Haftbedingungen

  • Die Glücklichen haben eine Garage, in der sie ihre Pflanzen überwintern können. Die anderen müssen improvisieren.
    foto: corbis

    Die Glücklichen haben eine Garage, in der sie ihre Pflanzen überwintern können. Die anderen müssen improvisieren.

Bald friert es, und die nicht winterharten Pflanzen brauchen ein lauschiges Plätzchen - Jetzt heißt es improvisieren, meint Gregor Fauma

Nicht jeder verfügt über einen kalten hellen Wintergarten, in dem Oleander, Engelstrompeten und Hibiscus rosa-sinensis geduldig, aber würdevoll die ersten warmen Frühlingstage erwarten. Wer Kübelpflanzen sein Eigen nennt, braucht mitunter einen Schub Kreativität und ein gesundes Maß an sozialer Intelligenz, um seine Zöglinge sicher durch die frostig-feuchte Zeit der winterlichen Dunkelheit zu bringen. "Hast du Glück, hast du Garage" - so ein altes Jugo-Sprichwort. Und es stimmt.

Garagen werden durch das Ein- und Ausfahren regelmäßig gelüftet und geheizt, sind in der Regel frostsicher und bieten das eine oder andere Winkerl Platz für Topfpflanzen. Sind sie jedoch stockdunkel, so werden Laub tragende Pflanzen dieses abwerfen, da ihnen das Laub nun keine Energie mehr via Licht bereitstellen kann. Das macht aber nichts, denn die Blätter wachsen nach. Steht dem Bobo in seinem Haidgassenaltbau aber nur ein schmaler Lichtschacht zur Verfügung, so kann auch dieser dienlich sein. Dazu muss man den Schacht mit einer transparenten Folie überdachen. Die Folie allein reicht schon, um ein Frieren, ein Verlieren der Tagestemperaturen über Nacht zu verhindern. Ähnliches kann man auch auf dem Balkon inszenieren. Aber was wäre Österreich ohne diesen seltsamen Trieb hin zu allem, was mit Keller zu tun hat: Kellergassen, Kellermeister, Weinkeller, Discokeller, Luftschutzkeller, Kohlenkeller, Kellerwohnungen ... Also raus mit all dem Klumpert, dem Wein, den Skischuhen, raus mit dem alten Mobiliar und rein mit Platz. Platz für die unzähligen Töpfe und die darin steckenden, auf einen Zahnstocher zurückgestutzten Lieblinge.

Dunkelheit und Kälte

Wichtig bleibt, dass Dunkelheit mit Kälte einhergeht. Die Pflanze darf nur ja nicht auszutreiben beginnen. Ist der Keller aber geheizt, so wird es schwierig. Die Pflanze empfängt nun zwei unterschiedlich zu deutende Signale: Von der Dauer und der Intensität des Lichts her möchte sie auf Winter-Modus schalten, von der Temperatur her könnte sie eigentlich ihr Wachstum fortsetzen und so tun, als ob es mildes Frühjahr wäre. Das halten nur wenige Kübelpflanzen aus, unter ihnen der Korallenstrauch Erythrina crista-galli, der Bleiwurz Plumbago capensis, aber auch Dahlien, Canna oder der Zwergingwer Hedychium.

Keinen Keller, keinen Lichtschacht, keine Garage ...? Dann ab ins Stiegenhaus. Stiegenhäuser sind wahre Pflanzenparadiese, und es sollte winterliche Bewerbe geben, welches denn am schönsten sei. Platz gibt es genug, es ist ausreichend kühl, und selbst die Lichtintensität lässt sich variieren. Darüber hinaus kommt man täglich an seinen Zöglingen vorbei, prüft die Erde, kontrolliert das Laub, drückt prüfenden Blicks den Stamm und sorgt allein durch Zuwendung für esoterisch wertvolles Wohlfühlen bei den Pflanzen.

Und hier kommt die soziale Intelligenz ins Spiel. Denn nur wer es übers Jahr hin geschickt anstellt und seine Mitbewohner, Nachbarn, Hausmasta und sonstige Bedrohungen einem gewogen stimmt, kann mit der intensiven Nutzung der Allgemeinflächen im Haus rechnen. Alle anderen müssen davon ausgehen, dass es ihnen ergehen wird wie Maria Englstorfer im allerersten Kottan, Hartlgasse 16a: Sie werden sich regelmäßigen Attentaten gegen ihre Pflanzen ausgesetzt sehen. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/11/11/2011)

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14 Postings

wie schauts mit dem Unterbau bei Terrassen aus ?
ist das zu kalt ? Licht über Lüftungsschacht auch sehr gering.

auf den kompost ;-)

"Fauma (?) & Flora"

Kind (an der Hand der Mutter beim Spazierengehen einen Burger verschlingend):
"Fauma Muppi, die föne Fauma!"

ist es möglich

pflanzen für draussen einfach in eine helle warme wohnung zu stellen? oder brauchen die einen "winterschlaf"?

hängt davon ab. die ganzen mediterranen pflanzen

(olive, granatapfel, feige, laurus nobilis, oleander...) sollen kühl überwintert werden (die immergrünen auch hell), brauchen einen winterschlaf.
wenn die feige bereits im jänner wieder austreibt oder der olivenbaum durchgehend neue triebe schiebt, ist es zu warm (max. 15°C, eher weniger). die pflanze ist dann in der wachstumsperiode, durcheinander, geschwächt und krankheitsanfälliger.

für heuer zu spät

Wer auch nur einen kleinen Balkon oder eine Terrasse hat dem empfehle ich einen Wintergarten zu bauen. Der is nicht nur schmuck sondern hilft mit allen Pflanzen im Winter: http://erfolg.org/wintergar... bst-bauen/

Auf den Kompost damit

Olivenbäumchen in größeren Töpfen

halten es bis zu -10° auch im Freien aus. Eine Möglichkeit ist es, die Pflanzen (nicht luftdicht) mit Luftblasenfolie zu umwickeln, für Olive und Lorbeer reicht das meistens, am besten knapp an der Hauswand, wenn es nicht nach Norden ausgerichtet ist. Gießen muss man auch, allerdings ganz wenig.

Ansonsten, ja der Hausgang ist das beste. Aber ein Rückschneiden von Zitruspflanzen im Spätherbst ist immer gut, die Pflanzen werden nur noch schöner.

was oliven angeht,

hängt es auch von der selektion ab. grundsätzlich vertragen die meisten sorten auch starke nachtfröste, solange es nur keine längeren dauerfrostperioden gibt.
bei manchen kann es aber schon ab -7 oder -8°C blattschäden geben.

lieber sind ihnen starke nachtfröste mit kräftiger tageswerwärmung auf klar über null und trockene verhältnisse als wochenlange inversionslagen mit permanent knapp unter null.

auch eine ausrichtung nach osten würde ich meiden, aber eine hauswand hilft schon einiges.

nicht nur olivenbäume, auch oleander und palmen

halten es so bei uns auch im winter ganz gut im freien aus. es darf nur der wurzelballen nicht durchfrieren...
aber wie ich letztes wochenende in england war wollte mich der neid fressen, als im garten des b&b einige grosse palmen in der erde gestanden sind... da wird's im winter gleich gar nicht so kalt, dass sie erfrieren...

chinesische hanfpalme (trachycarpus fortunei)

soll bis gut -15°C winterhart sein (kurzzeitig). gibt etliche auch in Mitteleuropa ausgepflanzte exemplare.

in england geht natürlich um einges mehr als bei uns, aber auch dort ist es für einige palmen nicht mild genug. manche vertragen überhaupt nur ganz zarte minusgrade, andere nicht einmal das.

feige und granatapfel (manche kultivare) können ausgepflanzt oder fast den ganzen winter durch im container draussen bleiben (an nicht zu exponierter stelle).

Das Problem sind nicht nur die lieben Nachbarn, sondern sehr gerne die Hausverwaltungen ...

... die es unter Hinweis auf feuerpolizeiliche Gesetze sehr ungerne sehen, dass irgendwas in den Gängen herumsteht.

Nicht, dass sich irgendwer drum kümmert, aber ...

blöd ist's ja nur, wenn die hausverwaltung dann die pflanzen auf deine kosten entsorgt

dann bist du nicht nur deine pflanzen los, sondern hast auch noch die wickel... dabei gibt es ja gerade in den altbauten sehr oft schöne ecken, wo gemütlich ein paar pflanzern platz haben und niemanden stören...
wir stellen unsere oleander immer in den keller, der ist nicht geheizt, friert aber nicht und etwas tageslicht kommt auch rein. und jedes mal informieren wir die hausverwaltung per mail, dass wir das machen, da die pflanzen im allgemeinen teil des (eigentlich ungenutzten) kellers stehen...

jo, die ...

... wa**ler von der hausverwaltung hab i schon gfressn!

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