Rosarot ist das neue Schwarz

13. November 2011, 20:00
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Warum Männer in Zukunft stricken und Frauen Dauerwellen tragen werden - Kolumne von Stephan Hilpold

Es gehört zu den angenehmen Seiten von Modemagazinen, dass man sich auf sie verlassen kann. Wie auch immer die Großwetterlage ist, die bunten Hochglanzmagazine schauen wohlgemut in die Zukunft. Oder um in der universellen Sprache von Lifestylemenschen zu bleiben: Rosarot ist das neue Schwarz und Blütenweiß das neue Taubengrau. Auch die deutsche Elle beherrscht die Kunst, faltenfrei in die Zukunft zu blicken. In ihrem jüngsten Heft präsentiert das Blatt eine Liste von all dem, "was uns nächstes Jahr begeistern wird." Und da ist einiges dabei, das auf eine wahrhaft kuschelige Zukunft hindeutet. 

Phrophezeiungen

So prophezeit das Modemagazin, dass wir unsere Schals und Topflappen bald selbst stricken werden: "weil es Spaß macht und geradezu meditativ ist!" Es wird uns ein grüner Daumen erwachsen, und wir werden die Vorzüge des guten, alten Briefpapiers wiederentdecken: "schon weil ein bezaubernd gestalteter Umschlag mit elegant geschwungener Schrift glücklicher macht als prosaische Digitalpost." Doch damit nicht genug: 2012 wird auch das Ende des extremen Individualismus einläuten und Platz machen für neue "Geschwister-Gesellschaften, Ehepaar-AGs, Freundschaftsfirmen und Mitarbeiter-Mehrgespanne". Möglich wird das natürlich nur, weil die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau der Vergangenheit angehören wird: "Maskulinität rückt demnächst in den Hintergrund." Und, ach ja, fast hätten wir's vergessen: 2012 ist die Dauerwelle wieder da! Zumindest eine Phrophezeiung, die uns ruhig schlafen lässt. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/11/11/2011)

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    So prophezeit das Modemagazin, dass wir unsere Schals und Topflappen bald selbst stricken werden.

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