Hauptrolle Schwarz

21. Oktober 2011, 14:29
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Schwarz ist keine Farbe, sondern das Fehlen von Licht - Genau das inspiriert Mode, Make-up und sogar die Hautpflege: Denn nachts, ohne Licht, regeneriert sich der Mensch

Es gibt Wissenschafter, die sind auf der Suche nach dem schwärzesten Schwarz der Welt. Britische Forscher entdeckten einen Schmetterling, dessen Flügel diese Anforderung erfüllen. Als sie diese näher untersuchten, stellten sie fest, dass an deren Oberfläche kleine Nanoröhrchen angebracht sind, die das Licht schlucken. Die Forscher bauten diese Schmetterlingsflügel nach. Plötzlich hieß es, es sei gelungen, "die Dunkelheit zu kontrollieren". Genau das ist ein alter Menschheitstraum, existierte Schwarz doch schon, "bevor Gott das Licht schuf". Deshalb stand die Nichtfarbe lange Zeit für Tod, Trauer und Nichts.

Das hat sich grundlegend geändert, und Modeschöpfer wie Yves Saint Laurent waren dafür die Pioniere. "Es gibt nicht nur ein Schwarz, sondern viele", ist einer seiner berühmten Sätze, den er am Tuxedo, dem Smoking für Herren und Damen, exemplifizierte: matt, glänzend und samtig. Schwarz in all seinen Spielarten inspiriert auch seine Nachfolger. Konkret Lloyed Simmons, der sich in seiner Make-up-Kollektion "Noir terriblement" am Tuxedo inspiriert, dunkel geschminkte Smokey Eyes propagiert und seine Shocking-Mascara-Serie in sechs Schwarztönen präsentiert. Die verschiedenen Nuancen entstehen durch das Beimischen entsprechender Mineralien.

Vornehme Blässe

Vielfalt in den dunklen Nuancen ist auch bei Biosthétiques diese Saison ein Schlüsselelement, und auch Marken wie Estée Lauder, Guerlain oder Mac weisen Schwarz eine Hauptrolle zu. Der Grund: Die Abwesenheit von Farbe, also Schwarz, rückt alles rundherum in ein neues Licht. Mit Smokey Eyes und balkenbreiten, mutigen Lidstrichen kommt das Weiß der Augen besonders gut zur Geltung, aber auch die Hände bekommen durch dunklen Lack wie etwa von Chanel (aber genauso von YSL und Estée Lauder) eine vornehme Blässe - dafür bleiben die Lippen eher farblos dezent.

Dramatisch und für den Abend ist das ein gutes Konzept, zumindest wenn man sich am schwarzen Schmetterling orientiert. Dessen Flügel haben die Funktion, das Blau auf seinem Rücken besonders gut zur Geltung kommen zu lassen, und das wiederum heizt den Paarungsprozess an.

Die Abwesenheit von Licht spielt für den Menschen aber noch in einer ganz anderen Hinsicht eine wichtige Rolle: In der Dunkelheit regeneriert sich der Organismus. "Bei Menschen mit Schlafstörungen kann oft ein zu helles Schlafumfeld die Ursache sein", sagt Birgit Högel, Leiterin des Schlaflabors an der Uni-Klinik in Innsbruck, denn in der kompletten Finsternis regeneriert sich auch die Haut. Dieser natürliche Anti-Aging-Prozess ist auch der Grund dafür, warum viele Nachtcremen in schwarzen Tiegeln verpackt werden.

Pflaster gegen Falten

Die einzig tatsächlich auch schwarze Gesichtscreme-Serie ist "Le Soin Noir" von Givenchy, hier färben schwarze Algen nun auch das neue Serum ein und gestalten das abendliche Pflegeritual aufregend. In der Nacht jedenfalls findet vor allem auch die Kollagenproduktion statt, und deshalb preist Helena Rubinstein ihre Nachtpflege "Re-Plasty" als Pflaster gegen Falten an.

Aber einmal ganz abgesehen davon: Ausreichend Schlaf in dunkler Nacht ist und bleibt das effizienteste Schönheitsmittel: Schwarz macht doppelt schön. (Karin Pollack/Der Standard/rondo/21/10/2011)

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