Aus Salzbelgien

30. Oktober 2011, 11:20
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Die Stiegl-Brauerei hat erstmals ein belgisches Triple gebraut, Conrad Seidl kostete

Manchen Mengenangaben begegnet der passionierte Biertrinker mit berechtigter Skepsis. Wenn auf einem Bier "Doppelmalz" steht, dann weiß man, dass das eine - wenn auch legale - Täuschung der Verbraucher ist: "Doppelmalz" steht für ein dunkles Bier, das wohl als um vieles süßer empfunden wird, als ein Helles. Aber da ist nicht mehr Malz drin - oft sind überhaupt nur Zucker und Röstmalzbier für Geschmack und Farbe verantwortlich. Auch ein "Doppelbock" ist mit 18 Grad Stammwürze nicht doppelt so stark wie ein einfaches Bockbier, sondern typischerweise etwa um ein Fünftel stärker.

Und wie ist das mit einem "Triple"? Der Begriff verweist nicht auf dreifache Stärke - ebenso wenig wie das "Castlemaine XXXX" viermal so stark (oder gar so wohlschmeckend) wäre wie andere Biere. Aber ein bisschen etwas hat der Begriff Triple (oder flämisch "Tripel") schon mit der Qualität zu tun: Das klassische Beispiel für den Bierstil ist das Tripel aus der Trappistenabtei Westmalle. Dort hat Bruder Thomas, der Mönch, der damals Braumeister war, 1956 das starke goldgelbe Ale mit der Bezeichnung "Tripel" versehen. Er hat damit Triple beziehungsweise Tripel zum Gattungsbegriff gemacht, viele Brauereien haben es ihm nachgebraut.

Pale Ale Malt, Abbey Malt und CaraBelge

Im Mai 2011 hat das auch die Stiegl-Brauerei in Salzburg getan: Für das Magazin "Genuss.bier.pur" wurden in der kleinen Brauanlage von Stiegls Brauwelt vier Sude mit Pale Ale Malt, Abbey Malt und CaraBelge eingebraut, mit einer in der Wyeast-Hefebank hinterlegten belgischen Abteibierhefe vergoren, mit Kandiszucker aufgekräust und schließlich auf 3500 nummerierte Flaschen des "Triple Blond" gefüllt.

Dieses salz-belgische Bier hat 9,8 Prozent Alkohol, ist mit seiner kräftigen Bernsteinfarbe deutlich dunkler als das stilprägende Referenzbier aus Westmalle - steht aber mit seinem fruchtigen und ein wenig an Leder erinnernden Duft, bei dem leichte Gewürzaromen der Hefe durchklingen den belgischen Vertretern des Stils nicht nach. Der leicht süßliche Eindruck in der Nase setzt sich im vollmundigen Antrunk fort, ohne allzu aufdringlich zu werden. Überraschend ist, wie trocken der Nachtrunk wirkt: Obwohl das Bier noch relativ jung ist (die angegebene Haltbarkeit von fünf Jahren ist nur ein Richtwert) ist es schon sehr balanciert. Und mit neun Euro pro Flasche sein Geld wert. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/28/10/2011)

  • Dieses salz-belgische Bier hat 9,8 Prozent Alkohol, ist mit seiner kräftigen Bernsteinfarbe deutlich dunkler als das stilprägende Referenzbier aus Westmalle.
    foto: hersteller

    Dieses salz-belgische Bier hat 9,8 Prozent Alkohol, ist mit seiner kräftigen Bernsteinfarbe deutlich dunkler als das stilprägende Referenzbier aus Westmalle.

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