Buben, ganz groß

3. November 2011, 17:06
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Anzüge tragen sie normalerweise keine, für uns machten Harum, Magomed, Khaled und Amok aber eine Ausnahme

In der Tiefgarage probierten die vier jungen Männer die schicksten Zweiteiler der Saison – und waren ganz überrascht, wie gut sie ihnen stehen.

Harum Turan (24)
Großvater und Vater kamen in den 1960ern von Bursa in der Türkei nach Österreich, die Mutter kam 1994 nach. Harum ist in Wien geboren. Er studierte Maschinenbau, wechselte vor einem Jahr aber zu Architektur, weil dort seine Kreativität stärker gefordert wird. Diese macht sich auch in seinen Hobbys bemerkbar: Er spielt Gitarre und lernt gerade Klavier. Besonders stolz ist Harum auf seine Lederjackenkollektion, derzeit besitzt er 15 Stück. Nach seinem Studium möchte Harum Erfahrung in einem Architekturbüro sammeln und dann als freischaffender Architekt arbeiten. Sein Lieblingsort in Wien ist eine Bank an der Donau, wo sie genau steht, will Harum nicht verraten: "Dort habe ich das Gefühl, ich schaue aufs Meer."
Harum trägt Giorgio Armani.

Magomed Dadakaiev (21)
Gemeinsam mit seinen Eltern und seinen zwei Brüdern kam Magomed 2003 von Tschetschenien nach Wien. Er machte eine EDV-Lehre und die Matura nach. Jetzt möchte er studieren: Sport und Ernährungswissenschaften und daneben BWL. Sport ist ein wichtiger Bestandteil seines Lebens: Er tanzt Breakdance und betreibt Brazilian Jiu-Jitsu. Nach seinem Studium will er gemeinsam mit seiner Freundin eine Agentur in Wien eröffnen. Derzeit modelt Magomed, um Mode kümmert er sich aber kaum: "Um cool auszusehen genügen eine gute Jeans und ein passender Pullover." Der beste Ort in Wien ist für ihn die Mariahilfer Straße.
Magomeds Pullover, Sakko und Hose stammen von Ute Ploier, die Schuhe von Petar Petrov.

Khaled Mohammadi (17)
Er ist der Jüngste in der Runde – und derjenige, für den auch abseits der Anzüge vieles neu ist. Seit sieben Monaten lebt er in Wien, aus seinem Heimatland Afghanistan musste er flüchten. Über Pakistan, den Iran, die Türkei und Italien kam er nach Österreich, wo auch sein Bruder lebt. Den Krieg hat er hinter sich gelassen, wie es jetzt genau weitergehen soll, weiß er aber nicht. Derzeit besucht Khaled einen Deutschkurs, als Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss, den er nachholen möchte. In Österreich fühlt er sich das erste Mal seit langem sicher und wohl: "Das ist der Grund, warum ich gerne länger hierbleiben möchte." Der Ort, der ihn am meisten begeistert, ist der Stephansplatz.
Khaled in einem Pullover, Anzug und Schuhen von Petar Petrov.

Amok Dadakaiev (18)
Er ist der kleine Bruder von Magomed (Zweiter von links), der zwar einige Zentimeter größer, aber zur großen Freude von Amok etwas schmaler gebaut ist. In zweieinhalb Jahren wird Amok die Matura machen, derzeit besucht er die Abend-Hak. Welchen Beruf Amok einmal ergreifen möchte, das weiß er noch nicht, vielleicht Bankkaufmann oder Immobilienhändler. Auf jeden Fall möchte Amok aber auch in Zukunft in Österreich bleiben. Mit seinem Bruder spricht er bereits jetzt ausschließlich Deutsch: "Ich komme mir komisch vor, wenn ich mit ihm Tschetschenisch spreche." Amoks Lieblingsort ist die Donauinsel.
Hose, Blazer und Pullover stammen von Bottega Veneta, die Schuhe von Petar Petrov.
(Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/04/11/2011)

>>>Zur Ansichssache: Feines Tuch für freche Buben

Fotos: Irina Gavrich

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