Wie werde ich Millionär

Ach hätte man doch damals ...

21. November 2011, 17:57
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    foto: hersteller

    Breguet Gangres. Mondph. Classique. 3137BA

    >>>Zur Ansichtssache: Zeitverlauf

Die Preiskurven der Armbanduhrikonen weisen nach oben - ohne große Sprünge, aber gleichmäßig wie ein gutes Uhrwerk

Die Erkenntnis klingt banal, stimmt aber: Hinterher ist man immer schlauer. "Hätte man ...", "wäre man ...", ließe sich mit gleicher Berechtigung sagen. Also: Hätte man in den 1970er-Jahren sein ganzes Vermögen in (natürlich die richtigen) mechanischen Armbanduhren investiert, wäre man definitiv Millionär geworden.

Die Aussage gilt selbst für die späten 1980er-Jahre. Wer bei der legendären Auktion zum 150. Jubiläum der Genfer Nobelmanufaktur Patek Philippe in großem Stil eingestiegen wäre, hätte das eingesetzte Geld bis heute problemlos vervielfachen können. Etliche hatten die richtige Eingebung, andere leider nicht.

Aber das ist bei Armbanduhren wie in anderen Sphären: Der richtige Moment offenbart sich nicht von allein. Man muss ihn riechen oder erspüren. Und man muss im Fall des Falles auch willens sein, etwas vom mehr oder minder sauer Verdienten oder Ersparten auszugeben. Logischerweise waren und sind Armbanduhren nicht jedermanns Sache. Wer statt in sie vor März 2000 sein Geld in deutsche Aktienstandardwerte investierte, konnte sich richtig freuen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) kletterte in beinahe schwindelerregende Höhe. 8064 betrug der Schlusswert am 7. März 2000. 1961 war er bei 489 gelegen. Steigerungsrate: stolze 1649 Prozent. Wohl aber auch demjenigen, welcher sich seiner Papiere rechtzeitig entledigte. Von da an ging's bergab. Anfangs eher bedächtig, dann immer schneller.

Das Investment in Armbanduhren ergibt eine andere Rechnung: Für einen goldenen Schleppzeigerchronografen von Patek Philippe, Referenz 1436, verlangte der Fachhandel 1961 exakt 1915 Deutsche Mark. Im November 2000, als der Dax bereits purzelte, hätte der glückliche Käufer dafür locker 400.000 Mark erlösen können. Steigerungsrate gut 20.000 Prozent. Der berechtigte Einwand: Dafür gab es über die Jahre aber auch keine Dividenden, zumindest keine in barer Münze, möchte man erwidern. Aber die tägliche Freude an einer wunderbaren Begleiterin am Handgelenk ist ja auch etwas wert.

Paul-Newman-Hausse

Anderes Beispiel: Die Nichtrolex "Daytona" mit dem gesuchten und mittlerweile oft gefälschten Paul-Newman-Zifferblatt lag Mitte der 1970er-Jahre fast schon wie Blei beim Konzessionär. "Keine echte Rolex", beliebten amerikanische Händler zu kommentieren, wenn es um den Hintergrund stattlicher Discounts ging. Mit 1500 Dollar war Mann seinerzeit dabei, heute sind es 30.000 Euro.

Um sachlich zu bleiben: Wertzuwächse wie diese sind die absolute Ausnahme. Somit stellt sich, wenn es um Uhr-Investment geht, immer wieder die Frage: was kaufen und was eher nicht? Am obersten Gebot gibt es nichts zu rütteln: Quarzarmbanduhren sind zwar präzise und komfortabel, taugen aber nur in den allerseltensten Fällen als Anlageobjekte.

Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft heißt Mechanik. Und selbst da heißt es unterscheiden zwischen Standardkalibern à la Eta 2892 oder Eta 7750 und Exklusiverem, also aus eigener Manufaktur Stammendem. Als Trugschluss wird sich irgendwann die Auffassung erweisen, mechanische Armbanduhren stiegen prinzipiell im Wert. Zweifellos sind sie deutlich wertstabiler als beispielsweise Gebrauchselektronik, aber auch hier gilt die Tatsache, dass bei allem, was es regulär zu kaufen gibt, in getragenem Zustand mehr oder minder starke Preisabschläge hinzunehmen sind. Wer auf limitierte Editionen setzt, sollte den Grund für die quantitative Beschränkung genau analysieren. Limitierungen ohne tieferen Sinn sind mit Vorsicht zu genießen. Hier wie überall beim Uhrenkauf führt an gründlicher Information kein Weg vorbei.

Wer aus gesicherter Position in die Zukunft blicken möchte, sollte zu echten Klassikern greifen. Gemeint sind etablierte Modelle bekannter Marken, welche, von gelegentlicher Produktoptimierung abgesehen, über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg weitgehend unverändert hergestellt werden. Das minimiert die Gefahr, Opfer jenes Zeitgeistes zu werden, der all jene schnell zu Witwern macht, welche sich mit ihm vermählen. Gewinnexplosionen sind bei derartigen Uhren ausgeschlossen. Der gleichwohl vorhandene Wertzuwachs resultiert aus der Tatsache, dass die tickenden Objekte der Begierde in schöner Regelmäßigkeit teurer werden.

Mehr als verdoppelt

Gründe dafür gibt es zuhauf: gestiegene Materialkosten, Lohnzuwächse, Inflation. Dazu Veränderungen bei den Währungsparitäten, wie der Schweizer Franken ganz aktuell sehr eindrucksvoll beweist. Die hier gezeigten Beispiele lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Zur Tatsache, dass sich die Preise für ein und dasselbe Modell zwischen 1993 und 2011 grundsätzlich mehr als verdoppelt haben, gesellt sich ein anderer, nicht zu unterschätzender Aspekt: Der Spaß- und Prestigefaktor einer signierten Uhr am Handgelenk. Selbiger ist deutlich höher zu werten, als die reine, oft sehr nüchterne Welt der Zahlen.

Mechanische Armbanduhren der feinen Art, die - iPhone und Konsorten ist's geschuldet - genau genommen niemand wirklich braucht, sind primär pure Emotion. Und solche lässt sich schwerlich pekuniär bemessen, egal ob Dollar, Euro, Franken oder Yen. Uhrenliebhaber, die passioniert aus Freude an der Sache kaufen, liegen selten ganz daneben. (Gisbert L. Brunner/Der Standard/rondo/18/11/2011)

Kommentar posten
17 Postings
Kahuna
01
22.11.2011, 18:34
In Thailand gibts die besten Prolex...

Mit der Gesamtsituation unzufrieden
00
19.12.2011, 19:37

Da stimmt Preis/Leistung noch ;-)))
Man muss halt gucken nicht die peinlichen auszusuchen.

gustav gans42
00
22.11.2011, 15:17

hab ca. im Jahr 1994 480Stk. 4-fach Dukaten im Garten vergraben. Am Wolfersberg, für die Schatzsucher...
Bezahlt hab ich damals geschätzte ATS 2800/Stück.
Und: so genau weiß ich nicht mehr, wo die Dinger sind; macht es Sinn, jemanden zu beauftragen zB mittels Metallsonde, danach zu suchen?
Geht sich ein DB-S aus?
Was soll ich tun?
Bitte um Ratschläge! DANKE!

Kra Wuzikabuzi
04
22.11.2011, 15:56
da will jemand gratis den garten umgegraben haben...

Kra Wuzikabuzi
00
22.11.2011, 14:28
der legende nach wurde mal der rolex chef gefragt, wie es der uhrenindustrie ginge

.."keine ahnung !"..hat der gesagt.

"was...keine ahnung ??...Du bist der chef von Rolex, wieso weisst Du das nicht ??"

"Wir verkaufen keine Uhren, wir verkaufen Schmuck..."

Kra Wuzikabuzi
00
22.11.2011, 14:24
hättiwari

trifft so ziemlich auf alles zu...
grundstücke, barbie-puppen, autos, leere nivea-dosen etc.

alles - zb 1970 gekauft und bis heute gut aufbewahrt, wäre ein vielfaches des damaligen einkaufspreises wert.

Edge26
00
22.11.2011, 12:00
Rolex Military Submariner (£60.600

http://www.network54.com/Forum/207... y+ending!!

Fantastic Fox
13
22.11.2011, 10:05
Meine IWC Portugieser

geht jedes Monat zuverlässig um 5 Minuten vor.

Ich wuerde mir keine mehr kaufen. Das ist überhypte, überpreiste Technik von vorgestern. Von den 10.000 Euro, die so eine Uhr kostet, gibt IWC mindestens geschätzte drei viertel für ganzseitige Anzeigen in "How To Spend It" und im "Economist" aus.

Meine billige, genaue, robuste G-Shock ist mir mittlerweile viel, viel lieber.

wakman
01
25.11.2011, 12:18

Zum Uhrmacher Ihres Vertrauens, einregulieren lassen und fertig. Alle paar Jahre gehört so ein gutes Stück eh auch zur Revision.

uni versalis
00
22.11.2011, 13:33
wer sich eine mechanische uhr im high end bereich kauft und meint, er kaufe damit ganggenauigkeit, der irrt. das ist auch niemals der anspruch.. was sie zahlen ist zwar ein gewisser hype für luxusuhren und enstprechende marketingetats,

aber auch viel arbeit, auch (schweizer) handarbeit.
das fängt beim werk an, das noch von uhrmachern zusammengeschraubt und in oft noch manuell dekoriert sowie zum schluss einreguliert wird und geht bis zum gehäuse das poliert oder gebürstet wird, teils beides an verschiedenen stellen oder bis zum bearbeiten (zb bläuen) und setzen der zeiger und applikationen etc. etc.
das alles bei sehr kleinen stückzahlen.

die verarbeitung ist allgemein auf sehr hohem niveau und erfordert also viel arbeitszeit. dazu kommen auch noch hochwertige materialien.

mit elektronik lassen sich heute bessere gangwerte erzielen (nonaned), aber sie kaufen hier einen von menschenhand zusammengesetzten mikrokosmos, maschinenbau aus präzisionshandwerk.

Der Österreicher
00
22.11.2011, 10:53

Keine funktionstüchtige Uhr geht in einem Monat um 5 Minuten vor. Die Uhr ist defekt, das ist alles.

uni versalis
00
22.11.2011, 13:41
doch, bei patek und anderen ist das auch möglich

10 sekunden am tag locker (300 sekunden monatlich). aber so what?
man kann die uhr alle paar tage nachstellen.
ausserdem gehen nur hochwertigeree quartzuhren (und natürlich funkuhren) wirklich genauer als mechanische uhren. die billigen haben genauso schlechte gangwerte.

aber die gangwerte sind ja nicht das argument von mechanischen uhren. es gibt halt leute die sagen, wenn die uhr 10 mal mehr kostet, muss sich auch 10 mal genauer sein und 10 mal so oft auf den boden fallen dürfen, ehe sie kaputt ist :)))

großgoscherter Zwerghamster
00
22.11.2011, 15:18
Also ich schwör seit fast 30 Jahren auf Jacques Lemans Uhren.

Optisch schön und sehr vielseitig, Preislich sehr günstig und mit großem Abstand das beste Preis/Leistungsverhältnis für normale Alltagsuhren.
Und was die Genauigkeit betrifft: In einem halben Jahr weniger als eine halbe Minute Fehlgang. Also eigentlich fast nicht feststellbar, weil sie beim Umstellen von Sommer auf Winterzeit einfach exakt nach der Funkuhr gestellt wird.
Nachstellen unnötig. Alle 2-3 Jahre mal eine neue Batterie. Das wars.

Fantastic Fox
00
22.11.2011, 11:14
Meine Sonntags-Breguet

geht, wenn ich sie durchtrage, 2 1/2 bis 3 1/2 Minuten vor.

Ist die auch defekt?

uni versalis
00
22.11.2011, 13:48
ist gar kein schlechter gangwert..

Doc Steel
00
22.11.2011, 07:08
unbezahlte werbeeinschaltung

MB82
00
22.11.2011, 13:59

aha, und woher weisst du, dass niemand fuer den artikel eine neue alte uhr bekommen hat?

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