich gebürstete schmalhüftige Goldkehlchen und autistische Lead-Gitarristen, sondern Uhrwerke, Gehäuse, Produktausstrahlung und historisch untermauerte uhrmacherische Glaubwürdigkeit. Der CEO der International Watch Company (Richemont-Gruppe) zu Schaffhausen ist seit 2008 der Lenker der Manufaktur Roger Dubuis (nun ebenfalls Richemont) nahe Genf. Er stellt für Dubuis einen Reload auf die Beine - und schaltet den Verstärker auf richtig laut. Mitspieler sind: ordentlich gegen den Strich gebürstete Designs vom Planeten Testosteron; die Uhrmacherlegende Roger Dubuis, der die Manufaktur gemeinsam mit dem portugiesischen Geschäftsmann Carlos Dias 1995 gegründet hatte; das Poinçon de Genève, die begehrte Genfer Punze, die seit über 100 Jahren Qualitätsausweis für Uhrwerke ist; eine frische Uhrmachergruppe, die seit der Übernahme die technisch-konstruktiven Probleme löst.

Geist, Talent, Erfahrung

Und nun freut man sich, bekanntzugeben, dass Roger Dubuis, selbst nach seinem Abgang zum Zeitpunkt der Übernahme durch Richemont, zur Marke, die seinen Namen trägt, zurückkehrt. Die Rolle, in der er wirken wird, ist nicht allzu konturiert. An seinem Geist, seinem Talent und seinen in der Zwischenzeit gemachten Erfahrungen wolle man sich inspirieren. Der Wunsch, die Legende nach Hause holen zu wollen, ist wohl auch legitim. Dubuis, geboren 1938 in Vevey, Absolvent der Genfer Uhrmacherschule, hat vierzehn Jahre lang große Komplikationen für Patek Philippe gebaut, bevor es zur eigenen Manufaktur kam, in der ihm etwas gelang, was am variantenreichen Uhrenmarkt bis dato niemandem gelungen war: die Verknüpfung tadelloser Uhrmacherei und ungenierten Design-Overstatements, etwa in der Modellreihe Excalibur, die neben mächtigen Gehäusen über die höchste Dichte horologischer Spezialitäten wie Flying Tourbillon, Doppeltourbillon (auch in einer skelettierten Version, die so reduziert ist, dass die Komponenten zu schweben scheinen) verfügt, oder in der Reihe KingSquare, die - in den mechanischen Komplikationen auch nicht von schlechten Eltern - mit massiven Gehäusen aufwartet. Dubuis ist eine von insgesamt zwei Manufakturen, bei denen alle Kaliber die Genfer Punze tragen.

Wie Johnny Cash, der sich in der Spätphase noch einmal zu einem Album aufrafft und die Jüngeren auf seine dunkle Seite zieht, möge Roger Dubuis, der Mann, Roger Dubuis, die Marke, der neuen Generation nahebringen. Wenn es nach dem Produzenten geht. (Bettina Stimeder/Der Standard/rondo/02/12/2011)

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