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  • Der preisgekrönte Marc Newson und sein Spaceplane für EADS.
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    Der preisgekrönte Marc Newson und sein Spaceplane für EADS.

Designer Marc Newson staubte den Lucky Strike Designer Award und somit 50.000 Euro ab - Thomas Edelmann hat ihn in Hamburg getroffen

Über den Preis mag man streiten, über seinen diesjährigen Empfänger kaum. Der in London lebende Australier Marc Newson erhielt vor kurzem in Hamburg den mit 50.000 Euro dotierten Lucky Strike Designer Award. Allenfalls ließe sich fragen, warum er mit diesem Preis erst 2011 als Einundzwanzigster in einer langen Reihe herausragender Designer, Modemacher, Fotografen und Vermittler geehrt wurde.

Womöglich hat es mit Design zu tun, dass die Marke Lucky Strike des B.A.T.-Konzerns im Nachkriegseuropa zur Schmuggel- und Ersatzwährung wurde, mit ihrem überaus klaren Markenbild etwa. Designer Raymond Loewy hatte es 1940 entworfen; prägnanter, besser und billiger als die Vorläufer. Im Europa des Jahres 2011 glaubt allerdings niemand mehr so recht an die gestalterische Innovationskraft der Tabakindustrie, die dennoch weltweit blendende Renditen einfährt. Geraucht wird in Zeiten von Krisen, von politischen und sozialen Umbrüchen wie eh und je.

1991 rief das Unternehmen British American Tobacco (B.A.T.) den Lucky Strike Designer Award ins Leben, um die Zigarettenmarke Lucky Strike im Umfeld der Kreativen neu zu positionieren. Trotz eines veränderten Umfelds hält man also an der Auszeichnung festhält.

Mondlandung

Vor einer Dekade galt Marc Newsons Werk als Verkörperung des Zeitgeists, tatsächlich ist es vielschichtiger. Newson ist ein Industrial Designer, der nie Design studierte, er ist Silberschmied und absolvierte am Sydney College of the Arts ein Studium von Schmuckdesign und Bildhauerei. Heute wechselt er zwischen schnellen und zeitraubenden Projekten, zwischen dem Entwurf von Industrieprodukten für den Alltag und Objekten, die wie Kunst vertrieben werden. So präsentierte er die limitierte Edition seiner speziell ausgestatteten Version des Sportboots Aquariva in der New Yorker Galerie Gagosian.

Für Newson war die Mondlandung ein einschneidendes Erlebnis. Sie schlägt sich bis heute in seinen Entwürfen nieder. Wichtiger ist ihm der Zusammenhang: "Ich wuchs zu einer Zeit und in einer Gegend auf, in der eine optimistische Grundhaltung gegenüber der Zukunft bestimmend war", erinnert er sich. Anders als heute stellte man sich die Zukunft futuristisch vor. Heute gelte die Zukunft zumindest als unsicher. Besser, man begegnet ihr pessimistisch. Womöglich sei dies die realistischere Einstellung.

Eine Einsicht, die sich allerdings nicht auf Newsons Entwürfe auswirkt. Da man als Kreativer in der Kindheit geprägt werde, sei es für einen Designer "meiner Generation viel einfacher, einen Sinn für Fantasie zu entwickeln." Im mechanischen Zeitalter, ist Newson überzeugt, war dies sehr viel leichter als nun im digitalen, dessen Regeln viel unangreifbarer erscheinen.

Keine Raketenwissenschaft

"Ich bin kein Modedesigner, fand es aber interessant, als ich vom niederländischen Bekleidungshersteller G-Star gefragt wurde, ob ich ein oder zwei Kollektionen entwerfen wolle." Man kann Mode nicht vermeiden. "Für Männer wie mich gibt es zu wenig Auswahl." Ein Argument, das Angebot auszuweiten. "Es ist keine Raketenwissenschaft", sagt Newson, der für EADS schon ein Flugzeug für den Flug in die Stratosphäre entwarf, "aber eine komplett andere Industrie." Newson schätzt den Kontrast zu seinen übrigen Projekten, die im Durchschnitt etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. "Mode ist sehr leicht und schnell." Für die Modeindustrie zu arbeiten gibt ihm Kraft. Designer wie Unternehmen könnten zudem viel von dem Sinn für Dringlichkeit lernen, der in der Mode- industrie vorherrsche.

Als ersten Versuch, ein eigenes Objekt zu schaffen, nennt er die Uhr seines Onkels. Er war höchstens neun Jahre alt, zerlegte sie, gab dem Uhrwerk ein neues Gehäuse aus Kunststoff, das er mit einfachsten Mitteln in Form gebracht hatte. Deckel und Boden versah er mit Plexiglas, damit man hineinsehen konnte. Im Rückblick erklärt Newson, wie wichtig es war, dem teuren Gegenstand respektlos zu begegnen, mit dem Vorsatz, ihn zu verändern. Es war ein typisches Buben-Projekt: "Ich wollte mechanische Zusammenhänge begreifen." Design oder Ästhetik besaßen in Australien zur Zeit seiner Jugend keinen besonderen Stellenwert. Darüber zu träumen, wie Dinge aussehen sollten, war für Newson die relevante Beschäftigung. (Thomas Edelmann/Der Standard/rondo/11/11/2011)

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