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Wer wissen will, wie ein iPhone aussieht, wenn man mit dem Hammer draufhaut: Künstler Michael Tompert zeigt es uns.
Wer dieser Tage nach Hamburg pilgert, um Apple-Produkte anzusehen, hat die Wahl zwischen Shop und Museum. Seit Mitte September gibt es auch am Jungfernstieg einen Apple-Store, den derzeit größten in Deutschland. Der Unterhaltungselektronik aus Kalifornien wichen in bester Innenstadtlage ein Juwelier und ein Modehaus.
Nur eineinhalb Kilometer entfernt, Richtung Hauptbahnhof, sind derzeit weitere Apple-Produkte zu bewundern. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) zeigt "Stylectrical - Elektrodesign, das Geschichte schreibt". Auf das Ableben von Apple-Boss Steve Jobs reagierte man kurzerhand mit der Installation eines Computers, dessen Bildschirm ein Foto des Apple-Gründers und die Jahreszahlen 1955 und 2011 zeigt.
Anders als im Apple-Store werden vorwiegend historische Gerätschaften präsentiert. Obwohl man an allen Computern, Smartphones, Laptops und Musikplayern ebenso nah wie im Verkaufslokal vorbeigehen und sie jederzeit anfassen könnte, gilt hier die Devise "Bitte nicht berühren!".
Form und Materialität von Gehäusen
Alles, was das Unternehmen aus Cupertino von seinen Konkurrenten unterscheidet, wird ausgeblendet. Stattdessen beschränkt man sich im MKG auf einen höchst traditionellen Designbegriff. Gestaltung ist demnach vor allem eine Tätigkeit, die sich auf Form und Materialität von Gehäusen beschränkt. Gerade was Apple betrifft, eine mehr als kuriose These. Besteht doch dessen Anziehungskraft aus einem durchgehend gestalteten Nutzer- und Einkaufserlebnis, das Hardware, Software und Shops im Internet wie im Stadtraum, das Werbung, Produkt, Kauf und Nutzung zu einem ästhetischen Ganzen verschmelzen lässt.
Gezeigt wird eine Sammlung nahezu sämtlicher Geräte, die Apple zwischen 1997 und 2011 auf den Markt brachte. Das Museum hat sie trotz großer Geldnöte mit Mitteln mehrerer Stiftungen erworben und von einigen Privatsammlern ausgeliehen. Wie auch die Ausstellung i-Kosmos über Macht, Mythos und Magie einer Marke, die im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt zu sehen war (RONDO berichtete), wurde die Hamburger Schau nicht von Apple unterstützt.
Ausgangspunkt der Schau war die Idee der Kuratorin Grätz, die im Netz kursierenden Bildvergleiche zwischen manchen Produkten der Firma Braun aus den 1950er- bis 1980er-Jahren mit denen von Apple seit etwa 2000 auf ihren realen Gehalt hin zu überprüfen. Eine wunderbare Idee, wie sich in der Ausstellung zeigt. Denn die Gegenüberstellung beispielsweise des Weltempfängers T 1000 aus dem Jahr 1968 mit seinem charakteristischen Gehäuse aus Aluminium und dem Apple Power Macintosh G5 von 2003 aus dem gleichen Material lässt tatsächlich Parallelen wie auch Unterschiede erkennen. Das querformatige weiße Braun Taschenradio T 3 von 1958 muss man schon auf die Schmalseite stellen, um es mit dem ersten iPod von Apple aus dem Jahr 2001 zu vergleichen. Und doch: Wie man mit den richtigen Proportionen und Radien eine Qualitätserwartung wecken kann, das beherrscht Ive wie zuvor Rams.
Ausstellungsbesuch via App
Schade an der Hamburger Ausstellung ist, dass ihre Macher Objekte anhäuften, ohne deren Geschichte zu verknüpfen. Es wird eine lange Reihe von mobilen Musikgeräten gezeigt, deren Anfänge auf das Transistorradio zurückgehen. Auch der erste MP3-Player der Welt, hergestellt von einem Unternehmen aus dem Schwarzwald, später vermarktet von Grundig, ist zu sehen. Doch die Analyse, warum dieses von Ingenieuren zusammengeschusterte Teil sich nicht durchsetzte, unterbleibt.
Auch intensiver Vermarktungsdrang gehört zum Konzept dieser Ausstellung. So durfte das EPEA-Institut von Cradle to Cradle Erfinder Michael Braungart eine Ausstellungsinsel mit von ihm positiv bewerteten Produkten beisteuern. Von Apple wurde man bislang nicht beauftragt, weshalb EPEA zu den Inhaltsstoffen von Apple-Produkten keine Aussage macht. Was die kompakte Schau dennoch sehenswert macht, sind einige der Video-Interviews, die Kuratorin Ina Grätz mit Designern und Unternehmern führte, etwa mit dem Springer-Verlag-Chef Mathias Döpfner. Und auch die Objekte selbst, ob nun erklärt oder nicht, selbst in banaler Reihung sind sie noch immer mehr als sehenswert.
Wer es bis 15. Jänner nicht nach Hamburg schafft, kann die Ausstellung auch über eine App besuchen, für 0,79 Euro im iTunes-Store sind etliche Exponate der Ausstellung zu sehen. Zudem bietet die App Audiokommentare und Texte zu Objekten und Themen der Hamburger Schau. Auch andere Abteilungen des sehenswerten Museums werden kurz vorgestellt. Der Download-Link ist auf der Website www.stylectrical.de zu finden. (Thomas Edelmann/Der Standard/rondo/14/10/2011)
"Stylectrical - Vom Elektrodesign, das Geschichte schreibt". Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Steintorplatz, 20099 Hamburg. Bis 15. Jänner 2012
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