Pro & Kontra

Adventkalender zu früh öffnen

24. November 2011, 17:11
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    foto: der standard

    Ein Stück Schokolade ist immer zu wenig.

Pro: "Ein Zeichen setzen" von Alois Pumhösel - Kontra: "Auch ein Charaktertest" von Michael Freund

+++Pro
Von Alois Pumhösel

Ach, der liebe Advent! Endlich ist es wieder so weit. In den zuckersüß dekorierten Schaufenstern, auf den weihnachtlich beleuchteten Straßen, auf den Christkindl- und in den Supermärkten, überall kündigt sich das große Fest an, überall sind sie schon zu sehen: all diese haarsträubenden Geschmacklosigkeiten, der bunte Kitsch, der hohle Tand. Anthropologisch mag es mit der Kälte zu tun haben, die die Menschen in die vermeintlich wärmende, aber letztendlich nur stillose Kompensation treibt. Anders sind die gold-roten Tischdekorationen aus einem Disney-Rokoko, die endlose Völlerei und die Adventkalender, die bei gefühlsduseligen Mittdreißigern beliebter als bei ihren Kindern sind, nicht zu erklären. Den letzten Vernünftigen bleibt nur die Guerilla-Taktik: Das mindeste, das man gegen das fehlgeleitete Fest tun kann, ist, alle Adventkalender zu plündern, deren man angesichtig wird. Also: Schwärmt aus! Geht in die Nachbarbüros! Macht alle Fenster auf einmal auf! Die Revolte beginnt im Kleinen. Und ein Stück Schokolade ist immer zu wenig.

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Kontra---
Von Michael Freund 

Im Büro liegt seit Wochen ein Adventkalender herum, mit 24 Stück Schokolade drin, an dem muss ich dauernd vorbeigehen. Das formt bekanntlich den Charakter. Vor Jahrzehnten hat ein Forscher herausgefunden, dass Kinder, die bereit waren, eine Zeitlang auf Süßigkeiten zu verzichten, später kompetenter in Schule und Beruf und überhaupt bessere Menschen wurden. Dabei ging es nur um Marshmallows, da hätte ich auch verzichten können und wäre ein besserer Mensch geworden. An Schokolade im Adventkalender konnte man das nicht an mir testen, weil es das früher gar nicht gab (die Bensdorps und Naps waren eh in der Kaffeedose hinter den Tellern versteckt). Das prägt natürlich, und noch heute sind für mich nur die zweidimensionalen Kalender das Wahre, egal ob mit Weihnachtsmann vorne drauf oder mit Onkel Donald. Und nie würde ich aus den neumodischen vorzeitig Schokoladestücke privatisieren. Sie sind eh meistens nicht besonders gut. Und sehr klein. Und oft schon ziemlich alt. Vielleicht vom letzten Jahr? (Der Standard/rondo/25/11/2011)

Papa Radzy
00
25.11.2011, 13:39

ich habe gar keinen, dafür trinke ich jeden tag ein adventsbier/bock?
gut?

. Diogenes
00
25.11.2011, 13:30
Ich öffne den Adventkalender nie zu früh

Am ersten Dezember werden die Fenster geöffnet
und keinen Tag früher.

permanent marker
01
25.11.2011, 11:33

Ein leicht lösbares Dilemma:

Die Türen bleiben geschlossen, für den uneingeweihten Betrachter scheint es so, als wäre der Kalender noch intakt und gefüllt.

Was er nicht bemerkt, ist, dass der Kalender an der Unterseite geöffnet und schon am 1. Tag völlig ausgeweidet wurde.

So machen das kompetente Kinder!

tramezzino
00
25.11.2011, 15:39

so macht das auch der staat. das ganze geld wird ausgegeben und wir sollen glauben, dass noch immer genug vorhanden ist.

Chukche
30
24.11.2011, 17:46
Vor Jahrzehnten hat ein Forscher herausgefunden, dass Kinder, die bereit waren, eine Zeitlang auf Süßigkeiten zu verzichten, später kompetenter in Schule und Beruf und überhaupt bessere Menschen wurden.

Das protestantische Arbeitsethos ist nur in seinem kapitalistischen System eine moralische Größe und zielt auf nichts anderes ab als die maximal verausgabbare Produktivität des Selbst

lilian
00
25.11.2011, 13:45
selbstdisziplin ist in jedem system eine

moralische größe.

kann sehr hilfreich sein - vielleicht mal ausprobieren ? ;-)

Chukche
00
25.11.2011, 14:09

Nein, brauche ich nicht...das macht der Markt schon für mich...

wolfetone
 
06
24.11.2011, 17:26

Das Problem stellt sich bei uns nicht. Lego war so nett alle Teile, die in in ihrem Kalender enthalten sind, auf der Rückseite abzubilden. Bleibt also nur noch abzuwarten, was an welchem Tag kommt: die Spannung bringt uns schon innerlich die Wurzelchakren durcheinand.

(ja, ich weiß, ich hätte die Schachtel auch schon im Geschäft umdrehen können, aber das war eigentlich nur ein Alibikauf damit ich ein Stünderl bei den Modelleisenbahnen spechteln konnte, für die wir angeblich keinen Platz haben)

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