Adventzauber

3. Dezember 2011, 20:34
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    foto: apa/herbert neubauer

    Sollte er je wieder freiwillig in diese Punschhüttenhölle wollen, möchte sie ihn doch bitte zwangseinweisen lassen.

Der Dichterfürst schob sich mit den Kindern noch bei Tageslicht durch Menschenmassen, die offenbar betrunken waren, weil sie zu viel Zimt inhaliert hatten

Vor einer Woche wusste der Dichterfürst noch gar nicht, dass es so etwas wie Duftkerzen gibt. Seit dem Besuch eines Christkindlmarkts verzaubert der Odem der Vanille allerdings schon drei Tage lang den glücklichsten Haushalt der Welt: Komm, süßer Tod.

Er kann sich an olfaktorisches Erlebniswohnen zwar noch aus jener fernen Zeit erinnern, in der sich die Weltjugend nicht ganz sicher war, ob sie sich in schwarze Anzüge, giftgrüne Karottenjeans oder Patschuli-Zelte kleiden sollte. Der heutige Nachwuchs hält aber Nena nicht nur für eine nett singende Oma und findet Falco ebenso gut wie die Original Piestingtaler Duttnbussler. Der Nachwuchs hört auch gern ungeniert zeitgenössischen Popperdreck wie Rihanna parallel zur Einnebelung der Bude mit Vanillekerzen.

Duftkerzen zu Hause sind allerdings nicht das eigentliche Problem. Man kann ja dagegen mit Marlboro anrauchen und sich vorwerfen lassen, dass man sterben wird, noch bevor man den Kindern zwei Reitpferde kaufen konnte. Ärgerlicher als dieses Besinnlichkeitsgestinke war der Besuch des "Adventzaubers" selbst.

Nachdem sich der Dichterfürst mit den Kindern noch bei Tageslicht durch Menschenmassen schob, die offenbar betrunken waren, weil sie zu viel Zimt inhaliert hatten, lernte er zwar, dass die Indianer gar nicht vom weißen Mann ausgerottet wurden. Sie verkaufen heute alle Silberschmuck auf Weihnachtsmärkten. Wieder zu Hause erbat er sich von der Frau aber einen Gefallen. Sollte er je wieder freiwillig in diese Punschhüttenhölle wollen, möchte sie ihn doch bitte zwangseinweisen lassen. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 02.12.2011)

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santa fe
 
00
6.12.2011, 01:22

unser leben wird deutlichst zum totalen hangover.

princess of fame
00
4.12.2011, 17:11
Besinnlichkeitsgetue

Das ganze Weihnachtsbrimborium, dem ich mich während vieler Jahre "meinem Kind zuliebe" ausgesetzt habe, hat bei mir dazu gehört, dass ich die letzten Jahre kein Weihnachtstraditionen zelebriere. Kekserln und Lebkuchen, das aber schon ab September, wenn die in den Supermärkten feilgeboten werden.
Am 24. arbeiten gehen, an einem von den zwei darauffolgenden Tagen die Eltern besuchen gehen, dem Kind ein Geschenkpackerl zusammenstellen. Und auf der Weihnachtsfeier den Kollegen beim besinnlichen Besäufnis zuschauen. Das ist mein ganzer Tribut an die Folklore. :-)
Dasselbe zu Silvester, Ostern, Muttertag.
Nur zu Geburtstagen - da wird gejubelt. :-)

princess of fame
00
4.12.2011, 17:13
Erratum

gehört = geführt
Kekserln und Lebkuchen *schon*
;-)

Markus Miller 2
01
4.12.2011, 08:37
Grossartig!

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