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Nimmt man zwei bis fünf Gramm der Samen der Herbstzeitlose zu sich, hat man bald seinen letzten Atemzug getan.
Liebevoll schien ihre Grabpflege. Und im Oktober blühten die Herbstzeitlosen zartviolett im kleinen Beet vor dem polierten Grabstein. Die Herbstzeitlosen Colchicum autumnale gehören zu den entzückendsten Vertretern, die uns der Vorbote des Winters in die Landschaft steckt. Ihr Violett, manchmal auch Rosa, ist hell, die Staubblätter und Griffel stehen in einem Sonnengelb kontrastierend darüber, und das Gesamtkunstwerk ruht auf einem filigranen weißen Stängel von acht bis dreißig Zentimetern Höhe.
Der Stängel ist aber kein Stängel, sondern eine von den Blütenblättern geformte, zusammengewachsene Röhre. Der Fruchtknoten liegt unter der Erde, und die Pollen, die im Rahmen der Bestäubung auf die Griffel gelangen, müssen den langen Weg bis zum Fruchtknoten hinunter durchhalten. Dazu werden die Pollenkörner vom Griffelgewebe ernährt, um für den finalen Akt der unterirdischen Befruchtung noch ausreichend fit zu sein.
Erfolgreiche, unterirdische Befruchtung
Unterirdisch bleiben die ausdauernden Teile der Herbstzeitlose auch in den für sie ungünstigen Jahreszeiten des Frosts, und sie darf sich aus diesem Titel heraus auch als Geophyt bezeichnen. Im folgenden Frühjahr sieht man dann das Resultat erfolgreicher, unterirdischer Befruchtung - eine grundständige Laubblattrosette mit einer Kapselfrucht, leider dem Bärlauch nicht ganz unähnlich. Die Kapsel beherbergt kleine, dunkle Samen, welche in erster Linie von Ameisen verbreitet werden. Fette, feuchte Böden, Lehm und Ton und ein wenig Windschutz in den hohen Wiesen - mehr braucht dieses Liliengewächs nicht, um sich wohlzufühlen. Geht es der Pflanze gut, geht es mitunter dem Menschen schlecht. Denn die Herbstzeitlose trägt nicht von Ungefähr ihren Namen Colchicum.
Sie steht Pate für ein Gift, ein tödliches Gift, nimmt man zwei bis fünf Gramm der Samen zu sich. Nach ein paar Stunden fällt das Schlucken schwer, Mund und Rachen brennen, kratzen, und der Körper versucht unter Krämpfen, das Gift wieder loszuwerden, und zwar oben wie unten; mitunter blutig. Der Kreislauf sackt zusammen, die Körpertemperatur sinkt, und nach nur ein bis zwei Tagen Angst, Schwindel, Delir, und das bei vollem Bewusstsein, stirbt man dann. Atemlähmung wird auf dem Totenschein stehen.
"Bärlauch-Salat"
Der Wirkstoff Colchicin hat es in sich. Durch seine Struktur ist es ihm möglich, im Rahmen der für Wachstum verantwortlichen Zellteilung einzugreifen. Erst verdoppeln, dann fair teilen und sich schlussendlich abnabeln, so funktioniert Zell- und somit Pflanzenwachstum. Das Colchicin aber verhindert, dass das Erbmaterial, welches bereits in doppelter Zahl vorliegt, fein säuberlich getrennt und an die gegenüberliegenden Zellpole gezogen wird. Dadurch entstehen Zellen mit doppeltem Erbgut. Auch gut, meinen die Botaniker, denn so könne man besser damit arbeiten und neue, transgene Pflanzenrassen züchten oder Saatgut aus Mikrosporenkolonien gewinnen.
In der Medizin hat Colchicin auch seinen Platz, es wird noch gelegentlich bei Gichterkrankungen eingesetzt. Wenn aber in ungefähr einem halben Jahr wie jedes Jahr der Frühling beginnt und die Städter nach Bärlauch gieren, werden erneut einige untreue Gatten, manch Familientyrann und andere Ahnungslose einen "Bärlauch-Salat" serviert bekommen, und nur die Herbstzeitlosen auf ihren Gräbern werden den Kennern ein stiller, fragil blühender Hinweis darauf sein, wes Wesen der nun faulige Leichnam da unter der Erde war. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/21/10/2011)
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Naja, ob Sie in einem solchen Fall Angst haben, liegt ganz bei Ihnen. Sonst stimmt es schon (obwohl ich glaube, Nierenversagen ist die unmittelbare Todesursache).
Colchicin-Vergiftung ist kaum zu behandeln; außer Händchenhalten und ein bißchen symptomatischer Therapie (Flüssigkeit, Ruhe, Sauerstoff und anderes unspezifisches Zeug) ist da nichts möglich. Wenn das Multiorganversagen einsetzt, kann man es mit Standard-Intensivmedizin versuchen, aber es bringt kaum etwas.
Manche überleben es. Aber nicht wegen der Behandlung, sondern aus purem Glück. Die tödliche Dosis liegt bei 10 bis 100 mg, ist also individuell ziemlich variabel.
Der Name Colchicin leitet sich übrigens von Kolchis ab, der Heimat der giftkundigen Medea.
Es gibt vereinzelt noch Dinge, die zersetzen dich einfach, und die Medizin ist ziemlich machtlos: Schmerzen stillen, beruhigen, warten.
Wer etwa versucht, sich mit Schmerzmitteln umzubringen, hat öfter Erfolg als man denkt -- weil bestimmte Schmerztabletten extrem auf Magen, Leber, Niere gehen und man dann halt ein paar Jahre später kein Implantationsorgan kriegt.
"Wenn aber in ungefähr einem halben Jahr wie jedes Jahr der Frühling beginnt und die Städter nach Bärlauch gieren, werden erneut einige untreue Gatten, manch Familientyrann und andere Ahnungslose einen "Bärlauch-Salat" serviert bekommen, und nur die Herbstzeitlosen auf ihren Gräbern werden den Kennern ein stiller, fragil blühender Hinweis darauf sein, wes Wesen der nun faulige Leichnam da unter der Erde war."
na servas. nur weil ein satz sehr lang ist, muss er nicht unbedingt gut sein.
erhellend und erheiternd rüberkommt: Im Artikel geht's um etwas anderes...
Vielleicht können Sie Ihre Wallungen auf DieStandard.at loswerden? Dort finden Sie -reziprok geprägt- ähnlich fixierte Gemüter.
100% Frau, obwohl mir das aufgrund meines Humors von solchen, die nur mein Schreiben kennen, oft nicht geglaubt wird! :-) Und auch, weil ich nicht sofort empathisch mit Frauen mitbrülle, sondern Dinge immer von vielen Seiten zu beleuchten versuche, bei solchen Dingen bin ich wohl ziemlich "unweiblich". Ich mag auch kein Zusammenrotten und Herdentriebe und gehe nie mit Freundinnen gemeinsam aufs Klo. :-)
"mag auch kein Zusammenrotten und Herdentriebe und gehe nie mit Freundinnen gemeinsam aufs Klo"
DAS sind typisch weibliche Eigenschaften? Da sieht man wieder mal, wie unaufmerksam Mann durchs Leben geht.
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