Thai-Spirituosen

Die Tropen brennen

7. Oktober 2011, 10:58
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    Maximilian Coreth (rechts im Bild) und Nikolaus Prachensky...

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    ...machen aus dem Bioobst der thailändischen "Royal Agricultural Projects" hochprämierte Edelbrände.

Die Geschichte von Graf Max und seinem Partner Nikolaus - und wie sie beschlossen, sich ihren Schnaps von nun an selbst zu brennen

Manchen Menschen ist ihr Beruf wie eine Bestimmung ins Gesicht geschrieben. Karl Lagerfeld etwa müsste gar kein Tamtam um sein Outfit machen - den großen Couturier nähme man ihm auch in einem Anzug von Kleider Bauer ab. Oder Paul Bocuse: Ob mit Kochmütze oder ohne, er schaut halt aus wie der König aller Buttersaucen. Ähnlich verhält es sich bei Maximilian Coreth und Nikolaus Prachensky: Man sieht ihnen nicht nur an guten Tagen an, dass sie ihr Leben dem Schnaps geweiht haben. Die Weisheit und der Witz, die da über stolz geschwellten Tränensäcken aus kaum getrübtem Blick funkeln, die haben sich die beiden in harter Arbeit selbst abgefüllt.

Zumindest war es nicht umsonst. Coreth und Prachensky sind nach einhelliger und internationaler Fachmeinung Produzenten von Edelbränden, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Seit einigen Monaten lässt sich das auch in der heimischen Top-Gastronomie (und seit ein paar Wochen im Fachhandel) nachprüfen. Zwischen Steirereck und Hangar-7 huscht den Damen und Herren Sommeliers nämlich ein maliziöses Lächeln übers Antlitz, wenn es dem Gast nach "etwas Besonderem" oder gar "einer Überraschung" zum Digestif gelüsten sollte. In diesen Fällen nämlich holen sie gern eine der tropfenförmig gestalteten Flaschen aus der Versenkung, die mit einem Doppeladler und der Zahl 1772 gekennzeichnet sind und von "Count Coreth Prachensky" stammen.

Geschält, entsteint und vorbereitet

Da wird dann verschwörerisch von Litschi, Ananas oder Maracuja geraunt, von Mango, Banane und Tangerine. Coreth und Prachensky stammen zwar aus Österreich, ihre Destillerie aber steht in Chiang Mai, der uralten Kulturmetropole im Norden Thailands. Hier werden die pflückreifen Früchte nach allen Regeln der Kunst geschält und entsteint oder sonstwie vorbereitet, in Edelstahltanks bei kontrollierter Temperatur vergoren und im Doppelbrennverfahren destilliert. Nach mehrjähriger Lagerung werden sie auf Trinkstärke gebracht und abgefüllt.

Auskenner wissen, dass sich hinter diesen Begriffen mit die aufwändigste Form der Vergeistigung von Früchten verbirgt. In Kombination mit der jedem Thailand-Reisenden geläufigen Qualität der Grundprodukte ergibt das Edelbrände aus tropischen Früchten, die selbst abgebrühte Schnapsologen in Ehrfurcht versetzen. Bei der Destillata, Europas wichtigster Edelbrandprämierung, präsentierten Coreth/Prachensky 29 Edelbrände aus Thai-Früchten. Ausnahmslos jede Sorte wurde dabei mit zumindest einer Medaille bedacht.

Reichsgrafenstand

In den feinen Restaurants und Hotels in Bangkok, vom Dusit Thani und dem Oriental abwärts, sind die Barkeeper jedenfalls ziemlich aus dem Häuschen, dass es plötzlich richtig edle Thai-Spirituosen gibt, bei deren Ausschank man nicht vorsorglich den Notarzt verständigen muss.

Aber zurück zur Flasche, zurück zum Doppeladler. Das Logo ist, wie die Genealogen unter den STANDARD -Lesern längst kombiniert haben, ein Teil des Wappens jener von Coreth zu Coredo und Starkenberg, die Kaiserin Maria Theresia 1772 (daher die Flaschenbezeichnung!) in den Reichsgrafenstand erhoben hat. Nun mag dieses Datum für einen Coreth von erhebender Bedeutung sein - für die republikanisch gefestigte Masse der Genießer feiner Edelbrände ist es nur insofern erheblich, als mit dem Titel auch das Privileg zum Schnapsbrennen einherging. Es hat zwar gedauert, aber schlussendlich ist auch daraus etwas geworden.

Mamarazza legte die Rutsche

Dass dem so ist, liegt einerseits an Coreths Nachbar und Lehrmeister im oberösterreichischen Wallern, dem legendären Edelbrenner Josef Hochmair (Malznerhof). Und andererseits an einer prominenten alten Dame, nämlich Coreths Großmutter: Manni Sayn-Wittgenstein kennt man als Fotografin ("Mamarazza") und Gastgeberin großer Partys während der Salzburger Festspiele. Sie aber kennt Sirikit, die Königin von Thailand: Die Fürstin und die Königin sind sich seit Jahren freundschaftlich verbunden. Die Königin, so Maximilian Coreth, erhole sich im kühlen Salzburger Klima nämlich ganz herausragend und fühle sich im Hause der Großmama über die Maßen (wortwörtlich: "wahnsinnig") wohl. Wer annimmt, dass Maximilian Coreths Tätigkeit als thailändischer Honorarkonsul in Salzburg damit in Verbindung steht, wird nicht ganz falsch liegen.

Vor allem aber war die Königin von "Maxis" Idee der alkoholischen Veredelung tropischer Früchte so begeistert, dass sie ihm prompt die Rutsche zu Prinz Bhisadej legte, der als Chef der "Royal Agricultural Projects" auch die königlichen Bioobstgärten verwaltet.

Süße, verlockende Aromen

Von da bis zum Einmaischen der ersten Ernte war es nur noch ein Obstgartenspaziergang: Coreth tat sich mit Nikolaus Prachensky zusammen, der seit 30 Jahren in Thailand lebt und als Tee- und Gewürzhändler Erfahrung mit lokalen Regeln und Gebräuchen hat. Dass sein Vater der heuer verstorbene große abstrakte Maler Markus Prachensky war, mag angesichts der massiven Ballung berühmter Vorfahren aller Protagonisten beinahe selbstverständlich erscheinen.

Josef Hochmair wurde bei der Planung der Destillerie eingebunden, die Arbeitskräfte unterwiesen, wie die Früchte für die Vergärung vorzubereiten sind: gewaschen, geschält und entsteint, in einem (wegen der tropischen Temperaturen) klimatisierten Gärraum vergoren.

Im Glas verhalten sich die Destillate, wie man das von erstklassig Gebranntem kennt: Sie werfen sich dem Verkoster keineswegs mit vordergründiger Wucht an den Gaumen, sondern wollen sich mit Muße an der Luft entwickeln können. Dann aber steigen unendlich süße, verlockende Aromen auf, von denen man nicht lassen kann. Maximilian Coreth empfindet das auch so, mit merkbarer Zufriedenheit schnüffelt er an den Litschi-Geistern, die aus dem Glas steigen: "Manche behaupten ja, Job sei Job und Schnaps sei Schnaps - ich bin schon sehr froh, dass sich die zwei in meinem Fall ganz gut vertragen." (Severin Corti/Der Standard/rondo/07/10/2011)

1772 Count Coreth Prachensky gibt es beim Meinl am Graben, in der Vinothek St. Stephan und online bei wagners-weinshop.com und shop.doellerer.at.

Kommentar posten
17 Postings
zukunftsbilder
00
10.10.2011, 13:29
hmm...

nicht ganz billig das Zeugs, aber reizen würde es mich schon sehr...

gomaxgo
 
00
9.10.2011, 13:20
jetzt seit's halt nicht so einseitig

von wegen notartzt und so. im thailand gibts einen exzellenten brandy dere sich mit jeden franzoesischen cognac messen kann wird total einheimisch hergestellt, heisst "regency", obendrein gibts eine anzahl weine die auch nicht schlecht sind (kein notartzt), auch beim mekhong und hong thong (toller name, heisst goldener raum) brauchens keinen notartzt, diese beiden thai whisky haben einen echten spiritus geschmack und geruch.
die leute in dieser ecke sind ueberhaupt sehr gut wenns um den schnaps geht. in myanmar / burma wird z.B. ein toller rum destiliert der ist besser als bacardi und captain morgan, wesentlich mehr geschmack hat das myanmarding.

Neuer Nick neues Glück
00
11.10.2011, 17:21

Arzt. Anton-Richard-Zeppelin-Theodor. Nur ein "t". Bitte. Tut sonst sehr weh in den Augen.

Rahoul
00
13.10.2011, 03:14
5 5 5 5... (um es auf Thai zu sagen)

"Artzt" klingt nach einem siamesischen Wunderheiler (Arzt & Artist). Sozusagen ein Kunsthandwerker der Doktoren-Zunft, eh kloar, daß der dann Mekhong als Medizin verschreibt...

linx
11
7.10.2011, 16:31
unnedigs gschloder ...

... das. so schauts aus.

Jupidupidu
02
7.10.2011, 15:11

geh bitte, was ist das gegen einen sang som oder einen mekong? :-)

Rahoul
00
8.10.2011, 01:22
nur im Set ;-!

Die beiden wurden zwar nicht (namentlich) genannt, aber der Kenner weiß ja, was im Artikel gemeint war mit: "...dass es plötzlich Thai-Spirituosen gibt, bei deren Ausschank man nicht vorsorglich den Notarzt verständigen muss."

clyde barrow
111
7.10.2011, 13:46
bei so adelszeug

reckt's mich immer.

Zweimal denken, einmal sprechen
00
8.10.2011, 15:52

Ich hab mir auch gleich gedacht, daß die das ohne ihre Connections nie und nimmer aufziehen hätten können.

Frau Holler
11
7.10.2011, 17:53
Na dann

war der klickreflex bei "graf max" ja kein zufall, ned wahr? immer schön den inneren schweinehund bedienen, dann kommt man mit sicherheit gut angespeist durch den tag

Bi-Ba-Butzemann
 
00
10.10.2011, 15:13
Frau von Holler,

sind Sie's?

clyde barrow
00
7.10.2011, 18:33
uije...

da versteht wer keinen spass...

Vayav indrasca
04
7.10.2011, 13:30

und der Artikel wirft sich dem Leser mit vordergründiger Wucht auf den Magen.

Unerträgliches Gesülze und Geweihräuchere, gemixt mit kleinen Unverschämtheiten ("stolz geschwellte Tränensäcke")

Severin Luftensteiner
01
7.10.2011, 11:52

na bumm, die preise sind aber schon auch ziemlich gräflich, nicht wahr...

träger koffer
00
7.10.2011, 16:59
Annahme:

1 Fl. Mango 0,35l EKP 99,00 brutto
16 Portionen à 2cl
(+1 Portion Schwund)

€ 10,00 DB pro Glas
15% Bedienungsgeld
20% MwSt

macht gerundet € 21,00

Würd mich jetzt in der ****Hotellerie/Gastronomie
als Digestif für einen besonderen Abend ned umhauen.

Voraussetzung: das Zeug ist wirklich so göttlich wie beschrieben

LeSchakal
02
8.10.2011, 01:24
Aussage:

Ich bin ja bereit, für einen Brand (also einen nicht ewig gelagerten) 40 Euro für die 0,7l Flasche zu zahlen; aber 200 Euro? Das ist eindeutig zu viel.

linx
13
7.10.2011, 22:09
es ist weder ...

... göttlich und schon gar nicht trinkbar, nur grauslich.

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