Bier im Gerede

Zu wenig Gerstl

30. September 2011, 17:30
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    foto: apa/roland weihrauch

    Der Michaelistag am 29. September gilt als Erntedank der Bierbrauer.

Conrad Seidl über den Erntedank der Brauer - und deren Sorge um Rohstoffe

Dieser Tage feiern die Bierbrauer den Jahreswechsel: Zu Zeiten, als der Jahreslauf noch mehr von den Festtagen der Heiligen als von den Daten im Kalender gegliedert wurde, galt der Michaelistag (der 29. September) als bäuerlicher Lostag - da war die Ernte eingebracht. Und die Bierbrauer konnten das neue Braujahr mit neuen Rohstoffen beginnen. Tatsächlich wurden Braujahre traditionell von Michaeli auf Michaeli gerechnet, in der Schweiz beginnt das Wirtschaftsjahr der Brauereien mit dem 1. Oktober und nicht mit dem 1. Jänner.

Der Erntedank der Bierbrauer fällt im heurigen Jahr allerdings bescheiden aus - denn die weltweite Rohstoffsituation macht Sorgen. Bei der Tagung der österreichischen Braumeister in der Vorwoche wurde deutlich, dass die Braugerste weltweit immer knapper wird. Die Sommer 2010 und 2011 brachten die kleinsten Gerstenernten in 40 Jahren, der Braugerstenbedarf der EU - zehn Millionen Tonnen - kann in Europa gerade noch gedeckt werden.

Mengenprobleme und Agrarpreise

Aber die hohen Qualitätsvorgaben an Braugerste werden immer schwerer zu erfüllen sein - und die Trends weisen auch auf künftige Mengenprobleme hin. Das hat mit der Entwicklung der Agrarpreise zu tun: Der Preis pro Tonne Sommergerste ist in den vergangenen 25 Jahren um 56 Prozent gefallen, die Erträge je Hektar sind aber nicht entsprechend gestiegen. Das wiederum hat damit zu tun, dass die Getreidezüchter ihr Interesse an neuen Braugerstenzüchtungen verloren haben: Bei Mais, Weizen, Raps und Soja sind die Züchtungsfortschritte größer - ein Getreidebauer kann also bei gleichem Einsatz mehr ernten und mehr verdienen.

Dass die Hektarerträge (und die Gewinne) bei anderen Feldfrüchten höher sind als bei der Gerste, spielt da ebenso mit wie der hohe Anspruch, den Brauer an Gerste stellen: Sie darf nur maximal elf Prozent Eiweiß enthalten - das zwingt den Bauern, beim Dünger zu sparen (und damit geringe Erträge in Kauf zu nehmen). Überschreitet der Eiweißgehalt dennoch die kritische Marke (was bei 50 Prozent der Proben der Fall ist), wird die Gerste zur Futtergerste herabgestuft; damit kommen niedrige Erträge und ein noch niedrigerer Preis zusammen.

Die Bauern klagen, für die Gerste gebe es zu wenig "Gerstl", wie man in besseren Zeiten das Geld zu nennen pflegte. Wenn sich das nicht ändert, wird der wichtigste Bierrohstoff knapp. (Der Standard/rondo/30/09/2011)

Kommentar posten
14 Postings
normal citizen
00
2.10.2011, 10:08
Vielleicht sollten die Braukonzerne

Geld lockermachen und ein Forschungsprogramm für ihre Rohstoffe einrichten.

Jammern ist ein schlechter Züchtungserfolg.

Karl Labruni
01
2.10.2011, 10:20
Mehr bezahlen für den Rohstoff scheint hier aber der effizientere Weg zu sein!

56% Preiszerfall wird kein Züchter nur annähernd kompensieren können!

Alvy Singer
 
01
1.10.2011, 10:08
Hmm

Also wenn es zu wenig Braugerste gibt, werde ich
halt mehr Weizen-oder Roggenbier(das von Schremser ist wirklich Spitze) trinken...

Selbstverständlich weiß ich, dass auch da Braugerste
enthalten ist(40%), aber das ist doch viel weniger als im Gerstenbier. Scheinbar kann man 100%ige
Weizen/Roggenbiere nicht brauen, oder sie würden
uns nicht schmecken.

verleih nix
01
1.10.2011, 09:43
solange man meint, sprit für kfz aus nahrungsmitteln herzustellen

...wird man mit weit größeren problemen als diesem umgehen müssen.

Karl Labruni
00
2.10.2011, 10:21
Sie dürften den Artikel nicht wirklich gelesen haben!

verleih nix
01
2.10.2011, 10:49
haben sie?

ich glaube ihre angst um ihr bier trübt ein wenig ihren blick?

ich sags nochmal: das ist ein minimales problem im vergleich zu den harausforderungen im agrarsektor, vor denen wir dank der tollen idee bioethanol jetzt stehen - oder demnächst stehen werden.

Ludovico Settembrini
00
1.10.2011, 09:06
hopfen

wie siehts mit hopfen aus? der ist doch auch immer knapp?

Flavius Claudius Iulianus
08
1.10.2011, 06:52
Wenn der Gerstenpreis

in den letzten Jahren so massiv gefallen ist, warum erklären uns die Brauereien ihre Preiserhöhungen immer mit einer eklatanten Steigerung der Rohstoffpreise?

Alvy Singer
 
00
1.10.2011, 10:10

Vielleicht weil man halt irgendeine Ausrede für die
Preiserhöhung braucht...

Außerdem steigt bei Knappheit der Preis wirklich.

_spike_
00
1.10.2011, 08:26

Gerechnet auf 25 Jahre sind alle Agrarprodukte billiger geworden. Alleine die Öffnung des österreichischen Marktes zur EU hat hier enorm viel gebracht.

Die Preiserhöhungen aufgrund von Rohstoffpreisen sind erst in den letzten Jahren aufgetreten. Davor waren es wahrscheinlich hautpsächlich die Anstiege bei Löhnen.

gütenand der fertige
00
2.10.2011, 19:28
Sie haben den Artikel nicht gelesen.

Selbstverständlich sind ALLE Agrarerzeugnisse billiger geworden. Grund dafür war, daß die Produktivität dank neuer "Technologie" gestiegen ist.

Das ist aber bei der Braugerste nicht der Fall gewesen, da die ordentlichen Brauer nur Gerste von hoher Qualität verwenden. Ganz im Gegensatz zum dummen Konsumenten, der inzwischen alles frißt, auch wenn's der letzte Dreck ist.

Gehoarg
00
30.9.2011, 22:49
Und?

Gibt´s eine Lösung auch? Oder nur Probleme?

michael126
04
30.9.2011, 23:33
Einfache Lösung

Die Preise müssen steigen, dann werden sich wieder genug Bauern finden die Gerste anbauen.
Man nennt das Marktwirtschaft.

gütenand der fertige
00
2.10.2011, 19:33
Ja,

habe ich mir auch gleich als Erstes gedacht, als ich den Artikel gestern in der Zeitung gelesen habe.

Aber die Bierbrauer werden uns jetzt sicher erzählen, daß sich der höhere Preis, der dann fürs Bier verlangt werden müßte, nicht durchsetzen läßt. Was ich in gewisser Weise auch glaube. Denn für gute qualitätsvolle Lebensmittel ist der Durchschnittsösterreicher nicht bereit, Geld zu bezahlen. Lieber nimmt er seine Hormone und Antibiotika mittels Fleischkonsum ein, ehe er richtiges Geld dafür bezahlt.

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