"Weit und breit kein Hai"

17. November 2011, 17:07
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Schauspieler Hugh Jackman über seinen neuen Boxerfilm "Real Steel", Familienurlaube, Tipps gegen Jetlag und das Geheimnis seiner Ehe

Der Schauspieler Hugh Jackman ist der Protagonist im Boxerfilm "Real Steel". Peter Fuchs traf den "Sexiest Man Alive" von 2008 in München.

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DER STANDARD: Wo verbrachten Sie Ihren letzten Urlaub, Herr Jackman?

Hugh Jackman: In Frankreich, wir fuhren diesen Sommer mit dem Auto sechs Wochen lang durch Frankreich. Das kommt selten vor, weil Urlaub bei uns von vielen Faktoren abhängt. Die Kinder müssen Ferien haben, und sowohl meine Frau und ich dürfen gerade nicht drehen oder an etwas anderem arbeiten. Auf der Reise selbst war es auch nicht immer einfach, weil wir bei der Fahrt oft das Radio laufen hatten. Ich wollte in den Ohren der Kinder immer die falsche Musik hören. Tja, zu meinem Leidwesen müssen auch in der Familie die Grundsätze der Demokratie gelebt werden.

DER STANDARD: Waren Sie mit einem Wohnwagen unterwegs?

Jackman: Nein, es war kein Trailer, aber trotzdem ein großes Auto, das wir mit Taschen und Koffern bis obenhin vollgestopft hatten. Auch der Hund war dabei. Ich schlug meiner Frau vor, etwas im Voraus zu buchen, aber sie war dagegen. Deborra-Lee liebt es, sich vor Ort ein Bild zu machen. Sie betritt die Lobby eines Hotels und sagt dann: "Besser nicht, lasst uns das nächste Hotel anschauen." Dann geht die ganze Familie mit Hund wieder raus. Dasselbe gilt für Restaurants. Manchmal kann sie schwer erklären, was sie eigentlich möchte. Es muss sich für sie richtig anfühlen. Das kann gelegentlich frustrierend für den Rest der Familie sein. Vor allem für mich, wenn ich den ganzen Tag das Auto gefahren bin.

DER STANDARD: Sie sind seit über fünfzehn Jahren verheiratet. Was ist das Geheimnis Ihrer Ehe?

Jackman: Die richtige Person heiraten. Aber im Ernst, meine Frau war bereits vor mir Schauspielerin und kannte das Business. Deshalb stellte sie Regeln auf. Wenn einer von uns beiden arbeitet, dann arbeitet der andere nicht. Und wenn Arbeiten bedeutet, dass man sich mehr als zwei Wochen nicht sehen kann, dann machen wir den Job nicht.

DER STANDARD: Sie drehen demnächst in London. Wie klappt es da?

Jackman: Ich drehe dort Les Misérables. Dabei ist noch unklar, ob ich regelmäßig nach Hause fliegen kann. Falls nicht, kommen die Kinder mit und kriegen ihren Unterricht in London.

DER STANDARD: Würden Sie Ihren Kindern erlauben, auch im Film mitzuspielen? So wie die Kinder von Will Smith das dürfen?

Jackman: Die Frage stellt sich bei uns nicht mehr. Als wir Australia drehten, nahm ich meine Familie zu den Dreharbeiten mit. Wir reisten mit der Crew quer durch ganz Australien. Da waren auch so an die zwanzig Aborigineskinder dabei, weil sie im Film mitwirkten. Mein Sohn Oscar hatte gemeinsam mit ihnen Unterricht. Und in bestimmten Momenten wurden die Kinder zu den Aufnahmen gerufen, und er musste allein zurückbleiben. Er war damals sieben Jahre alt und konnte das nicht verstehen. Deshalb erlaubte ich ihm, in einer Szene mitzuspielen. Die Szene wurde vier Tage lange gedreht. Er musste im Gänsemarsch mit anderen Kindern eine Treppe runter und ein Boot besteigen. Nach den vier Tagen kam er zu mir und sagte: "Dad, du hast den langweiligsten Job der Welt. Das mache ich nie wieder." Da dachte ich: "Ja!" Dass er dabei auch 360 Dollar verdiente, habe ich ihm bis heute nicht gesagt. Ich hoffe, er liest dieses Interview nicht.

DER STANDARD: Wie fand es Ihr elfjähriger Sohn, dass in Ihrem aktuellen Film "Real Steel" ein Gleichaltriger Ihren Sohn spielt?

Jackman: Er war eifersüchtig. Wir drehten im Sommer, und weil Oscar gerade Ferien hatte, kam er oft ans Set. Es muss schon eigenartig sein, wenn der eigene Vater mehr Zeit mit einem anderen Jungen verbringt. Ich denke, es hat ihn geärgert.

DER STANDARD: Wie reagierten Sie darauf?

Jackman: Ich trat die Flucht nach vorne an und erklärte ihm die Situation. "Der Junge spielt nur meinen Sohn, und wenn ich sage, dass ich ihn liebe, dann ist das nur ein Spiel. Die Dreharbeiten gehen vorbei, aber dich liebe ich dann noch immer." Die Jungs lernten sich auch kennen und mochten sich. Das nahm dem Ganzen dann die Spitze.

DER STANDARD: Um nochmal auf Ihren Urlaub zu kommen: Bekommen Sie eigentlich sofort ein freies Zimmer, sobald die Leute Sie erkennen? Vor allem, wenn Sie im Urlaub ohne Reservierung unterwegs sind?

Jackman: Ja, das kommt schon vor, dass wir uns manchmal über aufmerksameres Service freuen dürfen, als es vielleicht andere bekommen. Aber überall, wo wir reinschneiten, gab es auch freie Zimmer. (Er zwinkert) Vielleicht war das ein Zufall.

DER STANDARD: Dann ist Ihre Bekanntheit wohl von Vorteil?

Jackman: Meistens schon. Aber es können sich auch bizarre Szenen ergeben. Als wir nach Saint-Tropez kamen, wollten wir im Meer baden. Wir fahren also an den Strand und rennen ins Wasser, um zu schwimmen. Mit Schlauchboot und Schwimmreifen. Aber dann geschah es. Erinnern Sie sich an die Szene aus der "Weiße Hai"? Genau das erlebten wir. Am Ufer stehen so an die hundert Leute herum und schauen aufs Meer. Als ich es bemerke, befürchte ich sofort, da sei etwas passiert oder die Menschen sehen einen Hai. Ich drehe mich um, aber da war nichts. Ich schaue wieder auf die Leute und entdecke, dass ungefähr fünfzehn von ihnen lange Teleobjektive auf mich richten. Das war dann einer dieser Momente im Leben, in dem ich mir sagte: Das ist so bizarr. Ich kraule bloß ein wenig herum, und die fotografieren mich dabei. Meinen Kindern war das richtig peinlich. Mein Sohn meinte, dass ich vorerst im Wasser bleiben soll und sie zuerst ohne mich aus dem Wasser gehen. Das war wirklich eigenartig.

DER STANDARD: In Ihrem Beruf reisen Sie sehr viel. Wie gehen Sie dabei mit Jetlag um?

Jackman: Zum Glück wirft mich Jetlag nicht so heftig nieder. Aber gleich, wo ich bin, versuche ich meinen Alltag wie zu Hause zu leben und mache nach dem Aufwachen etwas Sport. Komme ich irgendwo an, schwimme ich im Meer, auch wenn meinem Körper gerade gar nicht danach ist. Wenn ich nach Australien fliege, dann steige ich aus dem Flugzeug und gehe direkt an den Strand. Im Meer werde ich fast jeden Jetlag los.

DER STANDARD: Was haben Sie heute früh in München gemacht?

Jackman: Ich bin in den Eisbach im Englischen Garten gesprungen, als noch niemand da war.

DER STANDARD: Das war aber dann sehr zeitig?

Jackman: Frühes Aufstehen schreckt mich nicht, weil ich ein Morgenmensch bin.

DER STANDARD: Waren wieder Kameras dabei?

Jackman: Soweit ich sehen konnte, war ich alleine. Kein Hai und kein Teleobjektiv weit und breit.

(Peter Fuchs/Der Standard/rondo/17/11/2011)

Zur Person
Seit 1996 sind der 43-jährige Australier Hugh Jackman und die Schauspielerin Deborra-Lee Furness ein Ehepaar. Mit den Adoptivkindern Ava (6) und Oscar (11) leben sie in New York. Aktuell ist Hugh Jackman im Film "Real Steel" im Kino zu sehen. Darin gibt er einen abgehalfterten Profiboxer, der ganz unten angekommen ist. Auf Jahrmärkten lässt er riesige Boxroboter mit Stieren kämpfen. Erst als er unfreiwillig einen Sommer mit seinem von ihm vernachlässigten zehnjährigen Sohn verbringen muss, bekommt er eine zweite Chance. In seiner Karriere und mit seinem Sohn.

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    "Real Steel" (USA 2010)
    Regie: Shawn Levy
    Läuft derzeit in den österreichischen Kinos.

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    "Ich kraule bloß ein wenig herum, und die fotografieren mich dabei. Meinen Kindern war das richtig peinlich."

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