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Gartenfreunde wollen ihr Expertenwissen gerne teilen. Deswegen gründen sie Vereine wie die Royal Horticultural Society.
Die Scholle wölbt sich. Er rumort im Boden. Langsam bricht die Krume auf, einige Kiesel und lehmige Erdklumpen rollen zur Seite, und man erkennt bereits ganz deutlich den Hut von Sir Richard Attenborough. Langsam schiebt er, Richard, sich ans Licht, dreht sich aus dem Erdreich, klopft sich ab und berichtet, was er so unter der Erde alles entdeckt hat. Ein Biologe halt, ein verquerer Spinner, der die Menschheit mit seinem Faible für das Belebte unterhalten möchte. Und es gelingt ihm.
Menschen unterhalten sich gerne. Über das Wetter, den Stuhlgang und den Posten vom Nachbarn. Und genau da unterscheiden sich die Gartlerinnen und Gartler von den Restmenschen. Ihnen sind Wetter, Stuhlgang und Posten vom Nachbarn aber so was sternrußtauig, dass sie darüber kein Wort verlieren. Das kostet nämlich nur Zeit, und diese braucht der Gartenfreund für Gespräche über den Garten. Und wenn sich Menschen erst einmal monothematisch aufheizen, ja geradezu aufgeilen, dann klimaxt dies meist in einer Vereinsgründung. Und ganz ehrlich: Wo, wenn nicht auf der dauerlauen Regeninsel Großbritannien sollte dies das erste Mal geschehen sein? Eben, und schon ist die Royal Horticultural Society konstituiert. Diese Gesellschaft nennt ihr Treiben "gardening charity" und möchte die Gartenbaukunst voranbringen und gutes Garteln vermitteln.
Gartenthemenklassiker
Sie möchte Menschen helfen, ihre Leidenschaft für Pflanzen weiterzugeben, sie zu Exzellenz beim Garteln ermuntern und natürlich auch die erstmals nur Interessierten inspirieren. Sie bitten um pekuniäre Unterstützung und Volontariate und, quasi gleich jeder anderen Kirche, setzen sie einen Schwerpunkt bei den Kindern, damit diese nur ja rechtzeitig indoktriniert werden. Wer jetzt nicht die Bundesstelle für Sektenfragen kontaktiert, ist bereits einer von ihnen und sollte sich rasch einem Exorzismus unterziehen lassen. Die Betonierer erledigen dies gerne.
Deutlich weniger heftig und ungleich sympathischer kommen die Gartenfreunde von Acanthus rüber, einem privaten Club in Wien für gärtnerisch tätige Menschen, die nach Gleichgesinnten suchen. Einmal pro Monat kommen die Mitglieder zusammen und tauschen sich beim Wirten über Gartenthemenklassiker aus. Aber auch Ausflüge werden organisiert, vom Eintäger in Niederösterreich bis hin zu vier Tagen Gartenreise nach Nordrhein-Westfalen und Holland.
Mindestens so wichtig (und das kommt nicht von Wicht) ist der Gartenpolylog, ein Verein, der sich zum Ziel macht, interkulturelle Gemeinschaftsgärten zu initiieren, beziehungsweise bestehende Gemeinschaftsgärten zu vernetzen. Aber die Mutter aller Vereinigungen ist gerade erst im Entstehen und feiert am 3. November die Kick-off-Veranstaltung im Biozentrum in der Althanstraße.
Gesamte Welt der Wissenschaft
Drei Generationen Biologie-AbsolventInnen treffen einander da erstmals, hören den bekanntesten, aber auch den erfolgreichsten Biologen im Rahmen ihrer Reden und Diskussionen zu und tauschen sich im Anschluss aus - worüber ist wohl klar: Ganz egal, welche Fachrichtung studiert wurde, im Garten findet sich die gesamte Welt der Wissenschaft wieder. Ich zum Beispiel werde Bürgermeister Häupl fragen, ob man Eidechsen gegen die Dickmaulrüssler einsetzen kann; werde Intercell-Mitbegründer Alexander von Gabain drängen, doch endlich eine Sternrußtau-Impfung für Rosen voranzutreiben, und werde natürlich den weltberühmten Botaniker Professore Friedrich Ehrendorfer bitten, mir bei Gelegenheit ein paar Ableger seines nach ihm benannten Erdrauchgewächses Ehrendorfia mitzugeben. Tja, Richard und Royals, Bio-Alumnus und Alumna müsste man sein ... (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/14/10/2011)
Tipps für einsame GartlerInnen
www.rhs.org.uk
www.acanthus.at
www.gartenpolylog.org
www.alumni.ac.at/biologie
Bohne, Zucchini und Kürbis brauchen eine Stütze - Die ist ihnen der Gärtner, der im Mai ausreichend Rankhilfen aufstellt, weil das junge Gemüse sonst bald den Kopf hängen lässt, weiß Gregor Fauma
Jetzt ist der Moment, um Rosen an Land auf Pilzbefall zu untersuchen und für neue Seerosen ein passendes Gewässer zu finden
Die Eisheiligen stehen vor der Tür. Welches junge Gemüse trotzdem schon hinausdarf und was besser im Haus bleibt, weiß Gregor Fauma
Der Nachbar wird schön schauen: Wegen der Hortensien ums Hochbeet sieht er bald nicht mehr in Ihren Garten! Einige Anregungen, die zu Freude und Erfolg führen mögen.
Autochthone Pflanzen wie die Clematis können mit Frostattacken im April eh gut umgehen - Exotische Schönlinge brauchen halt momentan ein wenig mehr Aufmerksamkeit, weiß Gregor Fauma
Ein Hochbeet schont den Rücken, nicht das Geldbörsel - Es sei denn, man greift zu Hammer und Nägeln anstelle von großteils hässlichen Fertigsets, meint Gregor Fauma
Guter Dünger muss reifen wie Wein, aber bei einem Verschnitt aus Ästen und Gras kann man nachhelfen
Viel Platz unter der Sonne und reichlich Wasser will der Krautstiel - Er dankt's dem Beilagenesser mehrfach in einer Saison mit üppigen Ernten, weiß Gregor Fauma
Advent und Wohltätigkeit gehören zusammen. Charity im eigenen Garten ist, wenn man dem Lieblingsstrauch die (Schnee-)Last nimmt und alle Stauden stützt, meint Gregor Fauma
Wie feucht und sandig mag's die Fragaria? Die Antwort auf genau diese Frage ist eine süße Denksportaufgabe, meint Gregor Fauma
Solange die Böden noch nicht gefroren sind, heißt es: dick anziehen und großzügig sein mit Blumenknollen - Das freut natürlich auch den einen oder anderen Nager, der dafür selbstlos die Erde lockert
Los geht's: Rasch das alte Laub aus den Gartenschlapfen beuteln und sofort draußen klären, was die Pflanzen bald schon brauchen werden
Tropische Pflanzen wie die Engelstrompete wachsen auch in den südamerikanischen Bergen - Minusgrade, nur für kurze Zeit, machen sie sogar robuster, meint Gregor Fauma
Der Gewöhnliche Steinklee macht etwas Ungewöhnliches: Er faltet seine Blätter vor dem Schlafengehen, um uns den nächsten Tag zu versüßen - Womit, verrät Gregor Fauma
Für Gärtner ist der November ein Glücksspiel: Friert es, gibt es hohe pflanzliche Verluste zu beklagen - Auf Sicherheit spielende Outdoor-Experten setzen dagegen das herumliegende Laub einfach als Thermojacke ein - Eine warme Empfehlung von Gregor Fauma
Dem Gärtner stinkt die frühe Dämmerung, er steckt die Zehen in den Boden: Tipps für den Knoblauchmonat Oktober von Gregor Fauma
Schicht für Schicht abwechselnd Trocken- und Grünzeug übereinanderlegen: Das hat sich auch beim Komposthaufen bewährt - Faule Tricks von Gregor Fauma
Der Herbst ist der Höhepunkt des Gartenjahres - so zur rechten Zeit vorgesorgt wurde
Stellen Sie sich vor, Sie sind Psychiater, und ein Garten kommt zu Ihnen - Redet er ständig vom Dachs, hat er keinen Dach(s)schaden - Das Problem liegt tiefer. Also beim Boden, meint Gregor Fauma
Das Nachtschattengewächs mit dem heißumstrittenen Namen wird gern auf dem Balkon gezogen - Gregor Fauma über Theorie und Praxis der Tomate
Die Kiwi und ihre Klischees: Die populäre Neuseeländerin ist in Wahrheit gebürtige Chinesin, und dass sie in Österreich nicht reifen mag, ist auch Blödsinn
Wenn die Groupies kommen, kriegt Gregor Fauma zwar Schampus verehrt - aber anstrengend ist es schon
Zurückstutzen oder wuchern lassen? Das ist die Frage, die über die Süße der Trauben entscheidet - Gregor Fauma gibt Tipps für die Rebenpflege
Dass der Wind noch selten etwas Gutes gebracht hat, können Gärtner aus ganzer Seele bestätigen - Gregor Fauma über den Feind der zarten Blüte
Erschöpfend war das Nichtstun des Sommers, jetzt aber darf Gregor Fauma umso intensiver garteln
Dort gibt es Billigflieger, Beziehungen, Musik-Downloads, Lotto, Stellenmarkt, Shoppen, aber kein, - ich betone, - nicht das kleinste Bisschen Garten.
Sehr enttäuschend.
Und nichts gegen die vorbildliche RHS, aber warum läßt der Faum ausgerechnet einen der ältesten Vereine dieses Landes aus, die 1827 als K.K. Gartenbaugesellschaft gegründete, überaus löbliche Österreichische Gartenbaugesellschaft?
Sie wissen schon, - der Verein, nach dem das Gartenbaukino benannt ist?
Die haben nicht nur eine wirklich beeindruckende Gartenbibliothek, die in Österreich ziemlich einzigartig ist, sondern bieten ständig Fachseminare von Kompstwirtschaft über Orchideen und Ikebana, bis bis zum Obstbrennen an.
an Stelle von acanthus.at.
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