Das Comeback der Cordhose

20. November 2011, 16:38
  • Vom Proletenstoff musterte sich Cord über die Zeiten hinweg zur Intellektuellenkluft.
    foto: stephan cardinale / sygma / corbis

    Vom Proletenstoff musterte sich Cord über die Zeiten hinweg zur Intellektuellenkluft.

Warum das Schicksal von manchen Kleidungsstücken schlichtweg an ihrer Farbe hängt

Es ist an der Zeit, an ein Kleidungsstück zu erinnern, das schon vor langer Zeit in Ungnade gefallen ist. Es ist dies die Cordhose, die derzeit gemeinsam mit Cordsakkos eine kleine Renaissance erlebt. Zwar kombinieren nur Wagemutige, Hose und Sakko in dem längsgerippten Stoff, ginge es nach den Designern, wäre das aber genau das, was man derzeit machen sollte. Warum? Darüber zu spekulieren ist ungefähr so müßig wie sich die Frage zu stellen, warum die Lieblingsfarbe von Cordträgern lange ausgerechnet dieses fahle Herbstblatt-Braun war.

Mit der Geschichte von Cord kann das kaum zusammenhängen, schließlich stammt der Stoff ja aus dem grauen Manchester, auf dessen Webstühlen im 18. Jahrhundert Cord erstmals gewoben wurde. Nachdem er genauso preisgünstig wie widerstandsfähig war, stand seiner Karriere in der arbeitenden Bevölkerung nichts mehr im Wege.

Die Farbe macht den Unterschied

Doch das ist lange her: Vom Proletenstoff musterte sich Cord über die Zeiten hinweg zur Intellektuellenkluft und schließlich zum Distinktionsmaterial von Clubkids, die ihn in den Neunzigern in Gelb oder Lila trugen.

Sie dürften auch die Impulsgeber der jetzigen Wiederkehr der Cordhose sein, die auf der Liste der meistgehassten Kleidungsstücke lange einen vorderen Rang belegte. Nachdem jetzt aber auch schon Charlotte Gainsbourg in Lars von Triers Melancholia Cordhose trägt, werden sich Geschmackspolizisten nach einem Ersatz für ihr Feindbild umsehen müssen.

Am besten sie weichen auf Dreiviertelhosen aus, darüber zu schimpfen hat noch nie geschadet. Oder aber sie verbannen zukünftig einfach nur mehr braune Cordhosen. Schlimmer als Cordhosen sind nämlich nur braune Cordhosen. Frau Gainsbourg trägt übrigens eine orangefarbene. Die Farbe macht den Unterschied. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/18/11/2011)

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Ich besaß etwa 1983 eine rosa Schnürlsamthose. Bei Fotos aus dieser Zeit schäm ich mich für mich selbst fremd.

... kauft sich eine Hose und geht mit mir essen.

wenn sich die vermeintliche intellektualität

am stoff der hose festmacht, kann es mit ihr nicht weit her sein. mit der intellektualität, nicht mit der hose.

Die Cordhose war out?

Warum hat mir das niemand gesagt!

Wenn jetzt auch noch Hosentraeger aus der Mode kommen, dann kann mir die haute couture in Zukunft gestohlen bleiben.
Michael

Mir auch keiner...

Dass sagt ja nur, das wir keine fashion victims sind!

Und bei uns heissts auch schnuerlsamt

faellt mir jetzt

erst auf, die Pinocchiohoesen (=3/4 Hosen), haben es ohnedies nie ueber den Brenner geschaft. Wer haette sich da aufregen sollen ?

Die heissen bei uns 7/8 und je nach Körpergrösse und Modell sind das durchaus manchmal Pinocchiohosen ;-).

:)) das ich, wie

ueblich von Herrenhosen rede ist ihnen aber schon bewuszt

Oje - lache.

war vor ca 5 Jahren,

da hast du, wenigstens an der Kueste, nur solche Hosen gesehen. Aber "nur" wie es das nur in Italien gibt, von 5 bis 85

geschmackspolizisten sind das letzte.

Was fürn alten Albert (Einstein)...

...gut genug war, wird für mich auch reichen... war der übrigens Prolet?

Muss wohl ein Prolet gewesen sein.

Wer sonst zeigt so ungeniert der Welt seine Zunge ;)

wenn die spindeldürre mme gainsbourgh das trägt, so mag das, selbst in orange gehalten, ja noch angehen. zumal es, wenn überhaupt, überhaupt nur an (machen) frauen gut aussieht. aber die ganzen wasteln in kackebraunen bundfalten-schnürlsamthosen, die noch mehr auftragen? naaaaa danke!

Mann-oh-Mann,

wer braucht Leute, die anderen sagen, ob Cord zulässig ist und in welcher Farbe und überhaupt? So was fades und dämliches.

Solange es genug Leute gibt, die darauf hören ;)

Die Jeans war auch mal nur Proletenstoff.
Überhaupt möge jeder tragen, was er will, vorausgesetzt der Dresscode stimmt.
Mir gefällt Cord, und mir gefallen manche hochpreisige Designer-Fetzen überhaupt nicht.

weil das Zeug

ja so billig ist, nedwahr

Das Einzige, was bei vielen Fetzen teuer ist, ist der Markenname - der Fetzen selbst ist dennoch billig aussehend!

man sollte sich vielleicht

nicht zu Dingen aeuszern, von denen man nix versteht.

wärmt, angenem zu tragen, kratzt nicht wie die schurwolle.

aha

auch Wollcord ?

kenne nur baumwollcord.
meine schlimmste kratzhose war in den 70ern aus harris tweed, bekomme jetzt noch gänsehaut ;-)

Mir wurde...

...schon ganz anders, wenn meine Mutter mir androhte, dass ich die in zwei Wochen anziehen muesste..;-)

Ein Leidensgenosse

:) das war

zwar nicht Harris Tweed, kann mich aber erinnern. Auch die "Vollfuetterung" half nix.
Grundsaetzlich ist "Cord" eine "grobe" Gaberdinebindung

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