Der andere "Tschianti"

  • Empfehlenswert: Colognole, Frascole, Castello di Trebbio, Marchesi Gondi - Tenuta Bossi, Il Prato
    foto: reuters/giampiero sposito

    Empfehlenswert: Colognole, Frascole, Castello di Trebbio, Marchesi Gondi - Tenuta Bossi, Il Prato

Luzia Schrampf lotst tief ins Chianti-Gebiet

Chianti ist eine jener Weinlandschaften, die dank der Pizzerien dieser Welt selbst dem Eingefleischtesten aller Biertrinker ein Begriff ist. Vor dessen geistigem Auge ziehen Toskana-Bilder von spitzen Zypressen und mittelalterlichen Campanili auf Hügelrücken auf, wird das Wort in die Runde geschmissen. Weine aus dem Chianti-Gebiet findet man von den Polen bis zum Äquator. Ebenso breit wie die Bezugsquellen gestalten sich Qualitäts- und Preisspektrum.

Neben Chianti Classico, der mit dem schwarzen Hahn im Logo, gibt es sieben weitere Herkünfte, die den "Familiennamen" Chianti tragen. Deren Beinamen - Colli Aretini, Colli Pisani, Colli Senesi, Colli Fiorentini, Montespertoli, Mont'Albano und Rùfina - ergeben sich durch die Städte, um die die Weinberge liegen. Gemeinsam ist allen, dass die Weine aus Sangiovese entstehen, der zu den spannendsten Sorten dieser Erde zählt und zu einem erklecklichen Anteil im Wein sein muss.

Höchstgelegene, kühlste Chianti-Gebiet

Der Rest wird mit heimischen, "kleineren" Sorten wie Cannaiolo und Colorino aufgefüllt oder mit "Internationalisten" wie Cabernet Sauvignon oder mit einem Mix aus beiden Sortengruppen oder zuweilen auch sortenrein belassen. Unterscheiden sollen sich die Herkünfte durch den Geschmack, was mehr oder weniger gut funktioniert, da sie nicht immer aus stilistischen Überlegungen entstanden sind.

Die Rùfina-Herkunft ist im Chianti-Puzzle ein Rolemodel. Für seine gute Qualität ist er vergleichsweise unbekannt und wird noch dazu gern mit dem Großerzeuger Ruffino verwechselt. Chianti Rùfina bezeichnet das höchstgelegene, kühlste Chianti-Gebiet rund um die Stadt selben Namens. Rùfina-Weine schmecken hinreißend elegant, zart, extrafrisch und duften je nach Jahrgang und Höhenlage mehr oder weniger nach Flieder und Veilchen auf Waldboden. Empfehlenswert ist, nicht die allerjüngsten Jahrgänge zu trinken, da er mit Reife verlässlich an Harmonie zulegt.

Mit all diesen Eigenschaften liegt er genau im derzeitigen Trend zu leichtfüßigeren, frischeren Rotweinen, was einen hohen Anspruch nicht ausschließt. Zu hoffen bleibt, dass die vielen Youngsters, die heute dort zugange sind, Visionen und Umsetzungsgeschick noch lange nicht aus den Augen verlieren. Denn das tut dem gesamten Gebiet gut. (Der Standard/rondo/18/11/2011)

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