Hausangestellte namens "Jemand sollte" und "Jemand hat nicht"

17. November 2011, 17:21
33 Postings

"Jemand sollte" geht Milch kaufen, während "Jemand hat nicht" den Mist nicht hinuntergetragen hat

Wenn man die Frau des Dichterfürsten fragte, wie viel ein Liter Milch kostet, würde sie antworten: "So um die sechs Schilling." Wir sehen, man ist im Haushalt Umgang mit Personal gewohnt. Die zwei Hausangestellten heißen "Jemand sollte" und "Jemand hat nicht". "Jemand sollte" geht also Milch kaufen, während "Jemand hat nicht" den Mist und das Leergebinde nicht hinuntergetragen hat und obendrein darauf vergessen hat, die Winterreifen rechtzeitig montieren zu lassen.

Versäumnisse dieser Art rufen die Gruppe "Andere Frauen" auf den Plan, weil: "Andere Frauen haben Männer, die sehr wohl im Haushalt mithelfen." Für den Dichterfürsten erweist sich das als schwierig, weil er ja dauernd auswärts "Jemand sollte" bei seinen Botenfahrten und Einkaufstouren beaufsichtigen muss, während daheim der unbewachte "Jemand hat nicht" seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht. Er lässt den Herrgott einen guten Mann sein.

Allerdings ist hier auch ein wenig Gelassenheit angebracht. Man darf sich nicht immer nur dem eigenen Scheitern stellen. Ab und zu muss man auch zurückbösen können. Während also der Dichterfürst gemeinsam mit "Jemand sollte" den kaputten Fernsehapparat zum Mistplatz bringt, um danach die Brut vom Karateunterricht zu holen, bevor er am Abend beim Stammwirt gemeinsam mit anderen Bringschuldnern sein Schicksal beklagt, wird im Auto eine bittere Klage formuliert: "Nach zwei Tagen könnte sie endlich einmal die Wäsche aus der Trommel nehmen und zum Trocknen hängen. Das Zeug müffelt schon so angefault wie ein schlechtes Gewissen." ( Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 18.11.2011)

  • "Jemand hat nicht" hat weder Mist noch Leergebinde hinuntergetragen.
    foto: christian fischer

    "Jemand hat nicht" hat weder Mist noch Leergebinde hinuntergetragen.

Share if you care.