Brewpubs

14. Oktober 2011, 17:17
  • Die Geschichte von Jeremy, vulgo "Jem" Welfeld, und seiner "Jem's Beer Factory" wird hier vor allem deshalb erzählt, weil Jem vormacht, wie man sich auf konservativen Biermärkten durchsetzt.
    foto: hersteller

    Die Geschichte von Jeremy, vulgo "Jem" Welfeld, und seiner "Jem's Beer Factory" wird hier vor allem deshalb erzählt, weil Jem vormacht, wie man sich auf konservativen Biermärkten durchsetzt.

Conrad Seidl ist nicht nur von den heimischen Gasthaus-Brauereien enttäuscht

Jem Welfeld hat es ja selber auch gemerkt: Der durchschnittliche Gast wünscht sich ein durchschnittliches Bier. Weil er nichts Besseres kennt. Der junge Brauer reagiert auf diese einfältige Kundenerwartung gewitzt - und serviert all jenen, die einfach ein helles Bier wollen, sein Pilsner. Wahrscheinlich das hopfigste im ganzen Land.

Das Land, das ist Israel - und die Geschichte von Jeremy, vulgo "Jem" Welfeld, und seiner "Jem's Beer Factory" wird hier vor allem deshalb erzählt, weil Jem vormacht, wie man sich auf konservativen Biermärkten durchsetzt. In Israel ist die Welle der Gasthausbrauereien mit beinahe zwei Jahrzehnten Verspätung angekommen - und all die Fehler, die schon im deutschen Sprachraum gemacht wurden, sind hier getreulich wiederholt worden: Die meisten Betreiber von Gasthausbrauereien haben die Idee aus den USA übernommen, den dort üblichen Mut zur Innovation aber nicht mitimportiert. Deshalb sind die Biere von Gasthausbrauereien, die sich mehr oder weniger deutlich auf deutsche Brautraditionen berufen, auch so fade: Man braut ein Helles, ein Dunkles und allenfalls ein Weizenbier.

Begeisterung der Betreiber

Derartige Gasthausbrauereien findet man auf der ganzen Welt, in den vergangenen Monaten hat man solche Etablissements nicht nur bei uns, sondern in so unterschiedlichen Ländern wie Tschechien, Tunesien, Deutschland und eben jüngst in Israel erlebt. Das Tragische ist: Deren Biere können qualitativ selten mit den allzu gut vergleichbaren industriell hergestellten Bieren mithalten.

Brewpubs nach amerikanischem Vorbild funktionieren ganz anders: Sie leben von der Begeisterung ihrer Betreiber, radikal anders zu sein als alle kommerziellen Vergleichsprodukte. Sie folgen Qualitätsstandards - aber eben nicht jenen der Industrie und auch nicht jenen der durch Biere aus Großbrauereien abgestumpften Konsumenten. Der eingangs erwähnte Jem Welfeld hat das in seinem Geburtsland USA gelernt und setzt es nun in Israel um - während die meisten seiner Kollegen sich damit begnügen, deutsche Lagerbiere nachzubrauen. Jem braut auch welche - aber eben im Fall des Pilsners mit extremer (aber dennoch nicht aufdringlicher) Hopfenbittere. Sein Brewpub in der Nähe von Tel Aviv sieht aus, als stünde es in Kalifornien. Und seine Ales schmecken erst recht danach. Und nicht nach Gasthaus. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/14/10/2011)

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23 Postings
Bitte, bitte, bitte

mehr Pale Ales in Wien anbieten.
Hab Selten so was leckeres getrunken.
Bestes Bier ever...Fat Yak aus Australien.

in wien und umgebung werden sie diesbezüglich sowieo nicht schlecht bedient, es gibt spezialitätengeschäfte, wie bierothek, biererei, bierimperium, den ammersin, kleinbrauer wie 7*, 1516, biermanufaktur korneuburg, bierzauberer, leider mus man dafür halt ein wenig herumreisen....

Bierpapst Seidl ist Testimonial für Budweiser. Wettert er vielleicht deshalb so gegen kleine Brauereien?!

klein bedeutet nicht automatisch qualität.

1.) Groß bedeutet ebenfalls nicht automatisch Qualität.

2.) Ich finde es GERADE von jemanden, der sich Bierpapst nennen will, sehr zweifelhaft, wenn man ALLE undifferenziert in einen Topf wirft ("Conrad Seidl ist nicht nur von den heimischen Gasthaus-Brauereien enttäuscht") und ihnen den Mut zur Innovation abspricht. Ich glaube, dass jede Wirtshausbrauerei (speziell am Land) am besten weiß was ihre Gäste mag und was nicht. Die Qualität (= sauberes Arbeiten) sollte auf jeden Fall stimmen. Jetzt da aber großartig zu experimentieren ist für viele kleine Brauer aber einfach nicht drinnen wenn dann der Absatz fehlen könnte (weil z.B. ihre Gäste das nicht annehmen whatever).

Bierpapst
00
28.10.2011, 22:14

Nur um es festzuhalten: Ich werfe eben nicht alle in einen Topf, sondern unterscheide zwischen denen, die einfach ein Gasthausbrauerei-Konzept umzusetzen versuchen und dabei Industriebiere schlecht nachbrauen und Brewpubs, die geschmacksintensive Biere brauen und dafür auch ein neues Publikum gewinnen. Jem's ist ein sehr gutes Beispiel für die zweite Kategorie. Und es dürfte einen Grund geben, warum ich in der 1516 Brewing Company Stammgast bin...

Vor allem will der durchschnittliche Gast kein Bier um 4-5 Euro...

Gutes Bier ist ja in Ordnung, kostet aber doch um einiges mehr...

Wo gibt's denn in Wien ein anständiges Hacker-Pschorr, wobei ich aber ausdrücklich nicht das Weizenbier meine!

hacker pschorr braucht in münchen kein mensch. also warum wien.

Bierteufel schon probiert?

Im Salzberg das Zwickl.

das problem vom salzberg ist halt das essen.

Weiß ich nicht. Um das zu testen war ich bislang nicht mutig genug.

danke euch beiden!

Das industrielle Bier in den USA ist ja auch um Längen schlechter als das europäische, da ist viel einfacher sich positiv abzuheben.

Bierpapst
00
28.10.2011, 22:17

Das ist ein sehr gutes Argument. Aber es darf nicht als Ausrede verwendet werden, dass man leider, leider fade Biere brauen muss, weil das Publikum eben zu wenig Sinn für das wirklich Besondere hat.

Also ich weiß nicht

Die beiden mir bekannten und frequentierten Brew-Pubs (7* und Brewing Company) haben ein großes und ausgefallenes Biersortiment(7* 7 Biere darunter
Rauch- und Hanfbier, Brewing Company IPA, Stout u.s.w)
Die Biere sind nach meinem Dafürhalten besser als vergleichbare im Handel erhältliche . Beide Lokale werden vom Bierpapst in seinem Bierguide mit
der Höchstwertung von 5 Krügeln ausgezeichnet.
Darum frage ich mich, ob es wirklich so viele schlechte Bierpubs gibt (welche in Ö?), und es nicht lohnender wäre gegen sterile Massenbiere a la Heineken anzuschreiben.

Der konservative Biergeschmack vieler(Bier= helles Lager) ist aber wirklich ein Problem.

Die "sterilen Massenbiere" vom Schlage eines Heineken haben viel an Qualität dazugewonnen, seit es sich nicht mehr um die Export-Variante handelt sondern zwar nach Rezept, aber mit heimischen Zutaten (mmmh, Hochquellwasser) vor Ort gebraut wird.

Im Übrigen lustig, wie das holländische Bier mit grüner Flasche und guter Werbung trotz seines - gerade eisgekühlt recht angenehm herben - Geschmacks als Gerstensaft des Teufels angesehen wird, während man das freunderlbewirtschaftete wiener Pisswasser mit keinem Wort erwähnt und das 16er Blech stattdessen als Kulturgut ansieht. Wenn sowas Kultur sein soll sind Hopfen und Malz schon lange verloren. Das würde wenigstens den fahlen Geschmack erklären...

Fischerbräu ist zumindest vom selbstgebrauten Bier empfehlenswert.

Habe ich auch gehört.

empfehlenswert durchaus

... aber viel mehr als ein helles, ein bock und ein weizen werden dort auch nicht angeboten (oder hat sich da seit meinem letzten besuch was getan?). wer einfach nur ein gutes bier will, der wird dort glücklich ... für ein aussergewöhnliches bier muss man aber woanders hin.

geh bitte

die gasthausbrauer sparen einfach eine braustufe ein. Weniger Energie, leichteres Bier, mehr Ausschank bei weniger Volltrunkenen. Kleinere Anlagedimensionen. Unterm Strich: es bleibt dem Wirt mehr Geld. Mit der Finanz kann er obendrein noch ein wenig jonglieren.
Um hierzulande mit einem Import- Pilsener zu konkurrieren, bräuchte es deutlich mehr an Einsatz, um bei höherem Preis Neugier und dann Vertrauen der Kunden erstmal zu gewinnen.

Das stimmt so nicht!

Gasthausbrauereien verzichten in der Regel auf die
Filterung, d. h. alle Biere sind Zwickl, auch wenn sie
nicht so heißen.

Die Biere sind aber deswegen nicht leichter. Ich gehe davon aus, dass Sie noch nie in einem Brewpub/Gasthausbrauerei waren, und nur irgendwelche Vorurteile wiedergeben.

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