Kreative T(r)icks

7. November 2011, 11:47
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Wenn Visionäre Uhren bauen, entstehen oft erstaunliche Zeitmesser - Ihr Ziel: Grenzen zu überschreiten

Innovation ist ein in der Uhrenbranche stark strapazierter Begriff. Doch was gilt tatsächlich als zukunftsweisend? Sind es jene Errungenschaften, welche die Uhrenindustrie zu ihrer Weiterentwicklung benötigt, welche in der Folge auch die Serienproduktion revolutionieren? Zum Beispiel, indem sie die Produktion vereinfachen, die Tauglichkeit neuer Materialien beweisen oder die Präzision erhöhen? Oder sind es jene Kreationen, die Sammler besonders spannend finden? Die Begehrlichkeit eines Zeitmessers richtet sich nicht nur nach seiner Rarität, den ideellen Wert bestimmt auch die zugrunde liegende Idee. Aber nur wenige Ideen erreichen tatsächlich die Serienreife.

Es gibt auch außergewöhnliche Kunstobjekte der Zeitmessung, die ohnehin keinen Anspruch auf Serienreife stellen - wie beispielsweise die Horological Machine N°4 Thunderbolt, kurz HW4, von MB&F. Die Inspiration für diesen ungewöhnlichen Zeitmesser lieferte - unschwer erkennbar - ein Düsenjet. Zwei parallel geschaltete Federhäuser liefern Kraft für 72 Stunden Gangautonomie. Sie treiben über vertikale Räderwerke die beiden Anzeigen (rechts die Uhrzeit, links die Gangreserve) an, die in zwei Gehäusen in Form von Flugzeugturbinen untergebracht sind. Zahlreiche Sichtfenster und Gehäuseelemente aus Saphirglas bieten aus nahezu allen Blickwinkeln Einblick ins Uhrwerk. Die übrigen Elemente des Gehäuses sind aus Titan gefertigt, was die Uhr leichter macht, als sie aussehen mag. Am Handgelenk kann man sich dieses Kunstwerk dennoch schwer vorstellen.

Minutenrepetition

Zurück zur traditionellen Uhrmacherkunst: Zum 80. Geburtstag der Reverso hat Jaeger-LeCoultre eine der faszinierendsten Komplikationen neu verpackt: die Minutenrepetition. Ihr Zifferblatt wird von einer feinen Jalousie aus weißgoldenen Lamellen verhüllt. Schiebt man sie zurück, aktiviert man damit den Klangmechanismus, der die aktuelle Zeit mittels zweier Tonfedern akustisch anzeigt.

Vergleichsweise schlicht wirken die neuesten Errungenschaften von Glashütte Original und von Zenith. Ihre Zielsetzungen unterscheiden sich jedoch grundsätzlich. Die eine bringt die unglaubliche Zahl von 594 Komponenten in ihrem Gehäuse unter, um eine völlig neue Komplikation - einen auf 30 Tage im Voraus programmierbaren mechanischen Termin-Reminder - zu realisieren. Ein zweites Federhaus stellt sicher, dass die Alarmfunktion sogar aufgezogen bleibt, wenn die Gangreserve der Uhr selbst aufgebraucht ist. Die andere beeindruckt durch das genaue Gegenteil: eine drastische Reduktion der Teile. Wie im Mai dieses Jahres im RONDO berichtet (damals gab es allerdings noch kein Foto des fertigen Zeitmessers), entwickelte Ludwig Oechslin, seines Zeichens Museumskonservator des internationalen Uhrenmuseums in La Chaux-de-Fonds einen Jahreskalender, der aus nur neun beweglichen Teilen besteht. Zur Orientierung: Die meisten vergleichbaren Mechanismen bestehen aus 30 oder gar 40 Komponenten.

Transformation

Ein tickendes Chamäleon liefert die kleine Uhrenmanufaktur Parmigiani aus Fleurier. Aus der Idee, eine Uhr zu erschaffen, die sich verschiedenen Situationen im Leben anzupassen weiß, entstand die Tonda Transforma, die als Armband- oder als Taschenuhr getragen und bei Bedarf sogar zur Tischuhr umfunktioniert werden kann. Von jeder Umwandlung unbeeindruckt bleibt dabei das automatische Chronografenkaliber PF 334.

Und so funktioniert die Transformation: Der Gehäusedeckel kann durch Betätigen zweier Drücker auf den unteren Gehäuseanstößen angehoben werden. So lässt sich der Uhrenkorpus herausnehmen und in die Taschenuhrschale aus Edelstahl oder in den Tischuhrrahmen aus Makassar-Edelholz einrasten. Sobald die Uhr eingesetzt ist, wird das Aufzugsystem der Transforma in Gang gesetzt. Am Ende des Vorgangs bringt die Tischpendeluhr die Transforma in senkrechte Lage, um eine bequeme Ablesbarkeit zu gewährleisten. (Ines B. Kasparek/Der Standard/rondo/04/11/2011)

>>>Zur Ansichtssache: Zeitangeber

  • Bei der Charity-Auktion "Only Watch 2011" in Monaco erzielte das Unikat "Flying Panda" das Rekordergebnis von 170.000 Euro.
    foto: hersteller

    Bei der Charity-Auktion "Only Watch 2011" in Monaco erzielte das Unikat "Flying Panda" das Rekordergebnis von 170.000 Euro.

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